Die Pizza des Proletariats.

So viel hatte er gelesen über die verschiedenen Belage für Pizzen: Ziegenkäse, Birne, Ananas, Balsamico-Reduktion, Grapefruit, Lachs, Straußenfleisch- und Eier, Fenchel, Spargel oder Kaviar. Auch die Varianten der verschiedenen Teige und besten Zubereitung von Teigen hatte er sich verinnerlicht. Im Traum war er der weltbeste Pizzabäcker und füllte den Ofen mit dem feinsten Birkenscheiten. Er hatte die Grade der Mehle mit dem rechten Nasenloch geschnieft, wie die Scoville mit dem Linken. Dem Büffel-Mozzarella sah er das Euter schon aus zwei Kilometer Entfernung an und den Basilikum zog er ersterer Rückstand.

Dann war aber wieder Sonntag und sie hatte den Hörer am Ohr und die Elfenbeinküste vertrat den Ball in Weltmeisterschaften. Die Basics hatte er beieinander, auch das digitale Kochbuch in die Küche getragen und die passende Musik ausgewählt:

Aber in dem Moment, in dem er das Mehl zwischen seinen Fingern hätte spüren können, vergriff er sich  am Fertigteig und mischte rein die Tomatensauce selbst an. Dazu hieb er den gemischten italienischen Gewürzbuschen in seine Bestandteile, schuf Rosmarin, eine frische Chili, Salz und Pfeffer dazu und schmeckte mit getrockneten Oregano und Basilikum ab. Auf die wenig gehaltvolle Plastikunterlage von Fertigteig verteilt, schuf er ein Oeuvre aus Sardellen, Salami, Thunfisch, Käse, Oliven, Paprika, Kapern und Zwiebel.  Und während er das Gasungeheuer heizte und das Bier von seinem Inhalte befreite, deckte er den Tisch, machte einen Grün-Petersilie-Salat an und zeigte seiner Frau den Zeiger. Dann wechselte er die Stufen im Ofen, drehte die Musik einen Tick lauter und grunzte.

In der Sekunde, in der er an Ananasstücke dachte und ihre Weiblichkeit in all ihrer Süße ihm gegenübersitzend genoß, wusste er, dass sich nie eine Scheibe Ziegenkäse auf seine Volkspizza verirren würde. Das Grün vom Ruccola war schon revolutionär genug. Und in der Hitze des Gasofens schmolz das letzte Stück vorgeschnittener Pizzakäse in einem gelben Panta Rei.

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