Die Pizza des Proletariats.

So viel hatte er gelesen über die verschiedenen Belage für Pizzen: Ziegenkäse, Birne, Ananas, Balsamico-Reduktion, Grapefruit, Lachs, Straußenfleisch- und Eier, Fenchel, Spargel oder Kaviar. Auch die Varianten der verschiedenen Teige und besten Zubereitung von Teigen hatte er sich verinnerlicht. Im Traum war er der weltbeste Pizzabäcker und füllte den Ofen mit dem feinsten Birkenscheiten. Er hatte die Grade der Mehle mit dem rechten Nasenloch geschnieft, wie die Scoville mit dem Linken. Dem Büffel-Mozzarella sah er das Euter schon aus zwei Kilometer Entfernung an und den Basilikum zog er ersterer Rückstand.

Dann war aber wieder Sonntag und sie hatte den Hörer am Ohr und die Elfenbeinküste vertrat den Ball in Weltmeisterschaften. Die Basics hatte er beieinander, auch das digitale Kochbuch in die Küche getragen und die passende Musik ausgewählt:

Aber in dem Moment, in dem er das Mehl zwischen seinen Fingern hätte spüren können, vergriff er sich  am Fertigteig und mischte rein die Tomatensauce selbst an. Dazu hieb er den gemischten italienischen Gewürzbuschen in seine Bestandteile, schuf Rosmarin, eine frische Chili, Salz und Pfeffer dazu und schmeckte mit getrockneten Oregano und Basilikum ab. Auf die wenig gehaltvolle Plastikunterlage von Fertigteig verteilt, schuf er ein Oeuvre aus Sardellen, Salami, Thunfisch, Käse, Oliven, Paprika, Kapern und Zwiebel.  Und während er das Gasungeheuer heizte und das Bier von seinem Inhalte befreite, deckte er den Tisch, machte einen Grün-Petersilie-Salat an und zeigte seiner Frau den Zeiger. Dann wechselte er die Stufen im Ofen, drehte die Musik einen Tick lauter und grunzte.

In der Sekunde, in der er an Ananasstücke dachte und ihre Weiblichkeit in all ihrer Süße ihm gegenübersitzend genoß, wusste er, dass sich nie eine Scheibe Ziegenkäse auf seine Volkspizza verirren würde. Das Grün vom Ruccola war schon revolutionär genug. Und in der Hitze des Gasofens schmolz das letzte Stück vorgeschnittener Pizzakäse in einem gelben Panta Rei.

Advertisements

Saures mit Huhn auf Scheiben und Stielen

4 pro Stange, 50 Stangen pro Wochenende, ja er hatte als Spießer bei der Restaurantfachkette Wienerwald weit gebracht. Ob diese ihren Niedergang seinem Abgang zu verdanken hatte konnte er sich nicht mehr entsinnen, aber der Tatsache, dass er noch immer Gusto auf Hühner hatte. Wenn Madame also regelmäßig die Frage nach der Ernährung am Wochenende stellte, kamen ihm immer wieder die Schenkel, Flügel und Brüste wie in einem Varieté geistig hoch. Und so war es nur mehr ein kleiner Schritt zur Feinkostverkäuferin ihres Vertrauens voll Toupet und dem Gemüsehändler voll Wahnsinn und mediterranem Zungeneinschlag.

Nach der Wahl der entsprechenden Musik

und dem Einverständnis der mithörenden Nachbarn ließ er die Schenkel tanzen. Wie er es gelernt hatte, legte er das Huhn auf den Rücken, schnitt mit einem scharfen Messer die Brust entzwei und spaltete den Rücken entlang des Grades. Die eine Hälfte wurde aufgerichtet und unter dem Flügel halbiert, um den Schenkel abzutrennen und den Flügel von der Brust zu befreien. Nach dem feinen Schnitt kümmerte er sich um die Couverture. Dazu rieb er die Zitrone die Schale von der Haut, schnitt Chilis körnige, hackte Rosmarin, schnitt Salz und Pfeffer klein, schmeckte mit Honig ab, zerstückelte minimalst Ingwer und haute fest auf die Pauke.

Sie hatte bereits ihr Samuraischwert aus dem Volkshochschulkurs gezückt und schnitt Gemüse klein: Kartoffeln mit Schale in Scheiben, Karotten in Stiele, Zwiebel in Viertel, Zucchini und Zitronen ebenfalls in Scheiben und enthäutete die Knoblauchzehen. Das ganze formte in einem feuerfesten Behältnis eine Einheit und wurde mit den Hühnereinzelteilen belegt, mit Olivenöl übergossen und mit Bratgewürz, Chilipulver, Salz, weißem Pfeffer und Rosmarin zugedeckt. Die Hände in der Mischung, massierte er das atomisierte Huhn sowie das Gemüse und machte es zu seinem pikanten Geschmacksträger. Die Hühnerteile legte er mit Hautseite nach unten oben auf und verfrachtete das Ensemble in den vorgeheizten Backofen, wo es bei 200 °C Sonnenbank-Flavour aufnahm.  Nach ca. 20 Minuten nahmen die beiden das Huhn aus dem Ofen, wendeten die Schenkel, Brüste und Flügel und bestrichen die Hautseite mit der vorbereiteten Couverture. Zurück im Ofen war es an der Zeit Farbe aufzunehmen. 

 Fingerfood voll Wollust und Geschmack nagten die beiden Knochen ab und rollten Zitronenräder über die Teller während Jay-Z den letzten Ton  traf.

Ein netter Gedanke ist es, die Haut des Huhnes bei der Zubereitung (nicht ganz) vom Fleisch zu trennen und die Couverture oder die Zitronenscheiben oder den Rosmarin, Knoblauch, whatever geschützt einzuarbeiten und so etwaige verbrannte Stellen zu vermeiden und die Haut des Huhnes zu betonen. Auch kann für ein derartiges Huhn fast jegliches Gemüse verwendet werden: Kohlrabi, Fenchel, Lauch, Pilze, Tomaten, Autoreifen, Bierfilze …

Vive le Vitamin – oder ein Topf gegen Fleisch

Das Wochenende hatte seine 48 Stunden auf 48 Minuten geschrumpft und die Energie für Sex, Drugs & Rock’n’Roll verschwendet. Die Sonne hatte sich mit den Sternen und Wolken abgewechselt und im Wechsel der Erinnerungen war nichts mehr sicher, als in der Küche sich das Gemüse erhob. Angriffslustig voller Vitamine und mit den Dreck und Schande als Beilage stigmatisiert, gingen Karotten, Auberginen, Tomaten, die unterschiedlichsten Spitzpaprika, Zwiebel, Knoblauch in die Offensive. Beide hatten keine andere Wahl, als sich mit diversen Hieb- und Stichwaffen zur Wehr zu setzen: Es wurde gehobelt, geschnitten, gebissen, zerrissen und geweint. Unter der Ägide von The Clash – Police and Thieves –

gab es kein Halten mehr und der große Topf wurde dem Herd aufgesetzt.  Rasch briet das Schmalz an und bereitete dem Gemüse einen heißen Empfang. Es wurde gebraten, gerührt, mit Wein, Tomatensauce und Chilipaste abgeschmeckt und der Deckel des Schweigens darüber gebreitet.  Als Beigabe für das Schmorren fügten sie noch Rosmarin, italienische Kräuter, Cumin, Salz und Pfeffer dazu. 

Als Begleitung für die Einheit aus Gemüse hatten sich die beiden für Couscous entschieden: einfach in der Zubereitung, fett als Alternative. Die Sekundanden bestanden aus einem fetten grünen Salat mit Kernöl und dem bekannten Fenchel-Orangen-Salat. Sie ließ Gemüse um Gemüse über die Zunge gleiten und schickte als Rückmeldung nur einen Wortschwall Freude aus, den er auffing zu einem Blogbeitrag verarbeitete. Das nächste Mal noch mit Kichererbsen garniert.

Ein bißchen Weiß, ein bißchen Rot oder die Angst des Torhüters vor der roten Beete

Er musste an Xela, der wohl gerade vor lauter Freude seine Couch gebissen hatte. In dieser Sekunden waren alle 91 Minuten vergessen und Ivica Olic dachte gerade an all seine Torhüter – Mutter, Vater, Kindergartenkumpels und Schulfreunde – denen er in seinen jungen Tagen die Kugel ins Netz jagte.

In dieser 91 Minute krammte auch Edvin van der Saar das Leder aus den Maschen und verfluchte die Verteidiger von Manchester während er sich an seinen letzten kulinarischen Ausflug in die bayerische Kulinarik zurückdachte.

In all seiner Herrlichkeit hatten die beiden in rot und weiß geschmaust. Die grünen Kleckser als Mahnmal für die den heiligen Rasen obenauf. Sie erhoben die Gläser nachdem er den letzten Schöpfer hatte fallen lassen. Die Nudeln waren im Sieb und die rote Beete Sauce auf dem Sprung von heiß zu super heiß, als er den Dill mit Schmand, grünen Pfefferkörnern und Zitronenzeste anrührte. Während er die Farfalle in eine Oper aus Salz und Wasserfluten zubereitete hatte Sie die Farbe der Pfanne verändert.  Die Farbe kam zum Schluss mit den rote Beete Würfeln, die zu den feingehackten Zwiebeln und dem Kümmel – bereits phättgedünstet  – in der Pfanne abhängten. Er hatte die Handschuhe weggeworfen, mit denen er die kauffertige rote Beete gemachetet hatte.  Denn es war nicht im Interesse die rote Beete über Stunden weichzukochen. Das überließ er lieber den Bayern und Xela.

Ivica Olic schaute einmal auf, bevor das Tor machte. Das war seine Sekunde voll verdammten Genusses – sein bester Tag – den er und sie mit Xela und Ille teilten. Ebenso wie das Rezept „Pasta mit roter Beete“, genau so wenig wie Liebe zum FC Bayern.  

Sollten Sie mit Fußball nichts anfangen können, dann tun sie einfach folgende Materialien vereinen und beschleunigen:

  • 300 g Farfalle oder Orchiette
  • 4 mittlere rote Beete
  • 1 Zwiebel
  • 1 ½ TL Kümmel
  • 1 Bund gehackter frischer Dill
  • 1 ½ EL eingelegter grüner Pfeffer
  • ½ – 1 Becher Schmand

The fast and the furios oder 2erlei Bohne an der Wurst

„Bin ich Grieche, bin ich Italiener, das Geschäft ist international!“ schwang sich der  Chef des Obst- und Gemüsehandels ums Eck zu einer Rede hinter der Kasse auf. Während sie die Avocados drückte, zählte er die breiten Bohnen, war an den Chilis versucht und hatte die Frage nach der Herkunft des Ladens gestellt. Zwischen Ouzo und sizilianischen Fleischtomaten, türkischem Tee und bayrischem Salat war diese Frage entstanden.

Mit den Sackerln aus der internationalen Gemüseboutique und dem davor visierten Supermarkt an der Hand eilten sie nach Hause. Es war Freitagabend, Zeit für Sex, Drugs & Rock’n’Roll.  Schnelles Essen musste her und passend dazu wurde ein Riesling entschraubt und in Aperitifgläsern zweckentfremdet. Im Hintergrund fetteten die Babyshambles aus den Boxen als er die Bohnen wusch, die Enden entfernte und in schnabelbreite Stücke verschnitt. Vorher hatte er ihnen noch ein heißes Bad mit Salzwasser aufgestellt, damit die Bohnen auch den passenden Biß für den Abend erhielten. Sie verteilte die Einkäufe auf die Küche, sortierte Ablaufdaten und Geschmacksnoten von Wein auf ihrer Zunge, während er das Mise en Place mit einem Schluck attackierte. Er würfelte eine Zwiebel, zwei Knoblauchzehen, eine Chili sowie mehrere Cocktailtomaten. Nachdem die Bohnen den Biß für 2 Minuten im kochenden Salzwasser fanden, chilten sie im kalten Wasser für die passende Friday-Night-Festigkeit.

Für die vom Metzger vorbereiteten Debreziner stand bereits das Wasserbad bereit, als sie in einer Pfanne Butterschmalz erhitzte, die Hälfte der Zwiebeln, eine Knoblauchzehe, die Chili und fertige Speckwürfel anbriet, bevor die Hälfte der Bohnen das Ensemble grünten. Gut durchgemischt, mit Salz, Pfeffer und italienischen Kräutern abgeschmeckt presste sie noch eine halbe Zitrone darüber. Er schüsselte den restlichen Zwiebel, Knoblauch, Pfeffer, Salz und Petersilie mit Kürbiskernöl und Apfelessig und hob die restlichen Bohnen sowie die Tomaten unter.

Fertig war sein Einerlei der Bohnen, das er mit ihrem Einerlei verzweisamte und die Würste mit Zitronen-Piment und süßem Senf zu einer Ménage-à-trois werden ließ.

Innerhalb von 15 Minuten war die Unterlage für Freitagabend geschaffen. 2 fast 2 furious dachte die beiden bei einem Dessert-Pastis und –Campari. Nein, Knall auf Fall!

Eierschalen mit Knochen

„Willst du mich verarschen?“ schallte es durch die Sprechmuschel. „Nein, Rindfleisch und Knochen.“ Die 60 jährigen auftuppierten Verkäuferinnen des Metzgers ihres Vertrauens wussten Bescheid und packten vor ihren staunenden Augen die Knochen ein. Es ging um Rindssuppe und diese zieht ihren Geschmack unter anderem aus Knochen.  Die Knochen klapperten mit dem Rindfleisch im Sack als sie siegesgewiss nach Hause ging.

I lost my love in a hurricane“ hämmerte es durch die Küche, als es an die erste gemeinsame Rindssuppe der beiden ging. In der briefmarkengroßen Küche mit adäquatem Geschirr wurden die Elementarteilchen einer Rindssuppe auf zwei Töpfe verteilt:

–        Rindfleisch zum Kochen

–        Knochen

–        Schwarzwurzeln, Petersilie, Pastinaken, Sellerie, Lauch, halbierte Zwiebel in Schale, Karotten und Kohlrabi (einfach alle Gemüsesorten die ein Seepferdchen-Abzeichen oder ähnliches im Schwimmen hatten, wobei auch die vorgefertigten Suppengrün-Schwimmstaffeln aus dem Supermarkt ausreichend Potential besitzen)

–        Pfefferkörner, Salz,  Lorbeerblätter

Die gesamte Kompetenz wurde mit Wasser aufgegossen und mit Eierschalen gekrönt. Dabei hatte er noch den Satz von Mr. Föhni im Ohr „Eierschalen verhindern die Schaumbildung auf der Suppe.“ Ob Humbug oder Trugschluss, mit den tanzenden Eierschalen auf dem Rindermeer gingen die beiden hin und rollten die Rollos aller Fenster auf, damit sich all diese beschlugen und die Nachbarn Stoff zum Reden hatten.

In der Suppe liegt die Kraft für diesen Sonntag als sich beide an die Frittaten machten. 2 Eier, deren Schalen in der Suppe tanzten , 250 ml Milch, 125 g Mehl , Salz, Pfeffer und ein Strauch Petersilie nahmen in einem Meßbecher Kontakt mit dem Stabmixer auf und wurden technisch feinfühlig in der Menge ihrer Einzelteile  zu einer Mischung gedatet.

In einer beschichteten Pfanne wurde Öl ausgegossen und wieder in einer Tasse aufgefangen. Sie hatte den Schöpfer in der Hand und verteilte die Frittatenlösung mengengerecht in der Pfanne, schwenkte, wartete, wuchtete, loopte, wendete, fing auf, wartete und parkte die fertige Palatschinke auf einem Teller. Dann goß er das Öl aus der Tasse wieder in die Pfanne, sie verteilte, goß zurück und das komplette Prozedere wiederholte sich zwei Duzend Mal zu „Highheels“.

Fertig war die Chausse, die Frittaten in ungleichförmige Streifen geschnitten und die Suppe abgegossen. Das Gemüse wurde in mundgerechte Stücke geschnitten und der Suppe wieder geschenkt.

Der Rest ging den Weg alles weltlichen und landete im Müll.

Aus der Suppenküche wurde am ersten Abend allerfeinste Rindssuppe mit Gemüseeinlage und Frittaten in Kombination mit gekochtem Rindfleisch in  riesigen Schüsseln ausgeschenkt. Sollte das Gemüse nur mehr in semifester Konsistenz auftauchen, dann besteht noch immer die Möglichkeit frisches Gemüse in Stiften, Scheiben oder Quadern kurz mit zu kochen und knackig auf den Tisch zu bringen. So hatte es die Schwägerin in Perfektion demonstriert.

Gute Österreichische Küche wurde aus der Kombination am zweiten Abend zelebriert. Das gekochte Rindfleisch wurde aufgeschnitten mit Wurzelgemüse (Karotten, Sellerie und all ihre Freunde), Salzkartoffeln und einer fetten Brise Kren/Meerrettich aufgetischt.

Keine Knochenarbeit waren sich die beiden einig, als sie das Ergebnis verkosteten und den Rest einfroren.  Die Scheiben waren wieder klar und den Nachbarn wurden mit einem fetten, genussvollen Grinser zugeprostet. Gott, wie ich das liebe dachte der sich.

Ist da Pferd drinnen?

Im beruflichen Kleinteam spielen sich die größten Dramen und besten Komödien ab. Grundsätzlich sollte man berufliches und privates trennen; da das Leben allerdings keine Trennkost ist, fand sich mein berufliches Umfeld bereits zu diversen lukullischen Genüssen zusammen. Nach Raclette, BBQ, Thaicurry und tschechischen Antipasti, eingelegt in Becherovka, ging es nun daran österreichisch zu bewirten.

Das Menü bestand aus Käferbohnensalat mit Kürbiskernöl und einem Fiakergulasch. Zur musikalischen Untermalung bietet sich ein österreichischer Klassiker von Kurt Sowinetz an:

Sollten die Käferbohnen getrocknet sein, diese für 24 Stunden in Wasser einlegen und dann in Salzwasser kochen, bis diese bissfest sind. Die Käferbohnen mit Essig und reichlich Kernöl abmachen, Zwiebel und Knoblauch addieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Am besten als Vorspeise servieren.

Gulasch_Bohnen_07

Für das Gulasch schneide man – wie in diesem Fall für acht Personen – zwei Kilo Zwiebel klein, bis die Augen leuchten wie Bremslichter. Man nehme die gleiche Menge Gulaschfleisch (egal ob Schwein, Kalb, Pferd oder Gnu, Hauptsache eine Sorte wegen der Kochzeit), tupfe sie trocken oder auch nicht und brate die in Würfel geschnittenen Stücke in reichlich Sonnenblumenöl in einem großen Topf an. Nach erfolgreicher Bräunung der Fleischstücke auf zumindest drei Seiten, werden diese zum chillen beiseite gelegt und die geschnittenen Zwiebeln nehmen ihren Platz im Topf ein. Die Zwiebel glasig dünsten, mit Paprikapulver, Knoblauch, Salz, Pfeffer, Chilli und geriebenen Kümmel in ausreichender Menge bekannt machen. Wie gesagt, hier wird für acht Personen groß aufgekocht, weshalb auch mit den Zutaten nicht zu sparen ist. Das Fleisch wieder zuführen und dann dünsten lassen, bis sich alles in Wohlgefallen und Gulasch zersetzt. Alternativ kann man auch noch ca. 1 Liter Rindssuppe ins Spiel nehmen und die Komposition ausdünnen. Dann wird es eher zu einer Suppe, wie in meinem Fall.

Gulasch_Bohnen_01

In der Zwischenzeit hat man sich schon dem nächsten Bestandteil gewidmet: dem Serviettenknödel. Dazu eine Packung Toastbrotscheiben von der Rinde befreien und mit ca. 0,5 Liter warmer Milch für ca. 30 Minuten ruhen lassen. Gehackte Petersilie, Eier (ungefähr vier Stück), Salz, Pfeffer, Speck (bei Bedarf) und xxx einrühren und die ganze Masse zu einem Fest für die Finger werden lassen. Auf einer Klarsichtfolie wird der Patz dann zu einer Wurst aufgereiht – wer auch immer Zigaretten gedreht hat, ist hier von Vorteil – und an den Enden verschlossen. Darüber kommt noch eine Schicht Alufolie. Wem dies zu alternativ ist, kann den konservativen Weg nehmen und eine Serviette/Geschirrhangerl hernehmen. Das Kunstwerk in heißem Wasser für ca. 25 Minuten kochen bis die Konsistenz vom Halbflüssigen ins Feste übergegangen ist. Da ich diesen Moment nie erreicht habe, wurde in dieser Hinsicht von mir geschummelt: ich habe die Verpackung einfach aufgerissen und aus der langen Wurst kleine Knödeltaler geformt, die ich abgebraten serviert habe.

Gulasch_Bohnen_04

Als weitere Beilage zum Fiakergulasch werden Wienerle/Frankfurter, Spiegeleier und Essiggurkerl gereicht. All dies macht ein herrliches Fiakergulasch aus. Wichtig ist, die Gurkerl aufzufächert. Dazu mache man aus einem zwei und schneide die Hälften in kleinen Abständen ein ohne sie ganz durchzusägen. Dann mit der flachen Hand aufdrücken und fächern.

Gulasch_Bohnen_08

Passende Getränke: zur Vorspeise ein herrlicher Schilcher aus der Weststeiermark, zur Hauptspeise irgendein Bier, Hauptsache Bier und zum nicht vorhanden Dessert ein Schnaps oder Whisky zur Verdauung.

Dies war mein erstes Gulasch und einige Punkte sind festzuhalten:

  • beim Zwiebelschneiden kann man irgendwann nicht mehr weinen
  • dafür riecht man auch noch Tage danach nach Zwiebeln
  • nimm lieber zwei mittlere Töpfe, als einen großen, in dem du nie mehr umrühren kannst
  • addiere nur Suppe wenn du Suppe willst
  • Knödel muss ich noch üben
  • Ich habe noch immer nicht die Unkosten verrechnet
  • ja Lukas, man kann auch ein Pferd hineinschneiden; nur woher kriegen ist die Frage
  • ja ModeZampano, die Fotos sind noch immer Schrott

Gulasch_Bohnen_05

92,8 Kilo oder das Gewicht eines Food-Blogs – Version Frau II

Die kulinarische Vielfältig in der trauten Zweisamkeit ist unendlich. Dies liegt an der Freude beim Einkauf von Madame und meiner beim Mixen aller erdenklicher Zutaten.

Passende Untermalung für den kulinarischen romantischen Abendklassiker ist Amy Winehouse:

Kleingehackte Zwiebel und Schinkenstreifen (auch gerne Garnelen, Speckwürfel oder Otternasen) in Olivenöl andünsten, mit Crème Fraiche ablöschen, salzen, pfeffern und weitere lustige Kräuter die zur Verfügung stehen untermixen. Brokkoliröschen – vorher im heißen Wasser für eine Minute blanchiert – unterrühren sowie gekochte Nudeln additieren. Die Kombo miteinander bekannt machen und anrichten. Käse drüber und mit einem Augustiner verschlingen.

brokkolishrimpsnudeln011

Passen dazu einen grünen Salat mit Orangen reichen. Das Dressing bleibt Geschmackssache – in diesem Fall Kürbiskernöl – ebenso wie die Tatsache, dass man noch Nüsse oder Gorgonzala additieren könnte.

salatorange

Easy come, easy go. Am beste während des Kochvorgangs gleich noch den Spülvorgang integrieren und man braucht sich in der Früh für keinen Scheiß genieren.

Rolle Vorwärts à la Rothmund samt Mischmaschgemüse im spülfähigen Alter

Man sieht es meinen Rezepten an, dass ich besser über Essen schreibe als es zu Kochen oder zu Fotografieren (siehe auch die netten Kommentare auf Flickr). Sollte dem auch nicht so sein und nur kulinarische Spastiker sich an meinem Blog delektieren, auch gut.

Doch, was mich treibt ist wie beim aktiven Fußballspiel die Lust und die Freude, vor allem aber auch die Erkenntnis, dass ich lernfähig bin. An einem Vorabend eines langen Geburtstagsabends ging es nun daran, die geistige in die gestalterische „Rolle vorwärts“ zu verwandeln.

Für die Assistenz der Küche wurde noch schnell ein Lied aufgelegt 

und schon ging an die Produktion der „Rolle Vorwärts à la Rothmund samt Mischmaschgemüse im spülfähigen Alter“.

Für die „Rolle Vorwärts“ vier Putenschnitzerl auf einem Brett drapieren und mit einem scharfen Messer seitlich einschneiden (à la „Urigeler“ Style, indem man die Hand auflegt), sodass eine Tasche entsteht.

pute-gerollt-gefullt72dpi

Also keine zwei Schnitzel aus einem machen. Die Taschen mit Weichkäse ausschmieren (Bresso hat sich für unsere Zwecke als aromatisch erwiesen). In einem Speck- oder Prosciuttoblatt eine getrocknete Tomate (oder was auch immer, Bernd würde wahrscheinlich einen Gummibären nehmen) einrollen und in die Tasche stecken, wie den Schlüsselbund in die Hosentasche. Das ganze mit einem Zahnstocher oder einem Rosmarinzweig verschließen.

In der Zwischenzeit hat die Assistenz bereits einige Kartoffel (mit Haut) gewürfelt, ebenso ein paar Karotten, einen Kohlrabi, eine Fenchelknolle, Zwiebel und Knoblauch.

kartoffelwurfel-in-der-pfanne

Die gesamte Vitamincrew wird in heißem Butterschmalz scharf angebraten, Deckel drauf und für ca. 25 Minuten bei mäßiger Hitze in Ruhe gelassen. Nur noch mit Salz, Pfeffer und verschiedenem Kräuterwerk versehen.

Nun die Rollen Vorwärts ebenfalls von allen Seiten scharf anbraten und im vorgeheizten Backrohr, nach der Würzung mit Salz, Pfeffer für 15 Minuten durchbacken.

pute-in-der-pfanne-gefangen

In der Zwischenzeit den Tisch decken, die zweite Flasche Wein öffnen (die erste wurde verKOCHt), grünen Salat mit einer Vinaigrette abmachen, die Gäste hereinlassen, Kerzen anzünden, Smalltalk betreiben und abwaschen.

pute-aufgeschnitten

Dies ist der Tribut an die Vergangenheit, nicht abgewaschenes Geschirr überdauert die Ewigkeit und muss vor dem Essen abgewaschen sein, und der Namensgeber für das Mischmaschgemüse im spühlfähigen Alter.

 

Passendes Getränk: Spritziger Weißwein vom Weingut Lackner Tinnacher oder Tegernseer Bier.