Annäherung an den Gärtopf – eine Bildergeschichte

Nachdem ich im ersten Blogbeitrag schon über meine Vorstellungen eines Restaurants schwadroniert habe, halte ich mich jetzt kürzer:

Ich liebe Essen fürs Auge. Essen muss überraschen. Viel zu oft serviert man dir den gleichen Schmu an Ideenlosigkeit – als Punk verkauft. Dann lieber Toast Hawaii mit einer verdammten Kirsche.

Für den http://www.RestaurantDay.org und DirtyDinnerBreak habe ich mit ,Verbrannte Zwiebelbutter an fermentiertem Herbst‘ alle mir bekannten Fähigkeiten – bis auf eine eine – verlassen und einen komplett neuen Weg eingeschlagen. Fermentieren interessierte mich schon immer, verbrennen konnte ich schon seit meiner Studentenzeit. Was lag also näher, als sich einen Gärtopf (http://steinzeug-schmitt.de/) zu besorgen.

Dazu passt ein wenig Musik

sowie ein Grüner Veltliner wie Missy Greenjeans.

Der fermentierte Herbst – eine Bildergeschichte

Für den herbstlichen Inhalt kaufe man:

  • 1 Blumenkohl
  • 1 Kilo Karotten
  • 2 Bund Radieschen
  • 1 Rettich
  • Gewürze
  • handvoll Pfefferkörner
  • 3 / 4 Lorbeerblätter
  • 25 g Salz pro Liter Wasser

Gemüse schneiden – Blumenkohl muss wohl nicht erklärt werden. Karotten je nach optischer Präferenz in Scheiben oder der Länge nach, Rettich und Radieschen scheiblieren. Das Gemüse im Gärtopf aufschichten. Aus Wasser, Pfefferkörnern, Lorbeerblättern und Salz einen Sud kochen und lauwarm auf das Gemüse füllen. Beschwerungssteine – nein keine Beschwerdensteine, die braucht man am 1. Mai – darauflegen und schauen, dass alles gut mit Flüßigkeit bedeckt ist.

Deckel drauf, alles gut verschließen und regelmäßig den Wasserstand kontrollieren. Nach zwei Wochen lockt die Neugierde und erweckt ein Fragezeichen in meinem Kopf. Ich habe noch nie fermentiertes Gemüse gegessen. Nur in meiner Fanatsie. Was erwartet mich?

Erste Geschmacksprobe ist positiv. Geiler salziger Teint nahe am Gemüsegeschmack, ein wenig die Gewürze. Nicht weich zersetzt, sondern angenehme Konsistenz. Einfach fett. Man sollte es öfter gären lassen!

DSC00882 DSC00951 DSC00952 DSC00953 DSC00954 DSC00957 DSC00960 DSC00961 DSC00965Gärtopfdirty dinner break @ restaurant day © vivi d'angelo (7)Für die ‚Verbrannte Zwiebelbutter‘ bereite man das Mise en Place wie folgt vor:

  • Sonnenblumenöl
  • 3 rote Zwiebeln
  • Salz, Peffer
  • 250 g Butter

1 Zwiebel schälen, in feine Streifen schneiden und auf Backpapier au einem Backblech verteilen. Grillfunktion des Herdes anschalten, allen Nachbarn noch einen letzten Guten Tag wünschen, bevor man für eine leichte Geruchsorgie sorgt. (Kann, muss aber nicht sein. Bei zwei Versuchen hatte rein der zweite das Vermehrte Auftreten von Zwiebelschwaden nach sich gezogen. Wie gesagt, dünn auflegen!) Sobald die Zwiebelscheiben komplett verbrannt sind (ca. 15 Minuten), herrausholen und in einem Möser zermahlen. Zur Seite stellen.

Die restlichen Zwiebel fein schneiden, Teelöffel Öl in einer Pfanne erhitzen und Zwiebel bei mittlerer Temperatur für ca. 25 Minuten dahinköcheln lassen. Gelegentlich umrühren, salzen und pfeffern. Die eingekochten Zwiebeln abkühlen lassen und mit der Butter verrühren.

Zum Anrichten die Zwiebelbutter portionieren und die verbrannten Zwiebel darüber streuen. Gemüse dazu anrichten und am besten mit Brot von http://siktwin.wordpress.com/ servieren.

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It’s only Rock’n’Roll but I like it

Kein Konzept zu haben ist ein scheiß geiles Konzept.

Fangen wir von hinten an. Gegen 1.30 Uhr in der Früh nahm ich mit einer Kaffeetasse, in der Lolita schwamm, am Tisch Platz und war glücklich. Das Pop-Up Restaurant DirtyDinnerBreak im Rahmen des http://www.restaurantday.org hatte soeben geschlossen – oder ich zumindest das Arbeiten eingestellt.

Und es war gut, sehr gut bis phänomenal. Aus einer ersten Idee entstand auf magische Art und Weise – vor allem durch gefühlte 10.000 Facebookposts und Abstimmungen – ein feiner Abend, an dem insgesamt sieben Leute mitgewirkt haben und aus einem vermeintlich nicht existierenden Konzept eine wunderbare Idee erwachsen haben lassen. Verstehen sie mich nicht falsch, DirtyDinnnerBreak wurde genauest geplant, auf alle Details geachtet und die Suppenlöffel vergessen.

Aber am Ende des Tages wurde aus 7 Solisten ein Konzert – jeder seinen Gang dazu beigetragen. Ohne gegenseitigen Testrunden vorab, um sich abzustimmen oder auf einen Nenner zu reduzieren. Nein, aus dem theoretischen Facebook-Nebel hatte sich an diesem Abend ein Punkkonzert aus den unterschiedlichen Bestandteilen heraus entwickelt: Essen und Trinken muss Spaß machen, Herzen, Gaumen und Füße müssen sich im Takt der DJs bewegen und die Leber zum Tanz auffordern. Menschen sollen sich mit Tourette und Freude mischen, Wein muss schmecken, Schnaps passt in große Gläser und eine dreckige Gabel am Boden soll eine verdammte dreckige Gabel am Boden sein. Ach wie ich auf diese steifen, gesetzten Dinner mit Vorstellungsrunde scheiße verzichten kann.

Und genau dieser Rock’n’Roll war es gewesen.

Dafür gilt es Sabine, Katja, Steffen und Sabrina zu danken! Was für eine fette Combo. Danke Finkus für den Laden und deine Weinauswahl sowie Abi für die Töne, die du dem Schellack entlockt hast.

Und so lasst uns in einem ersten Schritt mit dem Hochprozentigen starten und die Cocktails des Abends auf die Bühne bitten. Der Gedanke war dirty zu gehen und so wählte ich einen Kräuterbitter – Hüllenkremer Els wird an den Familienfesten meiner Frau in rauen Mengen genossen – und einen Marillenbrand als Ausgangsbasis. Wobei Richi, Betreiber und Barchef des Wasserwerks in München, dankeswerter Weise meine geschmacklichen Vorstellungen vorab mit dem Vorschlaghammer zerschlug und dem Ganzen Stil und Manieren beibrachte -ohne dabei zu sehr zu lachen.

Als Apero wurde beim DirtyDinnerBreak ‚Auf der Alm, da gibt’s ka Sünd‘ in folgender Konstellation ausgeschenkt

  • 2 cl Hüttenbrenner Els (oder ein anderer lieblicher Kräuterbitter)
  • 4 cl Campari
  • 3 cl Prosecco zum Aufgiesen

Els und Campari in einem Glas verrühren, Eis dazugeben und mit Prosecco aufgießen. Mit einer Orangenzeste garnieren.

Der Digestif hörte auf den Namen ‚Rumble with Mariandl‘! Man nehme

  • 3 cl Zitronensaft
  • 3 cl Weißbiersirup (dazu koche man einen halben Liter Weißbier seiner Wahl auf und mixe weißen Zuckerrohrzucker unter und schalte die Herdplatte aus. Kurz ziehen lasssen und ab in eine leere Flasche.)
  • 4,5 cl Marillenbrand (z. B. von Hauser)

Alle Zutaten in einem Shaker versammeln, shaken in ein Glas auf Eis abseien. Langsam, mit einem Auge und Lächeln auf die Gäste.

Und wie es so ist, mit uns verbrannte Zwiebelbutter mit fermentiertem Gemüse zu speisen, erfährt ihr im zweiten Teil …

dirty dinner break @ restaurant day © vivi d'angelo (20) dirty dinner break @ restaurant day © vivi d'angelo (2) dirty dinner break @ restaurant day © vivi d'angelo (4) dirty dinner break @ restaurant day © vivi d'angelo (8) dirty dinner break @ restaurant day © vivi d'angelo (14)(der Dank für die Bilder geht an http://www.vivisdeliriums.wordpress.com/)

Träumer

Viel zu oft fahren Ideen und Wünsche wie Züge im Kopf umher und verlaufen sich im Tunnelsystem deiner Gehirnwindungen. Was nach ein paar Bier, Gesprächen, Glückshormonausschüttungen gut klingt, verblasst viel zu oft zu einem Traum. Ach Kinders, ich könnte euch Geschichten erzählen von meinen Traumschlössern – heute wird es aber real!

Es freut es mich auch noch eine gewisse Zeit danach, dass Sabine, Katja, Michael und Dana und ich am 17. August den ersten Restaurant Day unseres Lebens umgesetzt haben. Die Freude strahlt noch umso intensiver, da die Idee des #Dirtybrunchbreaks fett eingeschlagen hat. Aber was soll ich euch bei den Broten von Sabine, den Torten von Katja und all den weiteren Köstlichkeiten noch sagen? Das haben schon andere, wie Annette, Sonya oder Kathrin gemacht

Das Sensationelle für mich am #Dirtybrunchbreak ist die Tatsache, in München eine kulinarische Veranstaltung umgesetzt zu haben – in der kompletten Anarchie der Ideen aller Protagonisten. Mit feinen Gästen und sensationellen Zutaten. In einer Stadt, die nicht gerade viel Platz für kulinarische Revolutionen lässt. Dies auch Dank Sebastian, der uns sein Kochstudio zur Verfügung gestellt hat!

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Göttliches Back- und Kuchenwerk und mein Beitrag? Ach, einerseits das altbekannte Gulasch mit viel Liebe, Semmelknödel, Wienerle und Gurkerl. Sowie eine ‚Bloody Mary Infusion‘, angerichtet mit eingelegten Tomaten und Paprika, Oliven und Brot als ‚Dirty Munich Break‘. Dazu lege man Olli Banjo auf die Lauscher und ein Rexglas in die Hand:

In das Rexglas kommen 6 bis 7 Kirschtormaten, zwei Pfefferkörner, 2 getrocknete Chilischoten und als Garnitur ein Buschen Basilikum. Mit dem Wodka deiner Wahl das Glas auffüllen und für drei Tage im Kühlschrank verschrauben und verstauen. Dann Basilikum entfernen und bis zu einer Woche weiter chillen lassen. In Gläsern oder Tassen servieren, eventuell noch mit einem Stück Stangensellerie als Kaustock garnieren.

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Eine viel begabtere Person hatte dazu noch einen besseren Vorschlag: Tomaten anritzen, in heißem Wasser für eine Minute kochen und kalt abschrecken. In einen Mixer mit dem Basilikum geben und pürieren. Die Masse durch einen Kaffeefilter oder ein Tuch Tropfen lassen und die Essenz mit dem Wodka ansetzen. Am End des #Restaurantdays ein spektakuläres Getränk ohne großen Aufwand, das aber die Endorphine purzeln lässt.

Und für alle Träumer unter euch gibt es noch einen Nachschlag um eure Gehirnwindungen frei zu machen für alle Pläne!! Der ‚Bacon Infused Vodka‘ hat sich zwar als optischer und geschmacklicher Fauxpas herausgestellt, befreit aber sicher irgendwas in dir. Und da dies ist auch mein Beitrag für das Blogevent ‚http://www.dinnerumacht.de/wir-kochen-mit-wodka/‘ da man ja nicht immer nur die gelungenen Rezepte posten und einreichen. Wir brauchen mehr Mut zur Häßlichkeit! Dazu schneidet man Speck auf und brät diesen auf Backpapier im Backrohr knusprig.

Speck im Rexglas mit Wodka versenken und ab in den Kühlschrank, dann im Tiefkühler versenken. Fettreste abschöpfen und öfters filtern (feines Sieb, Kaffeefilter, Strumpfhose, whatever). Am Ende des Tages ist mir die Sache zu intensiv, ich habe sie leider aber auch nicht mit Fillern wie Ginger Ale, Ingwerbier, Tomatensaft oder Almdudler probiert. Das solltet ihr unbedingt machen!

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Aus vielfachem Feedback heraus kann ich euch noch mitteilen, dass sich Whisky für die Infusion besser eignet als Wodka. Oder ihr macht es gleich ganz anders. So wie Jo bei seinem Whisky Sour oder diese junge Herr

Auf euer Wohl!!! Bis zu m nächsten Restaurant Day im November!

 

#kochenmitwodka