Die Pizza des Proletariats.

So viel hatte er gelesen über die verschiedenen Belage für Pizzen: Ziegenkäse, Birne, Ananas, Balsamico-Reduktion, Grapefruit, Lachs, Straußenfleisch- und Eier, Fenchel, Spargel oder Kaviar. Auch die Varianten der verschiedenen Teige und besten Zubereitung von Teigen hatte er sich verinnerlicht. Im Traum war er der weltbeste Pizzabäcker und füllte den Ofen mit dem feinsten Birkenscheiten. Er hatte die Grade der Mehle mit dem rechten Nasenloch geschnieft, wie die Scoville mit dem Linken. Dem Büffel-Mozzarella sah er das Euter schon aus zwei Kilometer Entfernung an und den Basilikum zog er ersterer Rückstand.

Dann war aber wieder Sonntag und sie hatte den Hörer am Ohr und die Elfenbeinküste vertrat den Ball in Weltmeisterschaften. Die Basics hatte er beieinander, auch das digitale Kochbuch in die Küche getragen und die passende Musik ausgewählt:

Aber in dem Moment, in dem er das Mehl zwischen seinen Fingern hätte spüren können, vergriff er sich  am Fertigteig und mischte rein die Tomatensauce selbst an. Dazu hieb er den gemischten italienischen Gewürzbuschen in seine Bestandteile, schuf Rosmarin, eine frische Chili, Salz und Pfeffer dazu und schmeckte mit getrockneten Oregano und Basilikum ab. Auf die wenig gehaltvolle Plastikunterlage von Fertigteig verteilt, schuf er ein Oeuvre aus Sardellen, Salami, Thunfisch, Käse, Oliven, Paprika, Kapern und Zwiebel.  Und während er das Gasungeheuer heizte und das Bier von seinem Inhalte befreite, deckte er den Tisch, machte einen Grün-Petersilie-Salat an und zeigte seiner Frau den Zeiger. Dann wechselte er die Stufen im Ofen, drehte die Musik einen Tick lauter und grunzte.

In der Sekunde, in der er an Ananasstücke dachte und ihre Weiblichkeit in all ihrer Süße ihm gegenübersitzend genoß, wusste er, dass sich nie eine Scheibe Ziegenkäse auf seine Volkspizza verirren würde. Das Grün vom Ruccola war schon revolutionär genug. Und in der Hitze des Gasofens schmolz das letzte Stück vorgeschnittener Pizzakäse in einem gelben Panta Rei.

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Nema Problema jungäär Mann!

Selbstredend passt dieser Eintrag nicht zur Jahreszeit, aber hier geht es um die Sonne im Herzen und nicht um die Temperaturen vor der Haustür. Des Weiteren handelt es sich um die Rechtfertigung, warum er nur Fotos vom Essen und seiner Lady gemacht hat: weil es verdammt gut geschmeckt hat und Sonnenuntergänge als Hintergrundbild scheiße sind. Der Sommerurlaub mit Madame fand dieses Jahr in Punat, einem netten Ort auf der kroatischen Mittelmeerinsel Krk, statt. Der Ort bezieht seinen Charme aus verwinkelten Gässchen, duftenden Weindächern, Rosmarinbüschen und Feigenbäumen und der Tatsache, dass der große Tourismus auf dem Campingplatz sein Internierungslager hat.

Nach einer schönen, langen Aktion der Herbergssuche – „Nein, die haben immer Zimmer frei. Fuck off, da braucht  man nicht vorbestellen!“ – und der Erkenntnis, dass man auch aus einer Garage ein Appartement machen kann, empfing Hausbesitzerin Nema problema die beiden mit offenen Armen. Sie selbst wohnte mit Hund und Schildkröten im Keller und vermietete Zimmer mit Ausblick und Terrasse. (Bild Terrasse mit Oliven und Pastis) Auf ihre radikal nette Art zerstört sie die Kreisläufe der stärksten Männer mit selbstgebranntem Travarica, schickt in die Gäste in die besten Lokale essen und verschlingt jeden Tag in der Früh einen Buddha um zu jeder Gelegenheit ein  Nema problema zu lancieren.

01_Dachterrasse

Am ersten Abend nach einer wunderschön langen Autofahrt und fetten Strandspaziergang am zubetonierten Ufer, das sich bequemer a ls erwartet herausstellen sollte, meldeten sich gleichzeitig zwei Mägen. Der ersten Empfehlung in Richtung Promenade folgend, enterten die zwei das Restaurant Sidro: ein klassisches Touristenlokal gehobener Art mit dem Charme einer Höhle und einem Kellner aus dem Vorhof der Hölle. Dieser pflegte die Kundschaft mit jungäär Mann zu titulieren und stellte  ihn auf eine harte Probe (immerhin hatte er keine Haare mehr am Kopf und wird  selbst auf der Straße von jugendlichen Zigarettenschnorrern mit Sie angesprochen!). Nach der Absage an den frischen Fisch in Weinsauce (es gibt nur einen Grund Fisch in einer Weinsauce zu ertränken), gönnten sich die zwei als Entrée eingelegten Fisch und gemischten Salat.

02_Sidro_Entree

Kalamari vom Rost mit Pommes und gebackene Sardinen mit Mangold-Kartoffel-Schnickschnack rundeten den ersten Abend und setzen eine Duftmarke in Knoblauch und Zwiebel.

03_Sidro_Fisch

Die Qualität war für die Geschwindigkeit des Gästewechsels – schnelle noch einmal flanieren und dann campieren – gut, das Ambiente schön und kulinarische als Ausgangsbasis akzeptabel.

Punat hatten die beiden am ersten Tag durch eine Maria und Josef ähnliche Herbergssuche kennengelernt und dabei die Konoba Ribice entdeckt.

05_Ribice

Unter einem Feigenbaum wird kroatischer Fisch und Wein aus Krk zelebriert. Und als Alternative wurde an diesem Abend vom obligatorischen Volksmusikgeduddel auf Elvis Presley umgeschalten. Zu Hound Dog flatterte der Vorspeisensalat

07_Ribice_Salat

in die Mäuler und mit dem Hüftschwung von Postman fetzte die große Fischplatte

08_Ribice_Fischplatte

mit feiner Unterstützung einer Flasche Zlahtina über die Lippen.

06_Ribice_Schlachtina

Ein Hinterhof des Fühlen und Füllens. Sehr empfehlenswert, vor allem durch das improvisierte Ambiente

Auf den Spaziergängen des Verdauens und der Neugier  lief ihnen auch die Pizzeria Žestic über den Weg. Über den Dächern der Stadt verließen sie Messer und Gabel genauso wie Sitte und Anstand und es wurde mit allen vorhandenen Körperteilen geschmaust und in Olivenöl gebadet. Mit einem Salat wurde in den Erinnerungen an die Sonnenstrahlen geschwelgt,

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bei Oktopus mit Pommes wurde den Wellen der Adria Komplimente gemacht,

10_Zestica_Oktopus

bei Riesengarnelen wurde dem Öl – Oliven- als auch Sonnenöl – gedankt

11_Zestica_Garnellen

und mit Miesmuscheln in einer Knoblauch-Pilzsauce wurde Apollo mit einer Knoblauchfahne geküsst.

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Eingeölt und auf einem Knoblauch-Flash glitten beide in das Dunkel der Nacht.

12_Zestica_Öl

Das finale Sonnenbaden am Kai besiegelte den Blitzurlaub und ein kurzes Abendessen in der heißumkämpften Pizzeria Žestic

14_Zestica_salat

– die Empfehlung geht in Richtung Reservierung – führte dem Magen die letzte Ration Knoblauch und Olivenöl für die Heimfahrt zu. Unter den roten Ziegeln der Dächer der Stadt klapperte das Gebiss der zwei Kulinauten (wahnsinniges fettes Wortspiel aus, ach whatever.) zu Pizza Frutti die Mare

15_Zestica_Pizza

und gegrillten Kalamari.

16_Zestica_Kalamari

Die drei Tage Punat waren eine einzige Hommage an die Sonne, das Meer, die lokale Küche und Weine, an den kommunistischen Kai aus Beton, duftende Feigenbäume, die Hausmeister im Strandkaffee, Olivenöl, Knoblauch, den Zwiebel und die Liebe. Zum Abschluss hauchte Sie leise: Punta, wir kommen bald wieder.

Blog Apple Teil 2

Nach zwei wunderschönen Flügen mit der Air Baguette – danke, einmal und nie wieder – in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, herzlich empfangen von der Homeland Security und der dort ansässigen Österreicherin warfen sich Hosenpauli und der Betreiber dieses Blogs in die Schluchten Harlems und des Restes des Big Apple (die erste Erklärung flasht mich am meisten) um zu essen, trinken und Schabernack  zu treiben.

In den folgenden Episoden dreht sich alles um die kulinarischen Hotspots, Tiefpunkte und den ganzen anderen Rest (Restaurants, Bars, Mülleimer, Supermärkte etc.), der in ihren Mäulern verschwand. Dabei wird es mehr Visuelles als rezeptmäßig hochwertiges geben. Der Aufhänger der zweiten Geschichte (der erste Teil ist hier zu lesen) ist schlicht und einfach Fast Food und der ganze Fraß, der bei drei nicht am Baum oben war. In dieser Hinsicht vielen Dank und großen Respekt vor Hosenpauli, der sich nie zu schade für einen kleinen Snack war.

An erster Stelle steht der klassische Burger. Zuerst eingenommen im Square Diner mit Krautsalat (das einzig Würzige am ganzen Gericht).

Überraschend die farbenfrohe Zusammensetzung und die faszinierende Umgebung des Gratis-Kaffee-Nachschenkens. Der Vergleichsburger wurde in Williamsburg verspeist – in einem Lokal ohne mir mehr greifbaren Namen – und nach einem ganzen Tag in den Schuhen mit der Note sehr gut ausgezeichnet.

Zu den kulinarischen zählte vor allem eines: das Pastrami. Perfekt geil im Geschmack, mit unterschiedlichsten Geschmacksvarianten und immer greifbar.

Darüber hinaus eine Pirouette am Gaumen: das Philly Cheese Steak.

Bei der Herstellung durch den ägyptischen Straßenverkäufer wurde allerdings aus Ermangelung einer Semmel Pitabrot verbraten. Allerdings habe ich keine Ahnung, was sonst noch auf dem Grill lag.

Des Weiteren positiv zu hervorheben ist der gemeine Wrap, der an jeder Straßenecke gammelt. Auf der Habenseite standen auch Pizza, Hot Dogs, Muffins und Doughnuts, die allerdings ohne Fotos auskommen müssen. Alles in allem hat New York alles für die Hand in den Mund zu bieten. Besonders herausfordernd sind die Stände an der Straße und die bizarren Eckbuden, die sich Deli (bloppen auch in Deutschland auf wie Pilze) schimpfen und auch alle lustigen Sachen vertickern.

Passende Getränke: yuengling lager, Eistee und alles andere was trockene Wandererkehlen labt.

Passende Musik: Fear of The Dark, den man kann ja nie wissen, was man ist.