Die Pizza des Proletariats.

So viel hatte er gelesen über die verschiedenen Belage für Pizzen: Ziegenkäse, Birne, Ananas, Balsamico-Reduktion, Grapefruit, Lachs, Straußenfleisch- und Eier, Fenchel, Spargel oder Kaviar. Auch die Varianten der verschiedenen Teige und besten Zubereitung von Teigen hatte er sich verinnerlicht. Im Traum war er der weltbeste Pizzabäcker und füllte den Ofen mit dem feinsten Birkenscheiten. Er hatte die Grade der Mehle mit dem rechten Nasenloch geschnieft, wie die Scoville mit dem Linken. Dem Büffel-Mozzarella sah er das Euter schon aus zwei Kilometer Entfernung an und den Basilikum zog er ersterer Rückstand.

Dann war aber wieder Sonntag und sie hatte den Hörer am Ohr und die Elfenbeinküste vertrat den Ball in Weltmeisterschaften. Die Basics hatte er beieinander, auch das digitale Kochbuch in die Küche getragen und die passende Musik ausgewählt:

Aber in dem Moment, in dem er das Mehl zwischen seinen Fingern hätte spüren können, vergriff er sich  am Fertigteig und mischte rein die Tomatensauce selbst an. Dazu hieb er den gemischten italienischen Gewürzbuschen in seine Bestandteile, schuf Rosmarin, eine frische Chili, Salz und Pfeffer dazu und schmeckte mit getrockneten Oregano und Basilikum ab. Auf die wenig gehaltvolle Plastikunterlage von Fertigteig verteilt, schuf er ein Oeuvre aus Sardellen, Salami, Thunfisch, Käse, Oliven, Paprika, Kapern und Zwiebel.  Und während er das Gasungeheuer heizte und das Bier von seinem Inhalte befreite, deckte er den Tisch, machte einen Grün-Petersilie-Salat an und zeigte seiner Frau den Zeiger. Dann wechselte er die Stufen im Ofen, drehte die Musik einen Tick lauter und grunzte.

In der Sekunde, in der er an Ananasstücke dachte und ihre Weiblichkeit in all ihrer Süße ihm gegenübersitzend genoß, wusste er, dass sich nie eine Scheibe Ziegenkäse auf seine Volkspizza verirren würde. Das Grün vom Ruccola war schon revolutionär genug. Und in der Hitze des Gasofens schmolz das letzte Stück vorgeschnittener Pizzakäse in einem gelben Panta Rei.

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Roquefortpasta à la Modezar oder die ungehobelte Phase

Essen ist ein Grundbedürfniss. Folglich wurde ab dem 18. Lebensjahr bei mir Kochen auch zu einem Grundbedürfniss, da ich von zu Hause ausgezogen war. Rückblickend gab es damals kein Internet (für mich), keine Kochbücher sondern nur vier Arten von Ratgebern. Die Erinnerung an die Kochkünste meiner Mutter, meine Freunde (den wenigen, denen ich über die Schulter blicken durfte und konnte), die Lokale in denen ich als Hühnerbrater/Garcon/Apprenti/Kellner tätig war und der eigene Wahnsinn. Letzteres bedeutete vor allem verschiedene Zutaten zerschnitten in eine Pfanne oder ins Backrohr zu schmeißen, eine Art Fusionsküche.

Das Gericht „Roquefortpasta“ ist dem Freundeskreis zuzuordnen. Für acht Monate in Grenoble als Erasmusstudent stationiert, besuchte mich der Modezar und zeigte sich in der WG-Küche mehr als ambitioniert bei der Zubereitung seiner Nudeln mit Roquefort. Dies ist eine kleine Ableitung, die aus einer geschmacklichen Fantasie entsprungen ist. Denn man soll Rezepte nie zu ernst nehmen. Für die Roquefortpasta à la Modezar nehmen man folgendes:

  • eine Sellerieknolle (die Blätter in heißem Wasser blanchieren)
  • ausgewählte Karotten (ebenfalls kurz gekocht und in kaltem Wasser abgeschreckt)
  • Krabben (sollte man kein Fischer sein oder keinen Fischer kennen, dann bediene man sich dem Standardwerk)
  • Kapernbeeren
  • Chilischoten

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(Ja, der grüne Häfen im Hintergrund ist in diesem Fall Statist und hat auch sonst im Leben meiner Mitbewohnerin enorme Beduetung.)

Das ganze brate man – nachdem man die großen Teile kleine geschnitten hat – in einer großen Pfanne mit einem Schuß Olivenöl an. Sobald alles fein brät, addiert man die Gewürze – Kräuter der Provence, Pfeffer, Paprika etc. – lösche mit einem Schuß Weißwein ab. Gewürfelten Roquefort dazugeben und brav mit etwas Sauerrahm einkochen lassen. Die inzwischen fertige Pasta – also bitte vorher das gesamte Rezept lesen, da es nicht der Standardnorm für Rezepte entspricht – abtropfen lassen und beifügen.

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Wer keine Krabben am Start hat, benutze stattdessen Schinken oder Salami. Als vegetarische Version könnte ich mir auch Tofu gut vorstellen. Wer überhaupt nichts von den angegebenen Zutaten zuhause hat, außer Roquefort, der nehme was da ist. Roquefort ist dominant genug, um alles zu übertünchen. Folglich auch mit dem Salz aufpassen.

Passendes Getränk aus romantischen Gründen der Erinnerung an diese WG – Danke Cedric, Nat, Etienne & Pretty (was immer du jetzt auch machst, ich hoffe, du hast gefunden was du gesucht hast.) – einen Sky (Whisky mit Cola)als Apéro und dann ein kro.

Passende Musik (für dich Modezar), ein Stück von Ferris MC:

Kulinarische Realitäten

Food Blogs versuchen das Beste aus Küche und Keller darzustellen, wirken dabei aber oft zu clean und steril. Vor allem wird dabei oft der Humor und die Alltäglichkeit vergessen. Da ich kein Profikoch bin, noch die Zeit habe Kochbücher zu wälzen, sondern einkaufe kurz bevor der Supermarkt zusperrt und meist aus Vorräten koche, kann ich diese Ansprüche von Haus aus nicht erfüllen.

Der Hintergrund dieser traurigen Geschichte sind die drei Artischocken, die ich heute in meiner Küche mit dem Hinweis „Die kochen wir am Sonntag“ fand:

Es gibt zwar einige Sachen, die ich noch nie gekocht habe – Hunde, Quallen, Zapfen, Vogelnester oder Kochbücher – aber Artischocken werden eine ganz besondere Herausforderung darstellen, über die ich später noch schreiben werde.

Der wahre Hintergrund dieses Eintrags sind aber nicht die neuartigen kulinarich hochwertigen Artischocken, sondern das spartanische Resterlessen, das an diesem Fußballabend gekocht wurde: Fertigtortellini unbekannter Herkunft mit einer individuellen Sauce der Überreste:

Man nehme eben beschriebene Fertigtortellini (2 Packungen) für die Fertigtortellini und koche diese in Salzwasser. Für die Sauce die restliche Salami (keine Mengenangaben möglich, je nach Geschmack), eine kleine kleingehackte Zwiebel, eine Knoblauchzehe, zwei Chillischotten und brate diese in dieser Reiehnfolge mit etwas Butterschmalz an. Dann addiere man geschälte Tomaten aus der Dose, etwas Weißwein aus dem Kühlschrank (oder was da ist: Rotwein, Sekt, Bier, Schnaps oder Whisky) und schmecke mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver und einer vorhandenen Kräutermischung ab. Fertigtortellini abseien und hinzufügen. Umrühren und fertig ist der Fußballschmaus:

Passendes Getränke: Himbeersirup (wegen des Weinanteils in der Sauce)

Passende Musik:

Passend zu diesem Eintrag quälen mich hinsichtlich eines früheren Eintrags Schuldefühle. Ich hatte in einem früheren Beitrag über eine bestimmte amerikanische geschrieben, in der nur Fastfood zubereitet wird. Dies ist nicht wahr, wie folgende Fotos belegen: http://flickr.com/photos/rena5/2943738330/. Die einzelnen Zutaten des Currys kann ich nicht erkennen, aber sollte Intersse bestehen, dann frage ich gerne nach.

Passendes Getränk: Bier

Passende Musik: