Euer Brei ist nicht mein Brei!

Meinen letzten Maisbrei habe ich im Juli 2011 genossen. In Bukarest, ein letztes Mal nach 11 Tagen Maisbrei. Es war die Hochzeit von sehr guten Freunden, die uns nach Rumänien fliegen ließen. Der erste kulinarische Kontakt mit Maisbrei erfolgte auf der Hochzeitstafel. Geistig umnachtet vom Alkohol, der Romantik des Tages und einer ein Meter langen Kerze, die ich während der einstündigen Zeremonie in meiner rechten Hand balancierte, lümmelte ich mir meine Portion als folkloristische Höchstleistung hinein.

Dann ging die Reise los – mit 10 Franzosen, Florin, dem ehemaligen Chauffeur des gestürzten Diktators Ceausescu, einem verwirrten Fremdenführer aus der Hölle und einer Kiste Champagner in einem Kleinreisebus. Franzosen reisen nie ohne.in acht Tagen durch Rumänien und zurück – rauf in den Norden, dann in den Osten und zum Abschluss in den Süden.

Um die Reise möglichst günstig für alle Beteiligten zu halten, wurden die Quartiere abseits jeglicher gängiger Menschensiedlungen angefahren. Es brauchte einige Tage bis mit dies bewusst wurde, bis dahin hielt ich es noch für wild romantisch und verschob das Feierabend-Gin Tonic einfach auf den nächsten Abend. Dabei begleitete mich auch jeden Abend eine köstliche Portion Mamaliga (sorry, dass ich die ganzen richtigen Satzzeichen auslasse) – das sich sehr gut mit allem in Rumänien kombinieren lässt. Fisch, Fleisch, Salat, Gemüse, Mamaliga, alles passt zu Mamaliga.

Der Knopf ging mir in der Nähe von Bran auf. Nach fünf Stunden gemeinsamer Busfahrt durchquerten wir die letzten Zeichen an Zivilisation bevor wir bei einer Jugendherberge den Anker warfen. Ja, es war Sommer, aber in den Bergen hatte es gegen Abend knapp 10 Grad und mein Mamaliga wurde auf der Terrasse kalt, bevor ich auf ihn heiß werden konnte. Drinnen durften wir nicht speisen, da die lokalen Vorausscheidungen im Jugend-Bridge stattfanden und alle Räume besetzt waren. An diesem Abend erfror die Romantik in mir und ich hatte die Freude an Maisbrei verloren. Ich schummelte mich unter die Jugendlichen, trank drei Gin Tonic, wurde als Fremder erkannt und nach draußen verbannt.

Seit dieser Reise habe ich mit Maisbrei gebrochen, hatte einen sensationellen Overflow.

Schärfe

Nun ist es zwei Jahre her und meine einjährige Tochter verlangt nach Überraschungen auf dem Tellerchen. Folglich testete ich meine innere Reaktion auf die Maispampe und erinnerte mich an eine Küchenkatastrophe aus grauer Lebensvorzeit. Ein guter Freund und Koch hatte mich für einen Abend mit ‚Lammkarre in Balsamicozwiebeljus und Polenta-Spinat-Turm‘ beraten und ins Verderben geschickt. Alle drei Zutaten für mehrere Personen gleichzeitig anzurichten, erwies sich als Überforderung deluxe. Aber dieser Turm blieb mir in Erinnerung.

Zum Bauen von Türmen nimmt man die Giganten des Britpops zur Hilfe

und hält folgende Zutaten parat:

  • 250 g Polenta / Maisbrei / Mamaliga
  • 20 g Butter
  • Salz
  • 1 Küchentuch
  • 1 Butternußkürbis
  • Olivenöl
  • Salz / Pfeffer
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 Chilischote
  • 1 Joghurt
  • Schnittlauch

1l Wasser zum Kochen bringen, Butter und Salz beimengen und an Rumänien denken. Sobald das Wasser kocht, Polenta unterheben und bei geringer Hitze für 20 Minuten quellen lassen. Fertige Polenta in ein Tuch wickeln und rollen, so dass eine ‚Wurst‘ entsteht, die später in Scheiben geschnitten werden kann.

Den Kürbis entstrunken, halbieren, schälen und die Kerne entfernen. Das orange Ding in Scheiben schneiden und in einer Schüssel mit dem Öl vermengen. Da für ein Kleinkind habe ich ohne weitere Gewürze gearbeitet – hier darf aber alles was Spaß macht eingesetzt werden. Rosmarin, Knoblauch, Chili, Honig, etc. Den Kürbis auf einem Backblech verteilen und bei 200°C für ca. 25 Minuten ins Rohr.

Polentascheiben in einer großen Pfanne anbraten und kurz in Knoblauch und Chili für Erwachsene wenden. Auf dem Teller Polenta- und Kürbisscheiben abwechselnd türmen, bis Gefahr für Leib und Leben herrscht. Dazu serviert man geschnitten Schnittlauch in Joghurt und einen Cabernet Sauvignon aus Rumänien.

türmen

Und stoße auf Florin an. Mit dem ich nie einen ganzen Satz sprach. Mein Rumänisch war dazu zu schlecht.

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Tomaten sind zum Werfen da, Tomatensuppe zum spucken.

Rauch eine und dann geh in aller Ruhe hinaus und bedien die Gäste freundlich. Lass sie erst mal Platz nehmen und dann san alle entspannter, als wenn du sofort losrennst.‘ Fünf Jahre Gamlitzer Weinstube haben mich als Person geprägt und zahlreiche Weisheiten und Unverschämtheiten mit auf den Weg gegeben. Auch wenn ich kein Kellner oder Wirt geworden bin, so kann ich meine innere Neigung kaum verbergen – besonders nicht bei schlechtem Service.

In dem gelungenem Artikel ‚Fremder König Gast‘ im Magazin Effilee (Ausgabe Herbst 2012) beschreibt Sebastian Bordthäuser seine Sicht des Gast-Service-Verhältnisses und nimmt dabei starken Bezug auf die steigende Bedeutung der Kulinarik in den Medien und im Internet:

Jeder schaut Food TV, dort wird nur mehr in Superlativen von Geschmacksexplosionen und Aromafeuerwerken gesprochen. Alle kochen scheinbar heute zu Hause, und jeder trägt das Erlernte irgendwann stolz in das nächste Restaurant. Der Gast mutiert zum Kritiker, es wird gebloggt, bewertet und geschrieben was das Zeug hält. Die permanente mediale Präsenz des Themas Essen bekommt mitunter pornografische Züge. Es wird nicht mehr selbst gevögelt, sondern geschaut, wie es die Profis machen. Und dann sitzt ein Gast im Restaurant, der verunsichert ist und sich irgendwie mehr vorgestellt hat, weil nichts im Mund explodiert.

Ich brauchte einige Wiederholungen und verstand die Argumente noch immer nicht. Ja, das Fernsehen hat mit Haubenköchen die Pornostars der über 30-Jährigen erschaffen. Aber das war nicht nur das Fernsehen, sondern auch die Lebensmittelindustrie und die Haubenküche selbst. Und selbst an einem Porno ist weder etwas schlechtes noch leidet das Liebesleben darunter. Spannend fand ich auch den Einwand der Kritik, die beim Bloggen, Bewerten und Schreiben beginnt. Das verstehe ich nicht – ich bin auch ohne Blog kritisch und die Betätigung des Bloggens macht aus mir noch keinen ‚Social Wutbürger‘. Aber Kritik darf geäußert werden, immerhin handelt es sich bei meinem Blog auch um meine ‚Klowand‘.

Aber hier geht es um Tomatensuppe. Ich habe eine sehr gute gemacht. Dazu benötigt man ein paar Vibes von Marina & the Diamonds

und folgende Zutaten:

–        500 g Tomaten

–        1 Stange Lauch

–        150 g Karotten

–        50 g Butter

–        2 Schalotten

–        1l Gemüsebrühe

Die Tomaten halbieren und entstrunken, den Lauchen in Scheiben und die Karotten in Stifte schneiden. Die Schalotten zerhacken. Lauch, Karotte und Schalloten in der Butter 10 Minuten andünsten und Tomaten zufügen. Mit der Brühe aufgießen und bei geschlossenem Deckel für 20 Minuten fahren lassen. Im Anschluss durch ein feines Sieb abseien und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Als Einlage passen verschiedene Käse, geröstetes Brot oder Shrimps und Speck. Dazu wird ein Glaserl Wein gereicht.

Im Endeffekt scheint die Tomatensuppe der Einsteigerblogbeitrag für alle Kochblogs zu sein. Gut, hiermit habe ich mein Rezept abgegeben. Trotzdem gehe ich gerne in Restaurants Tomatensuppe essen. Ich weiß, was ich zuhause schaffe und freue mich über den Unterschied. Ist keiner vorhanden, dann bin ich entweder ein sensationeller Koch oder …

Am Ende des Tages sitzt das Serviceteam – ebenso wie die Küchencrew – bei einem Bier zusammen und lässt den Tag Revue passieren. Auch der Blogger hat sein Getränk. Und die Trolle, die in jeder Tomatensuppe ein Haar finden. Letztere kann man nie zufrieden stellen. Dies war bei der Erfindung des TVs so und wird sich durch Social Media – egal ob Blogs, Bewertungsportal, frag-mutti.de – nicht ändern. Wenn sie allerdings den Chef der Gamlitzer Weinstube fragen, dann erklärt er ihnen gerne den Unterschied zwischen einem Wirts- und einem Gasthaus. Und  das sollte man als Kellner / Sommelier / Bratwurstverkäufer / etc. nie vergessen.

P.S.: Ich würde jederzeit mit ihnen, Herr Bordthäuser, auf eine Suppe gehen. Oder sie kommen bei mir vorbei. Das gilt auch für jeden anderen, der mir einen Kommentar schreibt.

P.P.S.: Sollte ich den Originaltext falsch wiedergegeben haben oder mit dem Beitrag Anschauungsmaterial zur Diskussion um die Urheberrechte liefern, dann bitte ich dies zu entschuldigen und ändere es sofort.

When I was swimming with Al

Al Brown kann man kennen, muss man aber nicht. Er ist ein bekannter Koch in / aus Neuseeland und gerät nach Jamie Oliver – nur ein wenig verrückter, bodenständiger und sehr charmant. Im Rahmen einer nicht privaten Reise nach Neuseeland hatte ich ihn kennengelernt und die Möglichkeit über Essen, neuseeländische Küche und seinen Kochstil sprechen zu können – bei einem Kaffee. Was ein Blödsinn ist. Essen muss man erleben nicht besprechen.

Wir ließen also kurzfristig die Worthülsen zurücklassend und er lud uns zu sich nach Hause zum Essen ein – er wolle noch kurz vorab in das Meer vor Wellington springen, um uns frische Meeresfrüchte zu erschnorcheln.

Einen platten Mopedreifen, einige Biere am Strand und einem Korb voller Seeigel, Seeschnecken und einer Krabbe später standen wir bei Al auf dem Fußabstreifer. Ein unversperrtes Haus – typisch neuseeländisch – mit einer sensationellen Einrichtung, die alle Redakteurinnen der Elle Deco erblasen lassen würde.

Grundsätzlich benötigt man an einem derartigen Tag einfach nur Sonne, eine Versuchsküche, mehrere Flaschen Sauvignon Blanc sowie einige Lieder von Big Audio Dynamite:

Seeigel spaltet man mit zwei Löffeln und löst vorsichtig die gelben ‚fleischigen‘ Teile mit einem Teelöffel heraus. Diese können roh mit einem Spritzer Zitrone oder in Mehl gewendet und in Butter herausgebraten zubereitet werden. Zum Drüberstreuen arbeitet er mit einem Fenchel-Orangen-Öl.

Seeohren / Abalonen in dieser Größe sind auch für Neuseeland selten. Man löst das Fleisch mit den zwei Daumen heraus und klopft den Muskel mit einem Fleischhammer weich. Die ‚Steaks‘ werden in Butter herausgebraten, gesalzen und gepfeffert im Backrohr für einige Minuten verstaut. Dazu servierte Al gedünstetes Gemüse: eine  Mischkulanz aus Zwiebeln, Knoblauch, Kapern, sazligen Zitronenschalen, süßen eingelegten Pfefferoni sowie Korinader. In Öl gedünstetes und mit Butter gepimpt eine sensationelle Beilage.

Im Endeffekt habe ich zwei Sachen wieder gelernt: gute Küche kommt mit wenigen frischen Zutaten aus. Und ich werde wohl auch in Zukunft nicht in bayerischen Seen tauchen gehen – mir fehlen die notwendigen Papiere dafür.

Aber ihr habt auch zwei Sachen gelernt: Al ist ein sensationeller, empfehlenswerter Koch – hier noch der Verweis auf eines seiner Kochbücher – und war leider ohne mich schnorcheln. Was wahrscheinlich auch besser war. Ich schnorchelte bizarres neuseeländisches Rauchbier.

Fußball ist eine Zucchini

Sie fuhr mit dem Kran nach oben, verdeckte mit ihren Mikrofonhaltern eines Münchners Radiosenders die Großbildleinwand. ‚Und jetzt alle zusammen: FC … FC … FC …‘ brüllte sie. Public Viewing ist eine schwere Kost.

Über Fußball zu schreiben obliegt den Besten und den Schlechtesten.  Und den (ehemaligen) Neueinsteigern und den Fetischisten. Es gibt ganze Bücher und pinke Fanschals. Nachdem ich aber in den vergangenen Wochen zahlreiche einschneidende Fußballereignisse erlebt habe, muss auch ich meinen Senf dazu geben. Nach einem Auswärtsspiel bei West Ham, Heimspielen beim VFB und Augsburg sowie dem Public Viewing Wahnsinn beim Champions League Finale und der Europameisterschaft ist es an der Zeit Musik aufzulegen:

Dann suche man folgende Zutaten zusammen:

  • 2 gelbe Zucchini
  • 1 große Knoblauchzehe (Größe steht hier als Platzhalter für individuell)
  • 50 g Emmentaler oder Grana Pandano
  • Olivenöl
  • Salz und Pfeffer
  • 500 g Pasta (je nach Geschmack)

Die Zucchini kleinst schneiden, ebenso den Knoblauch. Eine Bratpfanne mit einer ordentliche Portion Olivenöl erhitzen, Knoblauch zufügen, anbräunen lassen. Zucchini zufügen und sanft bräunen lassen. Den Garprozess mit einem Schuss Wasser unterbrechen und auf kleiner ‚Flamme‘ für ca. 30 Minuten weitergaren lassen.  Dann die Zucchini mit einer Gabel zergatschen und den Käse einschmelzen lassen. Mit Salz und Pfeffer bei Bedarf würzen. Gekochte Pasta untermengen und genießen.

Dazu passt wohl am besten ein Mischbier (Pils und Dunkles Bier gemischt).

Mitten zwischen 60.000 Augen mit Tränen oder 20.000 Augen  mit Freudentränen – der Unterschied ist nicht wichtig. Die Emotionen zählen. Ob Liebe oder Hass, kaum eine ‚Sport‘ erlaubt derart inflationäre Gefühle. In einer Arbeitswelt, die einem Kontrolle und Höflichkeit abverlangt ist das die Krönung. In einer Welt voller Anzüge, Kostüme und enger Hosen machen das Trikot der Nationalmannschaft und eine Perücke Könige. Dann sind maximal Béla Rhétys Kommentare des Narren neue Kleider. Du hast die Möglichkeit eine Bierdusche zu nehmen, 48 Stunden mit dem Bus zu fahren und eines auf die Fresse zu kriegen. Fortsetzung unendlich …

Im Endeffekt ist Fußball eine Zucchini. Sie bietet jedem die Möglichkeit viel und wenig damit anzufangen, hat eine gewisse Ästhetik und wenig Geschmack. Sie wird das ganze Jahr im Handel angeboten und reflektiert den von oben vorgegeben Massengeschmack. Die Zucchini hat eine schöne Form und kann weltweit von jedem erworben werden. Und kann anarchistisch ausgelegt werden, da sie sehr viel Punk in sich trägt.

Die Inspiration für dieses Rezept stammt vom wunderschönen Blog www.ziiiikocht.at.

Sie fuhr mit dem Kran nach unten und wieder hoch und hatte die Zucchini noch immer nicht verstanden. ‚FC … FC … FC …‘ hallte es in meinem Kopf als ich verzweifelt nach einer Zucchini zum Schmeißen zwischen 60.000 Füßen suchte.

Offenbarungseid:

  1. Ich stehe für verschiedene Clubs in der Kurve und singe: FCA, VFB und West Ham. Für den Sk Sturm gehe ich durch die Zucchini.
  2. Ich bin ein Public Viewing Misanthrop.

Denn sie wissen nicht, was sie tun.

Nachdem ich mich in letzter Zeit oft mit Pop-Up Restaurants und Bars beschäftigt habe, deuchte mir in meiner Erinnerung, dass ich auch schon etwas Ähnliches gemacht habe: Griechische Abende am FKK-Gelände der ‚Freien Menschen Graz‘.

Die Besitzer der Kantine, Jürgen und Karin, hatten meine Karriere mit dem Tablett in der Hand beschleunigt, was gleichzeitig das Tempo aus meiner Studienkarriere nahm. Und einmal im Jahr wurde griechisch für über 100 angezogene Leute aufgekocht. Dafür kletterte man mit einem Löffel Parisienne in überlebensgroße Melonen, um Kugeln für Bowle zu gewinnen, verschwand mit einem Messer in der Hand in Bergen aus Zwiebel, Knoblauch, Paprika und Tomaten und nutzte Anis für das Duftmanagement.

Passend zu hervorragenden Bifteki legt man gute Musik auf

und hofft folgende Zutaten zu Hause zu haben:

  • 1 kg Hackfleisch/gemischtes Faschiertes
  • 2 Eier
  • Semmelbrösel
  • 1 Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 rote Paprika
  • Schwarze Oliven
  • 1 handvoll Kapern
  • Majoran
  • Esslöffel Senf und Tomatenmark
  • Salz, Pfeffer, Paprika- und Chilipulver

Im Endeffekt ist das Prozedere einfach aber sinnvoll: man schnappt sich einen großen Topf, schneidet Zwiebel, Paprika, Knoblauch, Oliven und Kapern, mischt alle Zutaten (die Gewürze bitte nach Geschmack einsetzen) mit den Händen durch und formt Laiberl/Diskusscheiben. Diese werden in Öl herausgebraten. Dazu eignet sich hervorragend Tsatsiki (1 Gurke, Joghurt, 2 Knoblauchzehen, Salz, Pfeffer und jeweils ein Bäng Öl und Essig) und Bratkartoffeln aus dem Ofen.

Getränketechnisch harmoniert Eiskaltes: (Creek) Bier, Welschriesling und Schnaps aus Griechenland.  Dazu passt aber auf jeden Fall folgender Dialog:

Heimo: ‚Jürgen, damit könnten wir ein großartiges Lokal aufmachen!‘

Jürgen: ‚Du Trottel!‘

Heimo: ‚Gut, dann schreibe ich einen Blog namens ‚Schwarzthoughts‘!‘

Jürgen: ‚Geh mach weiter mit der Melone und trink noch ein Puntigamer.‘

Lammfromm Web 2.0

Es weht uns um die Ohren und die wenigsten können damit was anfangen. Die wenigsten? Fast 13 Prozent der deutschen Wähler (Stand 29. April 2012) würden die Piraten wählen. Die Medien überschlagen sich mit Berichterstattung zu deren Persönlichkeiten auf der Suche nach einem Programm in für  sie unverständlichen 140 Zeichen.

Gemeinschaftliche Werke die aus dem Internet heraus das Licht der ‚realen‘, für alle greifbaren Welt erblicken sind uns suspekt und gleichzeitig auch praktisch: Wir nutzen gemeinschaftliche Medien wie Wikipedia oder Linguee und fürchten uns vor Wikileaks oder Guttenplag (auf dass nie unsere Dilpomarbeit durchleuchtet wird). Wir gehen zu Diner en blanc und ernten die digitalen Früchte auf realen Bäumen. Gleichzeitig machen wir uns sorgen, dass wir vor lauter Freunden und ‚Freunden‘ auf Facebook den Boden der Realität und Privatsphäre verlassen.

Im Rahmen der Schizophrenie des Internets bewegen sich auch alle Genussbegeisterten, die ihre Rezepte/Ideen/Wünsche/Arbeiten vorstellen und zu öffentlichen Personen werden. Dazu gibt es am 3. Mai im Rahmen der re:publica eine fantastische Diskussion zu ‚Foodblogs – Verfall oder Rettung der Esskultur‘ mit Sebastian Dickhaut, Nicole Stich, Stevan Paul, Inés Gutiérrez und Vijay Sapre vom Effile Magazin. Auch wenn mir der Titel zu negativ und reißerisch gefasst ist (vor allem vor dem Background der Blogger), kann ich diese Diskussion nur empfehlen und hoffe auf eine Aufzeichnung für alle daheimbleibenden Schreibtischattakisten.

Zu einer solchen Diskussion passt nur ein gemeinschaftliches Essen – gemeinschaftlich von anderen Leuten das Rezept kopiert (lasst uns mal diese Seite nehmen, da ich Idiot die Originalquelle gelöscht habe) und gemeinschaftlich verspeist – das ich jetzt auf meine ,persönliche Klowand‘ poste: gespickte Lammkeule auf Gemüse.

Eine Rettung der Esskultur und Verfall der Sitten, da ich den ursprünglichen Blogpost meiner Inspiration nicht mehr finde.

Dazu braucht es einer guten Diskussion mit der Gema über Urheberrechte

sowie folgenden Zutaten:

  • Lammkeule (ca. 1 Kilo)
  • 3 bis 4 Knoblauchzehen
  • 10 Rosmarinnadeln
  • Einen Schuß Sonnenblumenöl
  • 1 Zwiebel, 2 Karotten,  1 rote Paprika
  • 1 Esslöffel Tomatenmark
  • 1 Biozitrone
  • ¼ l Weißwein oder Brühe
  • Salz und Pfeffer

Der Lammkeule mit einer Küchenrolle (zum trockentupfen) und einem scharfen Messer zu Leibe rücken und taktisch einritzen. Dort dann Knoblauchstifte und Rosmarinnadeln versenken. Beidseitig salzen und pfeffern.

Das Backrohr auf 250°C vorheizen und die Keule mit einem Schuß Öl im Bräter darin für ca. 20 Minuten versenken. Dabei soll diese schön Farbe annehmen. In der Zwischenzeit das Gemüse kleinschneiden und wer Lust hat, das Tomatenmark anrösten. Den Bräter mit dem Gemüse, dem Tomatenmark, den Schalen der Zitrone und der Brühe füllen und wieder ab ins Rohr, das auf 150°C Ober/Unterhitze eingestellt wird. Mit einer Wartezeit von ca. 1 ½ Stunden rechnen und sich dementsprechend die Apéros einteilen.

Für eine entsprechende Kruste kann die Keule in Alufolie gewickelt noch im Rohr übergrillt werden. Der Gemüsesud wird durch ein Sieb gedrückt, in einem Topf aufgefangen und kurz auf dem Herd einreduziert. Dazu passen alle Arten von Gemüse als Beilage, Polenta oder Bratkartoffeln als Sättingungsbeilage und ein spritziger Weißwein als Filler. Ein sensationelles Gericht.

Ein Food-Barcamp – wie viel Sex hat diese Idee?

Die Idee eines Barcamps zum Thema Food – als Universalbegriff für alles Ess-, Trink- und Likebare zu verstehen – verfolgt mich wie der tägliche Hunger. Es ist eine gewisse Idee wie ein bestimmter Geschmack auf der Zunge, ohne wirklich zu wissen in welche Richtung sich das Ganze entwickelt.

Das Buch ,Die Vermessung der Welt‚ von Daniel Kehlmann ist euch ein Begriff? Es handelt sich um zwei unterschiedliche agierende Wissenschaftler (Humboldt und Gauß), die forschen, auf Expeditionen gehen oder von zu Hause aus revolutionäre Gedanken ausformulieren. Und so geht es mir: meistens esse ich die Welt und ab und zu vermesse ich die essbare Welt und alle darin existierenden Vorstellungen und Ideen. Folglich handelt es sich um eine Ansammlung an Geschmacksideen, denen ich die folgenden Zeilen widme:

Im Endeffekt drehen sich unzählige Aspekte um diese einfache Sache: Essen und Trinken. Vielleicht – nein mit Sicherheit – auch um die Beschaffung, die Herkunft, die Herstellung und Verwertung von Essen und Trinken. 99 Prozent von uns haben schon mal (gedanklich) ein Lokal eröffnet oder sich als Bauer, Schnapsbrenner oder Sommelier versucht. Und wir alle reden darüber! Wir tauschen Rezepte, Ratschläge und Naturalien aus. Weil wir beruflich müssen, mit Freunden und Familie wollen, darüber bloggen oder dem Lokal ums Eck mit unserer Kritik die Kochmütze vor den Latz knallen.

Lebensmittel sind kein einfaches Gut und du kannst nie wissen, aus wie viel Eis dein Hackfleisch besteht. Oder doch?
Ja, du kannst dir die Gourmetkiste heute liefern lassen, dein Schwein persönlich kennenlernen, Restaurants up-popen lassen, dich nicht mit dem Kräuterschnaps aus Italien begnügen und Kaffeebohnen selbst scheißen.

Vieles hat sich mit dem Web 2.0 verändert: wie Leute zusammen kommen, sich austauschen, inspirieren und zusammenarbeiten. Im aktuellen Status ist ein Food- oder Spirituosenblog noch eine statische Aneinanderreihung von Geschmacksnoten und Rezeptzutaten, im nächsten Schritt entsteht daraus ein gemeinschaftliches Weincamp oder das Mittagessen auf dem Hauptplatz deiner Stadt. Nicht jede Kritik ist gut, aber Kritiken sind immer gut und bald ist auch die letzte Spelunke kartographiert.

100 Prozent aller Menschen konsumieren, 90 Prozent mehr oder weniger bewusst oder bewusstlos. Essen und Trinken verändert sich. Und es ist ein gemeinschaftlicher, gesellschaftlicher Prozess der Verselbstständigung an dem vielleicht 9 Prozent teilhaben. Und sicherlich 1 Prozent Interessierte organisieren sich, machen sich selbstständig und scheitern an den besten Vorstelllungen. Den anderen bleiben die NGOs, alternativ die Hochglanzmagazine und Hauben.

Lebensmittel und deren Verzehr sind Kultur und Kunst. Ob molekular oder die Rübe aus der Steinzeit als Mousse, viele Gedanken sind bekannte Wiederholungstäter, andere gefriergeschockt neu und schon wieder veraltet. Gleichzeitig sind sie die direkteste Befriedigung nach dem Sexualtrieb. Hauptsache das Glücksgefühl stellt sich ein.
Und wir versammeln uns grundsätzlich zum Essen und Trinken, um zu kommunizieren, soziale Kontakte zu knüpfen oder direkt zu vertiefen.

Dazu sind wir nicht grundsätzlich selbstbestimmt, weil uns Erziehung, Erfahrung und Wunschdenken in eine separate Konsumwelt pflügen. Oft gescholten aber unerlässlich sind all jene Marken/Hersteller/(System-)Gastronomen, die um Kunden – dank Social bald Fans und Markenbotschafter – rittern. Die Kommunikation von ‚Marken‘ schafft zusätzliche Bedürfnisse und wir bedürfen immer stärkerer Influencer zur Unterscheidung unserer Wünsche im Meer der Auswahl.  

Hinter dem allen steht mein Gedanke im Rahmen eines Food-Barcamps eine ‚Momentaufnahme des Essens und Trinkens‘ abzubilden und in die Zukunft zu blicken. Eine subtile, individuelle und unvollständige Vermessung der Welt. Doch wie soll der thematische Rahmen einer derartigen Veranstaltung aussehen, welches ‚Ziel‘ soll gesteckt werden?

Geht es rein um den Wissens- und Ideenaustausch oder wollen  wir neben Meinungen auch die Kochlöffel und Stirer schwingen? Ist ein Barcamp überhaupt die richtige Form, die verstanden und gelebt wird?

Und viel wichtiger!!! Wie lautet die thematische Klammer? Hier ein paar der Möglichkeiten:

– Lebensmittel, Essen & Trinken im individuellen Umfeld: Status Quo und Marschrichtung
– die Münchner Food & Beverage Szene: Klein- und Individualunternehmer tauschen sich aus
– Kommunikations- und Marketingmöglichkeiten von Start-Ups in Lebensmittel- und Lebensmenschenbereich
– München kocht, mixt, baut und setzt an: ein Rezepte- und Kochcamp zum verkosten und verkochen
– das Gastroideen-Barcamp (jeder hat 5 Minuten um seine Gastroidee zu präsentieren)
– Essen und Kommunikation: Aspekte der Kommunikation und sozialen Interaktion auf das Essen
Gedanken, Ideen und Initiativen zu Essen, Trinken & Genuss

Dieser Beitrag ist der erste Schritt und ich möchte meine Vorstellung – wohl eher ein Buffet an Ideen – gerne mit euch allen diskutieren, präzisieren und einreduzieren/aufgießen. Es würde mich freuen, wenn die Idee eine Food-Barcamps Realität wird. Das ist jetzt mal mein Hinweis, dass ich Hunger habe und es Zeit ist. Was meint ihr? Wer hätte Interesse an einem derartigen Projekt?

Visuelle Typen folgen bitte diesem Der folgende Link führt zu einer Präsentation mit zahlreichen Themen und Beispielen. Der Text am Anfang ist der gleiche – ansonsten einfach durchklicken., um sich von der Reichhaltigkeit der Themen zu delektieren: Here you go. Ich habe eine Mindmap für mich angelegt, in der ich in die Bereiche Essen/Trinken/Produzieren/Verkaufen/Kommunizieren/Sozialisieren unterteile und ein paar (willenlos ausgewählte) Beispiele verlinkt habe. Die Mindmap erhebt den Anspruch der vollkommenen Unvollständigkeit. Muss ja auch mal gesagt werden. Geht mir ja genauso. Sollte sich jemand an den Rechten für Videos und Bilder aufhängen, einfach einen Kommentar hinterlassen – es war in bester Absicht.

Ich freue mich über eure Kommentare, Anmerkungen, Anregungen, Kritiken und Unterstützungen. Wie und vor allem wo soll das gehen?
– Kommentare gerne hier
– oder per Mail an subversiv3[at]gmx[punkt]de
– oder via www.twitter.com/heimuuh
– oder Facebook/g+
Enthusiamus und Kritik finden immer ihren Weg!

So wie in diesem Polizeiauto:

Man sollte …

Eltern haben die Angewohnheit zu glauben, dass man verhungert, zu wenig zu essen zu bekommen oder dass maximal die Gefühle beim Kuscheln kochen. Auch mit 33 Jahren. Besonders mit 33 Jahren. Nun denn Papa, hier kommt mein Plädoyer für den Überschwang:

Man sollte sicher öfter die Lippen mit Verhacktern einschmieren, die Teller auch im piekfeinsten Restaurant abschlecken, mit Butterschmalz braten, den Extra Schuss Olivenöl auf dem Salat verwenden, Ess- und keine Teelöffel verwenden, Wassermelonen kann man auch mit einem Headbutt öffnen und die 1,5 Liter Flasche löscht den ersten Durst. Und man sollte grundsätzlich Pools mit Erbsen und Erdbeeren füllen und Kopfsprünge machen.

Ich hatte mir für dieses Vorhaben 1,5 kg Schweinsbraten gekauft, die Schwarte einritzen lassen und Guns’n’Roses, die an der Ecke vor dem Fleischer spielten eingepackt:

 Die Schwarte mit Salz einreiben und während der weiteren Schritte – Flascherl Bier öffnen und Mise en Place herrichten – ruhen lassen. Zwei Möhren und eine Zwiebel klein schneiden, zwei Knoblauchzehen stückeln, ebenso wie ein ca. 10 g großes/schweres Stück Ingwer. Den Backofen auf 200 Grad vorheizen und gleich hitzig weiter  eine Zitrone heiß abspülen. Das Fleisch auf dem Blech platzieren und mit Pfeffer und Chili würzen, das Gemüse herum drapieren und mit Zitronenschalenraspeln überreiben. Hinein ins Rohr damit!

Nach einer 5-minütigen Aufwärmrunde ¼ l Reiswein zugießen. Letzteren auch auf Qualität kosten. Braten ca. 45 garen und in regelmäßigen Abständen ¼ l Hühnerbrühe etappenweise zugießen. Weiter garen, pünktlich herausholen und den Braten zum Warmhalten in Alufolie einschlagen.

Das Blech mit einem Achterl Wasser begießen, das geröstete Gemüse lösen und die Einheit durch ein Sieb pressen. Für die Sauce einen Bund Lauchzwiebeln in Röllchen schneiden, eine Chili und einen Zitronengrasstängel kleinen. Etwas Maiskeimöl in einem kleinen Topf erhitzen – Lauchzwiebeln, Chili, Zitronengras und Ingwer unter Rühren kurz andünsten. Dann kommt der Rest: ein Teelöffel Sesamöl, der Bratensud, der Saft einer halben Limette und 2 Esslöffel Ketjap Manis. Einmal erhitzt von der Kochstelle nehmen.

Dazu trinkt sich am besten Bier und serviert sich Reis und gedünsteter Pak Choi. Darüber streue man noch frischen Koriander. Die Teile, die man nicht mehr verputzen kann, hängt man sich zur Feier seines ersten Schweinsbratens um oder dekoriert seine Gäste damit. Zitronengrasstängel machen sich auch sehr gut hinter Ohren.

Die Ästhetik des Bildes liegt in der Tatsache, dass es mein erster Schweinsbraten war. Zwar asiatisch und nicht bayrisch, aber einfach sensationell. Die Wahrheit hinter diesem Rezept auf http://www.kuechengoetter.de/rezepte/verschiedenes/Asiatischer-Schweinebraten-926797.html.

Schwarz/Weiß

Weiß ist die eine Seite meiner Kochleidenschaft – weiß wie ein unbeschriebens Blatt Papier. Kochen ohne Maß- oder Einheitsgrößen, einfach nach Gefühl und Laune im Takt der Musik und einer Flasche Bier/Wein/Pastis.

Und dann gab ich mir die Kugel. Und sah schwarz.

Der Gedanke drei unterschiedliche Quiches zu machen war simple. Die Umsetzung komplizierter.

Laut Essen & Trinken braucht man für eine guten Quicheteig ein Lied von Massilia Sound System (es sei gesagt, dass die Redaktion diese Erkenntnis wohl erst ereilen wird)

sowie

  • 250 g Mehl
  • 0,5 Tl Salz
  • 130 g Butter (kalt)
  • 1 Ei (Kl. M)
  • 3 El Milch
  • Mehl zum Bearbeiten
  • Butter für die Form
  • Hülsenfrüchte zum Blindbacken

‚Blindbacken‘ trifft auch meine Herangehensweise. Zwei Teigkugeln sind rasch geknetet, nur ist jede so individuell und schwer handzuhaben wir Lady Gaga.

Noch komplizierte stellt sich das Teigrezept von Brigitte Online raus. Hier ist die Zusammensetzung wie folgt:

  • 250 Gramm Mehl
  • 1 Viertel Teelöffel Salz
  • 125 Gramm weiche Butter
  • vier Esslöffel kaltes Wasser

Wahrscheinlich weil ich statt dem Knethacken nur meine Hände nutzte, erfreute mich das Ergebnis als Historiker: Es zerfiel zu Staub.

Warum blogge ich also über etwas, was ich nicht kann was jedesmal anders ist? Aus drei Gründen:

  • Weil Quiches einfach nur geiler Scheiß sind. Ich habe Bratwurst-Lauch und Spinat-Lachs Mischung ausprobiert (jeweils mit einer Eier-Milch-Sahne-Mischung) und der Füllung entsprechenden gewürzt (Chili, Muskat, Ingwer …).
  • Weil man – hehe, besser mal ich – sich an Rezeptvorgaben beim Backen halten sollte!
  • Weil mein kulinarisches Leben trotzdem schwarz/weiß ist. Nicht zu stoppend zwischen absolutem Wahnsinn und Freude. (Und übrigens auch eine farbliche Analogie für meinen Fuballclub Sturm Graz.
  • Weil Quiche einfach sexy Finger-Soul-Food ist! Und immer eine Flasche Wein dazu passt!