Drück dir ein Krügerl Bier ans Herz!

Semmelknödel mit Sauerkraut und Geselchtem [Anmerkungen der Redaktion: Kasseler auf Deutsch]. Mein Lieblingsgericht beim Martenilli auf der Leber. Ein Wirtshaus in der Nähe von Graz, in der Nähe meiner Kindheit und ganz weit entfernt von all dem, was wir heutigen öko-bio-Slowfood-Foodblogger-Streetfood-vegan-Foodporn-Terroir- Handcrafted-Affen leben.

Daran denke ich gerade, als ich unter meiner Küchenlampe sitze.

DSC02033_klein

Nicht, dass dies eine begeisternde Ausnahme ist. Aber sie ist Protagonist für die Blogparade von Dorothée zum Bloggeburtstag. Die Lampe stammt aus der Steiermark – Nähe Deutschlandsberg – und leuchtet weiß-grünes Licht. Auf dem Tisch darunter dampfen selbstgemachte Semmelknödel, Gesechltes und Sauerkraut.

  • Frittaten-, Lungenstrudel- oder Leberknödelsuppe
  • Wiener Schnitzel
  • Paris Schnitzel
  • Cordon Bleu
  • Geselchtes mit Kraut und Knödel
  • Bauernschmaus
  • Schweinsbraten
  • Gebackener Fisch
  • Bananenkuchen

Es ist wohl die erste schriftliche Ausformulierung der Speisekarte von Herrn Martinelli. Es gibt nämlich keine. Es gibt auch keine Getränkekarte. Wer nach den Weißweinen fragt, der kann zwischen Weiß- und Rotwein entscheiden. Wer vegetarisch möchte, isst eine Salat. Herr Martinelli betreibt hauptberuflich eine Landwirtschaft, hat Hände wie Schraubstöcke und sein Bauch läuft vorweg wie Mercedes-Stern. Nichts weniger, nichts mehr. Einfach geil.

Aber das ist meine Kindheit. Wirtshäuser in der ganzen Steiermark in den Teller nicht zum Anrichten, sondern zum Beladen mit Kilogrammen von Tiefkühlpommes und -gemüse genutzt wurden. Wo Köche nach ihr Ego am Revers trugen und nicht televisionär plattgebügelt waren. Eine Zeit ohne Knödelcarpaccio, Stücke vom Weiderind, Dreierlei Huch an Hach oder Kürbisrisotto mit Bärlauchkrokant. Wo Fusionsküche rein die Getränke betraf.

Nun denn. Lasst uns Hubert von Goisern lauschen

und Knödel formen. Für ca. 7 Knödel benötigt man folgende Zutaten:

  • Sonnenblumenöl
  • 100 g Zwiebel
  • 250 ml Milch
  • 250 g Knödelbrot
  • Salz
  • Petersilie, Majoran
  • 3 Eier

Zwiebel schälen und klein würfeln, im Öl goldig anbraten. Milch dazugeben und kurz aufkochen lassen. Knödelbrot in einer großen Schüssel versenken, Milch und Zwiebel dazugeben. Mit einem Kochlöffel gut durchrühren. Salzen und frische Petersilie sowie Majoran (ggf.) addieren. Auskühlen lassen, kurz was anderes machen. (Wie über die gute alte Zeit nachdenken.)

Die Eier reinwürfeln und alles gut durchkneten und zusammengepresst kurz ruhen lassen. Um im Anschluss mit nassen Händen Knödel mit 140 g Lebendgewicht zu formen. Kochendes Salzwasser kreieren und Knödel darin 15 Minuten lang kochen lassen. Mit Sauerkraut und Geselchtem anrichten. Dazu schmeckt Weißwein.

IMG_0345

Und damit ziehe ich auch den Hut vor Dorothée und 4 Jahren an der Foodblog-Front!

P.S.: Das Rezept läuft ebenfalls in der Rubrik ‚Kochen mit Kindern‘.

100_1186100_1189100_1192100_1193100_1197

 

4. Geburtstags-Blog-Event - Souvenirs in der Küche

Advertisements

Das echte Leben kannst du nicht in Zentimetern messen!

Nun sitze ich mit erhobenen Zeigefinger inmitten meines Wutbürger-Dilemmas, habe noch immer einen Kleckser Grün am Finger und mache mir Gedanken. Warum? Ich hatte meine Meinung in zwei konträre Richtungen laufen lassen, muss dies nun revidieren und dringend mit euch tanzen!

Vor einigen Tagen postete die deutsche Weinkönigin auf Facebook anlässlich des Titelgewinns der deutschen Nationalmannschaft. Ein Bild, auf dem sie samt ihrer zwei Assistentinnen / Prinzessinnen / Rebstockgöttinnen sich nackt zeigte. Naja, nackt bis zur Schulter, gefühlt wie ein früher Porno aus den 60igern, geschmacklich wie Toast Hawaii. An sich nichts negatives, eher der Versuch eines Social Media Managers lustig zu sein. Auf diesen Post folgte noch ein Beitrag unter dem Motto ‚Wein geht auch frech‘ indem die Arbeit mit diesem Bild gefeiert wird. Hach, was machen wir nicht alles, damit man uns gern hat und liked. Aus dieser Freizügigkeit entstand ein kurzes Gespräch via Twitter über Sinn und Sinnlichkeit des echten Lebens:

Twitta

Und nun sitze ich da mit meinem grünen Zeigefinger, habe langsam das Frösteln über die aktuellen Diskussion in Deutschland zu #Gauchogate. Meiner Meinung nach kannst du nicht immer biologisch, moralisch, vorzeigetechnisch und gesanglich vorzeig- und abbaubar sein – ab und zu ist Anarchie ein schöner Leitsatz. Und dabei solltest du das echte Leben nicht mit dem Zentimetermaß der Tugend messen. Du wirst daran scheitern!! Folglich reiche ich dem deutschen Weininstitut den Löffel voll Mangold-Risotto dar. Ihr kreiert eure eigene unfassbare Anarchie und das ist gut so. Echtes Leben und so. Und den geneigten Leser bitte ich nun zum Tanz um den Kochtopf.

Lasst uns an der Nase fassen, tanzen und kochen!

Dazu bitte die als Vorlage den Gaucho-Tanz abspielen und davor folgendes, vorbereitetes Kärtchen je nach Vorlieben ausfüllen und ausdrucken:

______________________________________________________________________________________________________________________

So gehen die __________________, die __________________ gehen so, so gehen die __________________, die __________________ gehen so!!!

______________________________________________________________________________________________________________________

Alternativ – und ich kann verstehen, dass nicht jeder das Lied gut findet – hier noch zwei musikalische Optionen für dieses Lied:

Am Ende des Tages ist doch ehrlicher, ästhetischer und netter, statt hinter dem Rücken seiner ungeliebten Völker / Menschen / Teams / etc,. zu feixen, lieber freizügig zu tanzen und zu singen.

Dazu schnappen wir uns den Kochlöffel als Taktstock. Dazu brauchen wir als Mise en Place für die kinderfreundliche Variante:

  • 300 bis 400 g Mangold
  • 2 Zucchini
  • Bund Petersilie
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Öl
  • 400 g Risottoreis
  • 1,15l Gemüsebrühe – (ohne Kinder: 1l Gemüsebrühe, ein Achterl Weißwein)
  • 100 g Parmesan
  • 50 g Butter

Im ersten Schritt sich an das Grünzeug wagen: Mangold, Zucchini und Petersilie waschen. Dem Mangold die groben Stiele wegschneiden und kleinschneiden – ungefähr ähnlich mit der Petersilie vorgehen und die Zucchini klein scheiblieren. In einem Topf reichlich Wasser salzen und aufkochen lassen. Zucchini und Mangold baden gehen lassen und nach einer Minute wieder herausholen, kalt abschrecken. 3/4 des Grünszeugs mitsamt der Petersilie in einen Mixer schmeißen und tanzen!

Zwiebel und Knoblauchzehe zum Tanz bitten (schälen und klein würfeln für alle Spaßbefreiten). Öl in einem breiten Topf erhitzen und Zwiebel und Knoblauch beifügen und weich dünsten. Reis an die Hand nehmen und eine Polonaise in den Topf veranstalten und unter ständigem Rühren in 3 Minuten glasig werden lassen. Den Wein – in unserem Fall heiße Gemüsebrühe – angießen und köcheln lassen, bis er / sie vaporisiert ist. Nach und nach die heiße Brühe angießen und unter ständigen Rühren für 25 Minuten immer wieder einkochen lassen bis der Reis gar ist.

Die gemixte Kräuterkombilation unter den Reis mischen, fünf Minuten die Komi zugedeckt ziehen lassen. Geriebenen Parmesan auf die Tanzfläche bieten und mit Butterflocken unterhebeln.

Restliches Gemüse als Garnierung verwenden, mit einem Foxtrott servieren.

 

Mangold Risotto Mangold Risotto

Mangold Risotto   Mangold Risotto

Passend zu diesem Mahl empfehle ich im echten Leben eine 1976er Avelsbacher-Hammerstein Riesling Auslese. Ein besonders heißer Herbst – so wurde mir erzählt – ließ die Erntehelfer in Bikini und Badehose auflaufen. In der Hoffnung auf einen dementsprechenden Herbst 2014 für die deutsche Weinkönigin hebe ich mein Glas, lecke den Finger ab und verliere mich in Anarchie.

Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern!

Gut, ich hatte meine Ehefrau, meine 16 Monate alte Tochter und meinen 86 jährigen Vater dabei. Aber weder einen Ausweis oder Fahrzeugschein. Dafür 20 km/h zu viel auf dem Tacho.

So saßen wir also im Auto, jeder in seinen eigenen Gedanken gefangen mit einem Polizisten, der sich als Fragezeichen verkleidet hatte. Denn er hatte in österreichischer Weitsichtigkeit schon die 15 Strafzettel für seine Arbeitsstunde in der 30er Zone vorgeschrieben, ohne zu ahnen, dass ich ohne alles daher komme.

Der Versuch war groß, den ersten Gang einzulegen und in warme Schokokuverture zu tunken.

Dazu legt Marteria

auf und man lege sich folgendes Mise en Place für 4 Personen parat:

  • 16 Grissini
  • 16 Scheiben Bauchspeck
  • 1 Glas Schokokuverture – als Empfehlung folgendes Schoko-Fondue

Die Grissini bis zur Hälfte mit einer Scheibe Bauchspeck einwickeln und alle ‚16 ,Stangerl‘ auf einem Backblech bei 200 °C für 5 Minuten – alternativ in einem Toaster – kross rösten. Den Idealzustand erkennt man an der Knusprigkeit des Objekts.

Stangerl

Währenddessen Schokokuverture im Wasserbad erwärmen. Die ,Stangerl‘ nach Belieben anrichten und in Schoko tunken. Dazu passt perfekt ein Pinot Noir von Craggy Range, ein Blue Mauritius Rum oder ein klarer Zwetschkenschnaps.

Während ich also im Geiste Gas gebe, finde ich zurück in der Realität eine Kreditkarte, die als Ausweis anerkannt wird. Die Faulheit des Polizisten seine Strafzettelverteilerei für mich Nulpe abzubrechen, zahlt sich aus und ich bezahle 35 Euro. Dafür nehme ich auch auf der Rückbank neben meiner schreienden Tochter Platz, während meine Frau mit quietschenden Reifen losfährt.

Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern!!!

Elementarteilchen

Man nehme seinen kompletten Mut zusammen und mixe. Naja, schütte Inhalte aus verschiedenen Flaschen zusammen  – aber dabei emanzipiert man sich besten von Shakern schwingenden Barkeepern, Experten ihres Genres und Verführer der Nacht. Man wird selbst zu einem. Naja, solange die Wirkung des Alkohols einsetzt und die Abstimmungsprobleme im ersten eigenen richtigen Drink seines Lebens übertaucht. Und man auf den Trichter kommt, dass die eigene Wohnung gar keinen Barhocker zum Anbieten hat. Dafür kann aber die Jogging-Hose auf TV-Niveau hängen.

Da ich mich sehr für lokale Spirituosen interessiere, geht der erste von mir auf diesem Blog veröffentlichte Drink auf dieser Ebene spazieren und nennt sich ‚Local Americano Hero‘:

  • 3 cl Els aus Monschau (oder jeder andere Wermut)
  • 4 cl Mondino (oder der Marktführer Campari, oder das was du zu Hause hast)
  • mit Sodawasser auffüllen

und mit einer Zitronenzeste (von einer Zitrone ein Stückerl Schale abschälen, nachdem man dieses heiß abgewaschen hat) besprühen.

Drink

Dazu werfe man Perlen vor die Säue

und frohlocke.

 

Euer Brei ist nicht mein Brei!

Meinen letzten Maisbrei habe ich im Juli 2011 genossen. In Bukarest, ein letztes Mal nach 11 Tagen Maisbrei. Es war die Hochzeit von sehr guten Freunden, die uns nach Rumänien fliegen ließen. Der erste kulinarische Kontakt mit Maisbrei erfolgte auf der Hochzeitstafel. Geistig umnachtet vom Alkohol, der Romantik des Tages und einer ein Meter langen Kerze, die ich während der einstündigen Zeremonie in meiner rechten Hand balancierte, lümmelte ich mir meine Portion als folkloristische Höchstleistung hinein.

Dann ging die Reise los – mit 10 Franzosen, Florin, dem ehemaligen Chauffeur des gestürzten Diktators Ceausescu, einem verwirrten Fremdenführer aus der Hölle und einer Kiste Champagner in einem Kleinreisebus. Franzosen reisen nie ohne.in acht Tagen durch Rumänien und zurück – rauf in den Norden, dann in den Osten und zum Abschluss in den Süden.

Um die Reise möglichst günstig für alle Beteiligten zu halten, wurden die Quartiere abseits jeglicher gängiger Menschensiedlungen angefahren. Es brauchte einige Tage bis mit dies bewusst wurde, bis dahin hielt ich es noch für wild romantisch und verschob das Feierabend-Gin Tonic einfach auf den nächsten Abend. Dabei begleitete mich auch jeden Abend eine köstliche Portion Mamaliga (sorry, dass ich die ganzen richtigen Satzzeichen auslasse) – das sich sehr gut mit allem in Rumänien kombinieren lässt. Fisch, Fleisch, Salat, Gemüse, Mamaliga, alles passt zu Mamaliga.

Der Knopf ging mir in der Nähe von Bran auf. Nach fünf Stunden gemeinsamer Busfahrt durchquerten wir die letzten Zeichen an Zivilisation bevor wir bei einer Jugendherberge den Anker warfen. Ja, es war Sommer, aber in den Bergen hatte es gegen Abend knapp 10 Grad und mein Mamaliga wurde auf der Terrasse kalt, bevor ich auf ihn heiß werden konnte. Drinnen durften wir nicht speisen, da die lokalen Vorausscheidungen im Jugend-Bridge stattfanden und alle Räume besetzt waren. An diesem Abend erfror die Romantik in mir und ich hatte die Freude an Maisbrei verloren. Ich schummelte mich unter die Jugendlichen, trank drei Gin Tonic, wurde als Fremder erkannt und nach draußen verbannt.

Seit dieser Reise habe ich mit Maisbrei gebrochen, hatte einen sensationellen Overflow.

Schärfe

Nun ist es zwei Jahre her und meine einjährige Tochter verlangt nach Überraschungen auf dem Tellerchen. Folglich testete ich meine innere Reaktion auf die Maispampe und erinnerte mich an eine Küchenkatastrophe aus grauer Lebensvorzeit. Ein guter Freund und Koch hatte mich für einen Abend mit ‚Lammkarre in Balsamicozwiebeljus und Polenta-Spinat-Turm‘ beraten und ins Verderben geschickt. Alle drei Zutaten für mehrere Personen gleichzeitig anzurichten, erwies sich als Überforderung deluxe. Aber dieser Turm blieb mir in Erinnerung.

Zum Bauen von Türmen nimmt man die Giganten des Britpops zur Hilfe

und hält folgende Zutaten parat:

  • 250 g Polenta / Maisbrei / Mamaliga
  • 20 g Butter
  • Salz
  • 1 Küchentuch
  • 1 Butternußkürbis
  • Olivenöl
  • Salz / Pfeffer
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 Chilischote
  • 1 Joghurt
  • Schnittlauch

1l Wasser zum Kochen bringen, Butter und Salz beimengen und an Rumänien denken. Sobald das Wasser kocht, Polenta unterheben und bei geringer Hitze für 20 Minuten quellen lassen. Fertige Polenta in ein Tuch wickeln und rollen, so dass eine ‚Wurst‘ entsteht, die später in Scheiben geschnitten werden kann.

Den Kürbis entstrunken, halbieren, schälen und die Kerne entfernen. Das orange Ding in Scheiben schneiden und in einer Schüssel mit dem Öl vermengen. Da für ein Kleinkind habe ich ohne weitere Gewürze gearbeitet – hier darf aber alles was Spaß macht eingesetzt werden. Rosmarin, Knoblauch, Chili, Honig, etc. Den Kürbis auf einem Backblech verteilen und bei 200°C für ca. 25 Minuten ins Rohr.

Polentascheiben in einer großen Pfanne anbraten und kurz in Knoblauch und Chili für Erwachsene wenden. Auf dem Teller Polenta- und Kürbisscheiben abwechselnd türmen, bis Gefahr für Leib und Leben herrscht. Dazu serviert man geschnitten Schnittlauch in Joghurt und einen Cabernet Sauvignon aus Rumänien.

türmen

Und stoße auf Florin an. Mit dem ich nie einen ganzen Satz sprach. Mein Rumänisch war dazu zu schlecht.

Rhabarberlapapp oder die Vermessung meiner Kochwelt

Irgendwann – ich kann den Moment heute noch datieren – ereilte mich die Erkenntnis, dass Kochen mich kaum bis nicht entspannt. Ich habe 5 Jahre meines Lebens gekellnert und ich schätze, ich trage lieber Teller und Gläser und versuche Gästen noch ein Dessert einzureden.

Nun koche ich recht häufig und versuche dem Alltag durch verschiedene Inspirationen zu entfliehen. Dazu singe ich gerne laut, orientiere mich an Alfred Biolek und nicht an Rezepten. Dies geht so lange gut, bis ich backen muss. Es ist mir eine Tortur Sachen genau abzumessen, wiegen oder teilen. Ich bin scheitere an Gramm und Milliliter und koche normalerweise wie ein Maurer mit der Kelle. Der Roman ‚Die Vermessung der Welt‘ von Daniel Kehlmann  trifft die Sache eigentlich recht gut auf den Kopf. Die Geschichte handelt von zwei Naturwissenschaftlern aus Deutschland des 19 Jahrhunderts – Humboldt und Gauß. Ersterer durchquert die ganze Welt auf rustikale Art und Forscherweise, der zweite ist der Denker und zuhause gebliebende Mathematiker. Und ich bin wohl eher ein Koch-Humboldt.

Nun hatten wir Gäste (oder auch nicht), aber auf jeden Fall Rhabarber und den familiären Willen, zumindest einen Kuchen – die Tochter fängt in der Krippe an und verdammte Sch§$/&, was soll man zu künftigen Kindergeburtstagen mitbringen? – soweit zu beherrschen, dass ich nicht gleich im Anschluss ein Gin Tonic brauche.

Dazu lege man seinen Mittelfinger auf die Soundanlage und lasse The Broilers eintreten

und folgende Zutaten für

den Teig und die Streusel

  • 50 g Speisestärke
  • 175 g Weizenmehl 550
  • 1/2 Teelöffel Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 1 Eigelb (Eiweiss für die      Füllung aufbewahren)
  • 100 g weißer Rohrohrzucker
  • 150 g sehr weiche Butter

für die Topfenfüllung

  • 50 g Speisestärke
  • 250 g Milch
  • 80 g weißer Rohrohrzucker
  • 1 Vanilleschote
  • 250 g Topfen / Quark (20-40%)
  • 1 Eigelb
  • 2 Eiweiß
  • 1 Esslöffel Puderzucker

für die Fertigstellung

  • 40 g Vollkornbutterkekse,      zerbröselt
  • 500 g Rhabarber, geputzt      gewogen

Der Originalpost den ich nachkochte und eigentlich auch nicht das Original Original ist, vergisst dankeswerter Weise den ersten Schritt: Alle Zutaten für den Teig abwiegen und sich fragen, was man mit dem restlichen Backpulver aus dem Säckchen machen soll. Ist einem alle gewogen, dann alles in einer Schüssel mit dem Handmixer verarbeiten bis kleine Brösel entstehen.

Im Anschluss in einer runden Springform den Boden mit Backpapier auslegen und die Innenseite großzügig buttern. Mit dem Großteil der Brösel, den Boden und die Seitenwände formen. Also Brösel reinhauen und mit Fingern und Handballen entspannt gleichmäßig festdrücken, gerne höher an den Seitenwänden arbeiten und Springform sowie restliche Brösel im Kühlschrank entspannen lassen.

Dem Rhabarber die Fäden ziehen und in kleine Stücke schneiden, Backofen auf 200°C stellen.

Für die Füllung wieder die Welt vermessen. Dann die Speisestärke mit etwas Milch glatt rühren. Die restliche Milch wird in einem größeren Topf mit dem Zucker, einer ausgekratzten Vanilleschote und ihrem Mark aufgekocht, dann die Schote wieder herausgefischt. Die klebrige Speisestärke noch einmal gut umrühren und der Milch beifügen, kräftig rühren und nochmals aufkochen. In die dicke, puddingartige Masse den Topfen / Quark sowie das Eigelb darunter schlagen und alles laut Rezept einmal kurz aufwallen lassen, oder auch nicht. Von der Kochstelle nehmen und glücklich lächeln. Eiweiß und Puderzucker mit dem Mixer steif schlagen und mit einer Maurerkelle unter die Milch-Quark-Masse heben.

Die Füllung im Teigbett versenken, Rharbarberstücke darüberwürfeln – man kann anscheinend auch jede andere lustige Frucht nehmen – die restlichen Brösel je nach Lust und Laune einsetzen und das dämliche Lächeln nicht mehr aus seinem Gesicht kriegen.

Kuchen für 50 Minuten ins Rohr, dann noch ausgeschalten darin 10 Minuten chillen lassen. Mittelfinger nehmen, in die Mitte des Kuchens versenken, drehen und schmecken lassen! Dazu passt ein Kaffee oder ein Black Russian – je nach Kindergeburtstag.

Rhabarber (1)Rhabarber (2)

Auf der Zunge zergehen lassen

Ein Blogevent zum Thema Österreich (ins Rollen gebracht von Susi) weckt zahlreiche Erinnerungen an vergessene zu vergessende kulinarische Momente. Essen war nie etwas Einfaches in meiner Familie, mehr Punk als Rock’n’Roll. Immer unterwegs und mit Nachspeise. So missioniert mein Vater konsequent Kellner in Frankreich, Spanien und Italien indem er seinen Salat mit Kernöl bestellt. Dort wo er ist, isst Kernöl.

Geprägt haben meine Kindheit in Graz Süßspeisen und Wirtshäuser. Auch hier setzte mein Vater die Zeichen, obwohl er bis heute keine einzige Speise mit mehr als einer Zutat zubereitet hat. Montag war Süßspeisentag im Hause – Palatschinken, Topfenstrudel, Marillen- oder Zwetschkenknödel, Schupfnudeln, etc. Heute findest du kaum noch Süßspeisen als Hauptgerichte!

In Wirtshäusern lernte ich mit Messer und Gabel umzugehen und dass Fleisch österreichisches Grundnahrungsmittel ist: Backhendl, Schweinsbraten, Bauernschmaus, Wiener, Pariser, Cordon Bleu, Grillteller, Zwiebelrostbraten, Tafelspitz u.s.w.

Österreich oder die Steiermark verbinde ich explizit noch mit einer Brettljause. Ein Klassiker, aber nichts zum Kochen. (Eher zum Aufschneiden, wie ein Schinkenspeck von der Fleischerei Kollar in Deutschlandsberg).

Und so bringen mich meine kulinarischen Ausschweifungen zu den Innereien der Sache, die überraschenderweise nichts mit meinem Vater zu tun haben. Vier Jahre in der Gamlitzer Weinstube haben mich geprägt. Lokale Küche, saisonal als Selbstverständnis und nicht als Ausrufezeichen und Innereien en Masse. Ich trug gebackene Kalbsköpfe aus der Küche, servierte gebackene Schweinswangerl, tischte Leber und Nierndln auf, versuchte Klachl- oder Flecksuppe nicht zu verschütten und ernährte mich nach Dienstschluss um Mitternacht selbst von Kalbsbeuschel. Touristen, die nicht wussten, was sie aßen waren begeistert, wünschten im Anschluss aber einen Schnaps. Nebst Gulasch sind diese Gerichte für mich traditionelle österreichische Küche!

Passend dazu legen wir die Hymne aller grantigen Wirte von Kurt Sowinetz auf

und zeigen der Welt die Zunge und folgende Zutaten:

  • 1,5 kg rohe oder geselchte Rindszunge
  • Suppengemüse
  • Lorbeer
  • Pfefferkörner
  • Salz
  • Piment
  • 1 Kilo Kartoffeln
  • Butterschmalz
  • Zwiebel
  • 1 Apfel
  • 1 Krenknolle / Meerrettich aus dem Glas

Die Kartoffeln am Vortag kochen, schälen und zur Seite stellen. Zunge mit Suppengemüse, einem Lorbeerblatt, Salz, Pfefferkörnern und einem Hauch Piment je nach Größe ca. 1 Stunde lang kochen. Den Apfel schälen und klein reiben, Kren ebenfalls reiben oder Glas öffnen. Beides mischen. Die Kartoffeln in reichlich Butterschmalz anbraten, Zwiebel je nach Wunsch teilhaben lassen. Zunge aufschneiden und im Takt des Wiener Walzers mit einem Glas Veltliner servieren.

Get your tongue ready! Get your tongue ready! Get your tongue ready! Get your tongue ready!

Blog-Event LXXXVIII - Oesterreich kulinarisch (Einsendeschluss 15. Juni 2013)

Die Unbeflecktheit des Kürbis.

Nachdem ich auch Tage danach darüber nachdenke, fällt mir immer noch nichts ein. Keine sexuelle Interpretation, keine berufliche Hirnwichersei, kein Wunsch, nichts Falsches gegessen oder ‚Bauer sucht Frau‘ auf RTL gesehen.

In diesem Traum schickten mir Außerirdische Wesen eine Handgranate im Spielzeugformat. Nachdem ich den Anschlag auf mich überlebe, merke ich, dass es sich um Weltall-Fanatiker handelt, die mit dem moralischen und seelischen Zustand der Erde nicht zufrieden sind und diese auslöschen wollen.

Da eine innere Analyse nach den Beweggründen für eine derartige Träumerei keine Ergebnisse erbrachte, blieben nur zwei Fragen: Was würden diese Extraterrestischen wohl essen und trinken wollen, wenn sie auf die nächste Hangranate vorbeikommen?

Für die Kürbissuppe braucht man wenig und davon nur ein bißchen Kraft (für das Schneiden des Kürbis):

  • Kürbis
  • Zwiebel
  • Butterschmalz
  • Salz
  • Pfeffer
  • Muskat
  • Chili
  • Gemüsebrühe
  • Schlagbobers

Den Hokadiokürbis halbieren, Kerne und langfädige Freunde mit einem Löffel entfernen und das Mosnter in seine Einzelstücke schneiden. Diese in ein wenig Butterschmalz anbraten und eine kleine geschnitte Zwiebel einspielen. Das Ensemble brät leicht an, bis ca. 1l Gemüsebrühe – gerne auch die angerührte Pulverversion – ihr Defilee hat und einschreitet. Nun ist es an der Zeit mit Gewürzen tätig zu werden; ist ja schließlich auch das Kompliment an den Gaumen der Gäste (solange dieser noch nicht durch Maggi verdorben ist): eine kräftige Prise Salz und Pfeffer, etwas Muskat sowie ein großer Teelöffel (ha, gibts gar nicht) Chilipulver einpflegen und aufkochen lassen. Dann den Pürierstab ansetzen und wenn die ganze Partie vor Geschmeidigkeit schnurrt, noch einen Kleks Schlagobers drauftüten.

Als Einlage passen geröstete Brotwürfel (in einer beschichteten Pfanne erhitzt), Speckwürfel, Krabben oder Kürbiskerne. Mit Sicherheit aber ein Schuß Kürbiskernöl. In das Glaserl kommt ein Ingwertee mit einem Schuss Obstler.

Und zu meinen Träumen passt eigentlich nur noch ein sehr bizarrer Sandmann und die Hoffnung, dass es keine republikanischen Außerirdischen gibt. Und welches Lied passt zu dieser Chose?

Im Zweifel noch mehr Zwiebeln

Für einen Zwiebelrostbraten gibt es mehrere Herangehensweisen. Dies ist wie bei einer schönen Frau oder die Taktik bei einem Auswärtsspiel. Dieses Rezept ist ein „Über-die-Schulter-Gucker“ aus Frankreich, bei den Eltern einer Bekannten. Dort lernte ich viel über französische Trink- und Tischsitten und velor meinen Geruchssinn fast an einem Stück Roquefort, das zum besseren Reifen im Sommer auf dem Balkon in einer Plastikhülle gehalten wurde.

Die letzte Version (jedes Gericht wird lustigerweise anders; siehe Frauen und Auswärtsspiele) war eine Reminiszenz an meine Grazer Wohngemeinschaft mit „Anti Blue Eyes“ und dem „Verwirrten“. Einerseits standen uns über drei Jahre die Vorräte einer Fleischhauerei (mit Dank an Anti Blue Eyes Eltern) zur Verfügung, andererseits herrschte allgemeine Panik vor Gemüse. Deshalb gab es gerne Zweibelrostbraten, da die gemeine Landzwiebel ein Grenzgänger zwischen Gemüse und was-weiß-ich ist, Geschmacksträger ist und gut in Fett schwimmt.

Passende Musik (ab jetzt vorab) für drei Jahre voll Anarchie:

zwiebelrostbarten_zwiebel

Schritt 1: Man kann nie genug Zwiebel und Knoblauch schälen.

zwiebelrostbraten_anbraten

Schritt 2: Rindfleisch im Ganzen (für Rostbraten) in Butterschmalz oder Öl auf beiden Seiten anbraten. Alles was verbrennt ergibt Geschmack.

zwiebelrostbraten_dunsten

Schritt 3: Den grob geschnittenen Zwiebel und die ganzen Knoblauchzehen in den großen Topf hinzufügen, nachdem man das Fleisch herausgehoben hat. Die Zwieblkombo auf voller Hitze eindunsten lassen, unter Hinzufügung von Salz und Pfeffer. Wenn sich das erste Mal am Topfboden eine dickere „angebrannte“ Schicht bildet, mit Weißwein aufgießen und Lorbeerblätter sowie Pfefferkörner nach Geschmack addieren. Die Kombo wieder einreduzieren lassen.

zwiebelrostbraten_suppenwuerfel

Schritt 3: Den Zaubertrick der Schnellmixerrindsuppe anwenden (für alle die das Bild nicht verstehen, gebe man zu den Suppenwürfeln noch Wasser dazu) und mit dieser, samt dem Fleisch, den Zwiebeln auf den Leib rücken. Den Topf bis unter den Deckel füllen, eine weitere Flasche Wein öffnen, sich setzen und den Rest ca. 1 1/2 Stunden kochen lassen. Wichtig ist, dass man ab und zu kostet und sich die Lippen verbrennt. Gutes Zeichen für ein Gelingen ist, wenn die Sauce immer dicker wird.

Schritt 4: Zur Beilagenwahl aufrufen. In unserem Fall sind es breiter Nudelnester, Rosenkohl/Kohlsproßen. Erstere nach der Packungsbeilage Kochen, letztere (wie in unserem Fall, da wir zu spät zum Einkauf kamen) tiefgekühlt auftauen und in Butter schwenken, mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.

zwiebelrostbarten_fleisch

Schritt 5: Das Fleisch herausholen, aufschneiden und mit dem restlichen Klimbim (je nach Laune passen auch Spätzle, Reis, Brokkoli etc. dazu) anrichten und genießen. Dazu passt auch exzellent ein Preiselbeerkompott.

zwiebelrostbraten_angerichtet

Passendes Getränk: Steirischer Weißwein in rauen Mengen, weshalb ich einen eigenen Weinblog aufmachen müsste, wollte ich darüber schreiben. Also am Besten selbst auswählen.

Mein Eingeständnis folgt zum Schluß: Ich habe zwar in Frankreich über die Schulter geschaut, mir aber nicht alles gemerkt. Folglich handelt es sich um eine Interpretation. In Frankreich wurden auch drei Liter roter Tafelwein dazu verzwickt und Brot als Beilage gereicht. Auch lasse ich meinen Käse nicht außerhalb des Külschranks reifen und ziehen,