Narrische Schwammerl

Pilze sind der Mittelpunkt der Erde. Sie wachsen dort, wo man sie nicht braucht und bevölkern unsere Lebensmittel hin und wieder zu einem frivolen Farbkaleidoskop vereint. Und wenn sie uns nicht von Haus aus besuchen und uns die Vergänglichkeit des leiblichen Wohls zeigen, dann gehen wir gerne hinaus und suchen die entsprechenden Exemplare in freier Natur. Ob im Kuhfladen oder unter der Birke wachsend, Pilze oder Schwammerl sind die Prunkexemplare ein jeder Küche auch abseits von Trüffel oder Champignonrahmsaucenmassakern.

So hatte er den Wald durchforstet, die Fußabdrücke der Zivilisation betrachtet 

und Steinpilze wie auch Recherl mit nach Hause gebracht. Letztere hatte die Schwägerin bereits am Vorabend zubereitet: Zwiebeln angeschwitzt, Recherl additiert, gesalzt und gepfeffert und mit Sauerrahm abgeschmeckt. Einfach, einfach fein. Die Steinpilze hatte er der Seinigen mitgebracht. Ebenso wie Butter und Petersilie, aus dem Supermarkt, nicht aus dem Wald. Auch Björn der Chilistrauch trug seine Früchte Gewehr bei Fuß und begrüßte ihn mit einem „Enter the ninja“.

 Die Steinpilze blätterte er in dicke Scheiben und verflüßigte den Aggregatzustand der Butter. Die Steinpilze in die Pfanne emigriert, schmoren diese für einige Minuten bei mittlerer Hitze. Am Besten sind die geschmorten Steinpilze nur mit einem Hauch von Salz und Pfeffer zu genießen, eventuell kann noch ein Hauch von Petersilie oder in komplett gewagten Fällen Chili hinzugefügt werden. Doch Björn kam ungeschorren davon.

Und dann schloss sie die Augen und genoß die Früchte des Waldes, während er sich mit einem Untergiesinger Kellerbräu zurücklehnte und das einfachste erotische Essen aller Zeiten geschmacklich in seinen Gehirnwindungen abspeicherte.

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Fleischeslust in Tricolore

Satt, Schnaps, Schluss. Drei Worte die das Ende des Abends besiegeln sollten, aber nur ein paar Gin Tonics auf der Geburtstagsfeier eines Freundes auf den Plan riefen.

Er hat sich mit ihr auf einen kulinarischen Plan für 2010 verständigt, der besagte alles zu probieren und zu kochen, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Zu diesem kulinarischen Testballon hatte sich auch ein Freund gesellt, dessen Interessen parallel verliefen.

Philipp ergriff die Pute und brüstete sich damit in der Hälfte. Die Fülle aus griechischem Schafskäse, Speisetopfen, Salz, Pfeffer, Rosmarin und einem Mix aus dem unterschiedlichsten Gewürzen wurde in der Putenbrust verspachtelt – diese wurde in der Mitte mit einem scharfen Messer taschenförmig eingeschnitten – und mit Rosmarinstengel von Hans dem Rosmarin zusammengeheftet.

In einer heißen Pfanne Butterschmalz fand die Putenbrust ihre Bestimmung, wurde von allen Seiten angebraten und langsam – wenn nötig im vorgeheizten Backrohr – für einige Minuten durchgegart. In einer zweiten Pfanne ließ er Paprika Tricolore in Streifen aufsalutieren und mit Knoblauch in Olivenöl anbraten.

Als Unterlage der Pute mischte Philipp grüne Salatnester mit einer  Sauce aus Orangensaft, weißem Balsamico, etwas ÖL, Salz und Pfeffer, trapierte das Duett auf mehreren Tellern, verteilte die Paprikastreifen darüber und  richtete die in Scheiben geschnittene Putenbrust als Gipfelsturm des Genusses an.

Der erste Gang hatte die Touren mit einem passenden Weißwein bereits beschleunigt und während Philipp die Schellacks herausholte und den Plattenspieler mit einem kurzen Word Up auf die Rillen brachte hatte er schon Fleisch in den Händen …

Ist da Pferd drinnen?

Im beruflichen Kleinteam spielen sich die größten Dramen und besten Komödien ab. Grundsätzlich sollte man berufliches und privates trennen; da das Leben allerdings keine Trennkost ist, fand sich mein berufliches Umfeld bereits zu diversen lukullischen Genüssen zusammen. Nach Raclette, BBQ, Thaicurry und tschechischen Antipasti, eingelegt in Becherovka, ging es nun daran österreichisch zu bewirten.

Das Menü bestand aus Käferbohnensalat mit Kürbiskernöl und einem Fiakergulasch. Zur musikalischen Untermalung bietet sich ein österreichischer Klassiker von Kurt Sowinetz an:

Sollten die Käferbohnen getrocknet sein, diese für 24 Stunden in Wasser einlegen und dann in Salzwasser kochen, bis diese bissfest sind. Die Käferbohnen mit Essig und reichlich Kernöl abmachen, Zwiebel und Knoblauch addieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Am besten als Vorspeise servieren.

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Für das Gulasch schneide man – wie in diesem Fall für acht Personen – zwei Kilo Zwiebel klein, bis die Augen leuchten wie Bremslichter. Man nehme die gleiche Menge Gulaschfleisch (egal ob Schwein, Kalb, Pferd oder Gnu, Hauptsache eine Sorte wegen der Kochzeit), tupfe sie trocken oder auch nicht und brate die in Würfel geschnittenen Stücke in reichlich Sonnenblumenöl in einem großen Topf an. Nach erfolgreicher Bräunung der Fleischstücke auf zumindest drei Seiten, werden diese zum chillen beiseite gelegt und die geschnittenen Zwiebeln nehmen ihren Platz im Topf ein. Die Zwiebel glasig dünsten, mit Paprikapulver, Knoblauch, Salz, Pfeffer, Chilli und geriebenen Kümmel in ausreichender Menge bekannt machen. Wie gesagt, hier wird für acht Personen groß aufgekocht, weshalb auch mit den Zutaten nicht zu sparen ist. Das Fleisch wieder zuführen und dann dünsten lassen, bis sich alles in Wohlgefallen und Gulasch zersetzt. Alternativ kann man auch noch ca. 1 Liter Rindssuppe ins Spiel nehmen und die Komposition ausdünnen. Dann wird es eher zu einer Suppe, wie in meinem Fall.

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In der Zwischenzeit hat man sich schon dem nächsten Bestandteil gewidmet: dem Serviettenknödel. Dazu eine Packung Toastbrotscheiben von der Rinde befreien und mit ca. 0,5 Liter warmer Milch für ca. 30 Minuten ruhen lassen. Gehackte Petersilie, Eier (ungefähr vier Stück), Salz, Pfeffer, Speck (bei Bedarf) und xxx einrühren und die ganze Masse zu einem Fest für die Finger werden lassen. Auf einer Klarsichtfolie wird der Patz dann zu einer Wurst aufgereiht – wer auch immer Zigaretten gedreht hat, ist hier von Vorteil – und an den Enden verschlossen. Darüber kommt noch eine Schicht Alufolie. Wem dies zu alternativ ist, kann den konservativen Weg nehmen und eine Serviette/Geschirrhangerl hernehmen. Das Kunstwerk in heißem Wasser für ca. 25 Minuten kochen bis die Konsistenz vom Halbflüssigen ins Feste übergegangen ist. Da ich diesen Moment nie erreicht habe, wurde in dieser Hinsicht von mir geschummelt: ich habe die Verpackung einfach aufgerissen und aus der langen Wurst kleine Knödeltaler geformt, die ich abgebraten serviert habe.

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Als weitere Beilage zum Fiakergulasch werden Wienerle/Frankfurter, Spiegeleier und Essiggurkerl gereicht. All dies macht ein herrliches Fiakergulasch aus. Wichtig ist, die Gurkerl aufzufächert. Dazu mache man aus einem zwei und schneide die Hälften in kleinen Abständen ein ohne sie ganz durchzusägen. Dann mit der flachen Hand aufdrücken und fächern.

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Passende Getränke: zur Vorspeise ein herrlicher Schilcher aus der Weststeiermark, zur Hauptspeise irgendein Bier, Hauptsache Bier und zum nicht vorhanden Dessert ein Schnaps oder Whisky zur Verdauung.

Dies war mein erstes Gulasch und einige Punkte sind festzuhalten:

  • beim Zwiebelschneiden kann man irgendwann nicht mehr weinen
  • dafür riecht man auch noch Tage danach nach Zwiebeln
  • nimm lieber zwei mittlere Töpfe, als einen großen, in dem du nie mehr umrühren kannst
  • addiere nur Suppe wenn du Suppe willst
  • Knödel muss ich noch üben
  • Ich habe noch immer nicht die Unkosten verrechnet
  • ja Lukas, man kann auch ein Pferd hineinschneiden; nur woher kriegen ist die Frage
  • ja ModeZampano, die Fotos sind noch immer Schrott

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92,8 Kilo oder das Gewicht eines Food-Blogs – Version Freunde

Reichhaltiges Material für meinen Food-Blog liefern mir meine Freunde. Interessanterweise muss ich zugeben, dass ich keinen Freund schimpfe, der nicht auch gerne isst. Folglich ist es immer wieder ein wunderschöner kulinarischer und bereichernder Austausch. Entweder bei unseren regelmäßigen Weinabenden – sorry, aber schwäbischer Wein hat auch am 4ten Abend noch nicht überzeugt –

weinverkostung

oder bei richtigen Gelagen in Kompaniegröße.

Passende aufhetzende Musik, da es sich um reichlich Mise-en-Place handelt und der Modezar unterstützend eingriff:  Cypress Hill

Bei größeren Runden zahlt es sich aus drei Fragen zu stellen:

1/ Ist ein Vegetarier/Allergiker dabei?

2/ Will ich meine ganze Küche verwüsten?

3/ Kann ich die Speise überhaupt für mehrer Personen zubereiten?

 

Rücksicht ist nur fair und macht den Abend auch schönes („Was da ist Ananas drinnen? Aber ich bin …). Das Küchenproblem stresst mich am Wochenende nicht, da Abwasch in sich meditativ ist, unter der Woche sehr wohl. Zu Punkt 3 kann ich folgende Geschichte anmerken. Das Gericht „Überbackene Lammkrone in Balsamicozwieberljus mit Polenta-Spinat-Turm“ klingt geil, braucht aber eine komplette Küchenbesatzung zum Anrichten. Obwohl mich damals in der Küche der Wahnsinn gepackt hat, konnte ich dennoch nicht die 7 Essen gleichzeitig & warm hinausbringen.

 

Folglich haben wir uns für den Abschied des Modezaren nach NY (keine Angst: nur Business, Liebe und Leben) für die „SCHINKENFLECKERL DELUXE“ entschieden. Man beginnt einen derartige Veranstaltung am Besten mit einem Vodka-Orange und überlege reichlich, was man machen oder nicht machen will.

vodka

Im Anschluss lasse man sich im Supermarkt an der Wursttheke von der/m VerkäuferIn seiner Wahl verwöhnen (Ich würde noch gerne das und das kosten!). Im Endeffekt greife man bei 8 Personen zu ca. 1 Kilo gemischter Wurst (Schinken, Polnische, Lyoner, Speck etc.), je nach den Gästen zu 2 Kilo Bandnudeln. Nudeln kochen, die geschnittene Wurst in einem Topf mit Zwiebel anbraten, Nudeln beimengen, mit Salz, Pfeffer, Kümmel und Knoblauch abschmecken. Wichtig ist der Schritt des Paprizierens, der Vermählung der Nudeln mit dem Paprika- und Chillipulver. Reichlich davon Gebrauch machen! Vor dem Servieren noch klein gehackte Petersilie unterheben.

schinkenfleckerl_closeup

Vielleicht ist folgende Lektion noch von Interesse: auch wenn man einen schön großen Kochtopf zu Hause hat, wo alles reinpasst, lieber in kleineren Portionen kochen, da sich so alle Zutaten besser durchmischen.

schinkenfleckerl_topf

Immerhin erhebe ich gerad irgendeinen kulinarischen Anspruch und nicht den einer Militärküche mit Gulaschkanone.

Als Starter wurde ein Kartoffel-Gurken-Salat serviert. Kartoffeln mit Gurken vereinen (die ersten gekocht und geschnitten, letztere nur geschnitten) und mit einer Marinade aus Kernöl, Essig, Senf, Salz und Pfeffer krönen.

kartoffel-gurken_salat

Passende Getränke für solche Veranstaltungen: alles was nicht bei 3 auf einem Baum sitzt!