Gabelbissen oder Muskelspiele an der Nudel

Er musste an die bekannten Sätze „Der gute Koch muss erst mal ein Spiegelei richtig machen. Das Einfache ist das Schwere.“ denken, als er den angebräunten Knoblauch mit dem Tuch aus der Pfanne hob. Neben dem Schlürfen von Aperitifen, der Auswahl der passenden Musilk

und dem Betrachten der austreibenden Chilipflanze tanzte er mit der Gitarre um die Wette und ließ den Knoblauch in der Teflonhölle schmorren. OK, du musst dich konzentrieren sagte sie und reichte ihm den Blick voll Hunger.

Also schnitt er erneut Knoblauch klein, hackte eine zweite Chilischote und brachte das Olivenöl wiederum in die Pfanne ein. Erhitzt temperierte er das Olivenöl aus Kreta und schob den Knoblauch und die Chilischote hinein, drehte den  Herd auf  Valentino Rossi und ergänzte die bereist gekochte Pasta. Abgeschmeckt mit Salz, Pfeffer und Krabben machte er sich dieses mal an die perfekte Mischkulanz aus Öl und Knoblauch.  Von Antonio Carluccio wusste er noch aus dem Nachtprogramm – kurze Einführung des Autors: Der österreichische Rundfunk versteckte in seiner Anfangszeit Kochsendungen wie Pornos im Nachtprogramm – dass die italienischen Hemden-V-Ausschnitt-Träger und ihre Mamas immer eine fette Portion Olivenöl noch über die Pasta gaben.

Die Lippen glitzerten diskokugelmäßig im Takt der Foo Fighters, als die beiden der Frohsinn verschlang. Hamm und weg waren sie … nur die Muskeln hatten kein leichtes Spiel.

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Saures mit Huhn auf Scheiben und Stielen

4 pro Stange, 50 Stangen pro Wochenende, ja er hatte als Spießer bei der Restaurantfachkette Wienerwald weit gebracht. Ob diese ihren Niedergang seinem Abgang zu verdanken hatte konnte er sich nicht mehr entsinnen, aber der Tatsache, dass er noch immer Gusto auf Hühner hatte. Wenn Madame also regelmäßig die Frage nach der Ernährung am Wochenende stellte, kamen ihm immer wieder die Schenkel, Flügel und Brüste wie in einem Varieté geistig hoch. Und so war es nur mehr ein kleiner Schritt zur Feinkostverkäuferin ihres Vertrauens voll Toupet und dem Gemüsehändler voll Wahnsinn und mediterranem Zungeneinschlag.

Nach der Wahl der entsprechenden Musik

und dem Einverständnis der mithörenden Nachbarn ließ er die Schenkel tanzen. Wie er es gelernt hatte, legte er das Huhn auf den Rücken, schnitt mit einem scharfen Messer die Brust entzwei und spaltete den Rücken entlang des Grades. Die eine Hälfte wurde aufgerichtet und unter dem Flügel halbiert, um den Schenkel abzutrennen und den Flügel von der Brust zu befreien. Nach dem feinen Schnitt kümmerte er sich um die Couverture. Dazu rieb er die Zitrone die Schale von der Haut, schnitt Chilis körnige, hackte Rosmarin, schnitt Salz und Pfeffer klein, schmeckte mit Honig ab, zerstückelte minimalst Ingwer und haute fest auf die Pauke.

Sie hatte bereits ihr Samuraischwert aus dem Volkshochschulkurs gezückt und schnitt Gemüse klein: Kartoffeln mit Schale in Scheiben, Karotten in Stiele, Zwiebel in Viertel, Zucchini und Zitronen ebenfalls in Scheiben und enthäutete die Knoblauchzehen. Das ganze formte in einem feuerfesten Behältnis eine Einheit und wurde mit den Hühnereinzelteilen belegt, mit Olivenöl übergossen und mit Bratgewürz, Chilipulver, Salz, weißem Pfeffer und Rosmarin zugedeckt. Die Hände in der Mischung, massierte er das atomisierte Huhn sowie das Gemüse und machte es zu seinem pikanten Geschmacksträger. Die Hühnerteile legte er mit Hautseite nach unten oben auf und verfrachtete das Ensemble in den vorgeheizten Backofen, wo es bei 200 °C Sonnenbank-Flavour aufnahm.  Nach ca. 20 Minuten nahmen die beiden das Huhn aus dem Ofen, wendeten die Schenkel, Brüste und Flügel und bestrichen die Hautseite mit der vorbereiteten Couverture. Zurück im Ofen war es an der Zeit Farbe aufzunehmen. 

 Fingerfood voll Wollust und Geschmack nagten die beiden Knochen ab und rollten Zitronenräder über die Teller während Jay-Z den letzten Ton  traf.

Ein netter Gedanke ist es, die Haut des Huhnes bei der Zubereitung (nicht ganz) vom Fleisch zu trennen und die Couverture oder die Zitronenscheiben oder den Rosmarin, Knoblauch, whatever geschützt einzuarbeiten und so etwaige verbrannte Stellen zu vermeiden und die Haut des Huhnes zu betonen. Auch kann für ein derartiges Huhn fast jegliches Gemüse verwendet werden: Kohlrabi, Fenchel, Lauch, Pilze, Tomaten, Autoreifen, Bierfilze …

Vive le Vitamin – oder ein Topf gegen Fleisch

Das Wochenende hatte seine 48 Stunden auf 48 Minuten geschrumpft und die Energie für Sex, Drugs & Rock’n’Roll verschwendet. Die Sonne hatte sich mit den Sternen und Wolken abgewechselt und im Wechsel der Erinnerungen war nichts mehr sicher, als in der Küche sich das Gemüse erhob. Angriffslustig voller Vitamine und mit den Dreck und Schande als Beilage stigmatisiert, gingen Karotten, Auberginen, Tomaten, die unterschiedlichsten Spitzpaprika, Zwiebel, Knoblauch in die Offensive. Beide hatten keine andere Wahl, als sich mit diversen Hieb- und Stichwaffen zur Wehr zu setzen: Es wurde gehobelt, geschnitten, gebissen, zerrissen und geweint. Unter der Ägide von The Clash – Police and Thieves –

gab es kein Halten mehr und der große Topf wurde dem Herd aufgesetzt.  Rasch briet das Schmalz an und bereitete dem Gemüse einen heißen Empfang. Es wurde gebraten, gerührt, mit Wein, Tomatensauce und Chilipaste abgeschmeckt und der Deckel des Schweigens darüber gebreitet.  Als Beigabe für das Schmorren fügten sie noch Rosmarin, italienische Kräuter, Cumin, Salz und Pfeffer dazu. 

Als Begleitung für die Einheit aus Gemüse hatten sich die beiden für Couscous entschieden: einfach in der Zubereitung, fett als Alternative. Die Sekundanden bestanden aus einem fetten grünen Salat mit Kernöl und dem bekannten Fenchel-Orangen-Salat. Sie ließ Gemüse um Gemüse über die Zunge gleiten und schickte als Rückmeldung nur einen Wortschwall Freude aus, den er auffing zu einem Blogbeitrag verarbeitete. Das nächste Mal noch mit Kichererbsen garniert.

Fleischeslust in Tricolore

Satt, Schnaps, Schluss. Drei Worte die das Ende des Abends besiegeln sollten, aber nur ein paar Gin Tonics auf der Geburtstagsfeier eines Freundes auf den Plan riefen.

Er hat sich mit ihr auf einen kulinarischen Plan für 2010 verständigt, der besagte alles zu probieren und zu kochen, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Zu diesem kulinarischen Testballon hatte sich auch ein Freund gesellt, dessen Interessen parallel verliefen.

Philipp ergriff die Pute und brüstete sich damit in der Hälfte. Die Fülle aus griechischem Schafskäse, Speisetopfen, Salz, Pfeffer, Rosmarin und einem Mix aus dem unterschiedlichsten Gewürzen wurde in der Putenbrust verspachtelt – diese wurde in der Mitte mit einem scharfen Messer taschenförmig eingeschnitten – und mit Rosmarinstengel von Hans dem Rosmarin zusammengeheftet.

In einer heißen Pfanne Butterschmalz fand die Putenbrust ihre Bestimmung, wurde von allen Seiten angebraten und langsam – wenn nötig im vorgeheizten Backrohr – für einige Minuten durchgegart. In einer zweiten Pfanne ließ er Paprika Tricolore in Streifen aufsalutieren und mit Knoblauch in Olivenöl anbraten.

Als Unterlage der Pute mischte Philipp grüne Salatnester mit einer  Sauce aus Orangensaft, weißem Balsamico, etwas ÖL, Salz und Pfeffer, trapierte das Duett auf mehreren Tellern, verteilte die Paprikastreifen darüber und  richtete die in Scheiben geschnittene Putenbrust als Gipfelsturm des Genusses an.

Der erste Gang hatte die Touren mit einem passenden Weißwein bereits beschleunigt und während Philipp die Schellacks herausholte und den Plattenspieler mit einem kurzen Word Up auf die Rillen brachte hatte er schon Fleisch in den Händen …

WTF

Was sollen wir damit machen? fragte er. Sie sagte Nimm es einfach! und der chinesische Verkäufer erging sich zum vierten Mal in Ja gut kochen, in Suppe, Hauptspeise und Beilage. Beide hatten an diesem verregneten Oktobersamstag die Erfahrung der Führung der Touristen durch die Innenstadt gemacht, auf der Suche nach Handy und Whisky in die Augen des Konsums geschaut und in Weihnachtsgeschenken gedacht. So ging es nun auf ihre Empfehlung in das neuentdeckte Kaufhaus mit dem Asialaden und weiteren Lebensmittelgeschäften. Insgesamt verbrachten sie drei  Stunden und wühlten sich durch potenz- und sehkraftsteigernde Gewürze, Gemüse, Kräuter und Gefahren. Danach hatten sie Einkaufstüten voll und  Sinne überflutet.

Die Karotten gestreift (in Streifen geschnitten) blanchieren. Währenddessen eine Marinade aus Zitronensaft, Honig, Zucker, Salz, Pfeffer, Senf und Knoblauch anrühren. Die lauwarmen (nach dem Blanchieren kalt abspritzen) Karotten darin versenken. Die Jungbullensteaks in heißem Butterschmalz beidseitig anbraten, ungeschälte Knoblauchzehen als Komparsen für die Pfanne anheuern, einen Rosmarinzweig als Funktionär des Geschmacks addieren und heftig salzen und pfeffern. Steaks und Freunde nach drei Minuten aus der Pfanne auf ein Bett aus Aluminium und Zitronenscheiben mit Chillishoten betten und für ca. 8 Minuten in den vorgeheizten Herd. In einem synchronisiertem Schritt erhitzen die beiden zwei Platten, ließen Zucker in einem Topf karamellisieren und fügten vorab geschälte Schalotten hinzu um in der Pfanne des Fleisches kleingeschnittene Schalotten mit Pinienkernen anzurösten. In diese fiel der Pak Choi – vorab gewaschen und geteilt – würde angedünstet und von Gemüsebrühe abgelöscht.

In einem Akt der Maßlosigkeit wurden die Karotten mit dem Pak Choi Gemüse (nachdem die Brühe einreduziert war), den auf Zucker tanzenden Schalotten mit dem Jungenbullensteaks angerichtet. Dazu tranken die beiden Bier und freuten sich der Tatsache den Moment des What The Fuck im Laden mit kulinarischen Mitteln und der Googlesuche besiegt zu haben. Schmeckt es? fragte er und sie nickte.

Ist da Pferd drinnen?

Im beruflichen Kleinteam spielen sich die größten Dramen und besten Komödien ab. Grundsätzlich sollte man berufliches und privates trennen; da das Leben allerdings keine Trennkost ist, fand sich mein berufliches Umfeld bereits zu diversen lukullischen Genüssen zusammen. Nach Raclette, BBQ, Thaicurry und tschechischen Antipasti, eingelegt in Becherovka, ging es nun daran österreichisch zu bewirten.

Das Menü bestand aus Käferbohnensalat mit Kürbiskernöl und einem Fiakergulasch. Zur musikalischen Untermalung bietet sich ein österreichischer Klassiker von Kurt Sowinetz an:

Sollten die Käferbohnen getrocknet sein, diese für 24 Stunden in Wasser einlegen und dann in Salzwasser kochen, bis diese bissfest sind. Die Käferbohnen mit Essig und reichlich Kernöl abmachen, Zwiebel und Knoblauch addieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Am besten als Vorspeise servieren.

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Für das Gulasch schneide man – wie in diesem Fall für acht Personen – zwei Kilo Zwiebel klein, bis die Augen leuchten wie Bremslichter. Man nehme die gleiche Menge Gulaschfleisch (egal ob Schwein, Kalb, Pferd oder Gnu, Hauptsache eine Sorte wegen der Kochzeit), tupfe sie trocken oder auch nicht und brate die in Würfel geschnittenen Stücke in reichlich Sonnenblumenöl in einem großen Topf an. Nach erfolgreicher Bräunung der Fleischstücke auf zumindest drei Seiten, werden diese zum chillen beiseite gelegt und die geschnittenen Zwiebeln nehmen ihren Platz im Topf ein. Die Zwiebel glasig dünsten, mit Paprikapulver, Knoblauch, Salz, Pfeffer, Chilli und geriebenen Kümmel in ausreichender Menge bekannt machen. Wie gesagt, hier wird für acht Personen groß aufgekocht, weshalb auch mit den Zutaten nicht zu sparen ist. Das Fleisch wieder zuführen und dann dünsten lassen, bis sich alles in Wohlgefallen und Gulasch zersetzt. Alternativ kann man auch noch ca. 1 Liter Rindssuppe ins Spiel nehmen und die Komposition ausdünnen. Dann wird es eher zu einer Suppe, wie in meinem Fall.

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In der Zwischenzeit hat man sich schon dem nächsten Bestandteil gewidmet: dem Serviettenknödel. Dazu eine Packung Toastbrotscheiben von der Rinde befreien und mit ca. 0,5 Liter warmer Milch für ca. 30 Minuten ruhen lassen. Gehackte Petersilie, Eier (ungefähr vier Stück), Salz, Pfeffer, Speck (bei Bedarf) und xxx einrühren und die ganze Masse zu einem Fest für die Finger werden lassen. Auf einer Klarsichtfolie wird der Patz dann zu einer Wurst aufgereiht – wer auch immer Zigaretten gedreht hat, ist hier von Vorteil – und an den Enden verschlossen. Darüber kommt noch eine Schicht Alufolie. Wem dies zu alternativ ist, kann den konservativen Weg nehmen und eine Serviette/Geschirrhangerl hernehmen. Das Kunstwerk in heißem Wasser für ca. 25 Minuten kochen bis die Konsistenz vom Halbflüssigen ins Feste übergegangen ist. Da ich diesen Moment nie erreicht habe, wurde in dieser Hinsicht von mir geschummelt: ich habe die Verpackung einfach aufgerissen und aus der langen Wurst kleine Knödeltaler geformt, die ich abgebraten serviert habe.

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Als weitere Beilage zum Fiakergulasch werden Wienerle/Frankfurter, Spiegeleier und Essiggurkerl gereicht. All dies macht ein herrliches Fiakergulasch aus. Wichtig ist, die Gurkerl aufzufächert. Dazu mache man aus einem zwei und schneide die Hälften in kleinen Abständen ein ohne sie ganz durchzusägen. Dann mit der flachen Hand aufdrücken und fächern.

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Passende Getränke: zur Vorspeise ein herrlicher Schilcher aus der Weststeiermark, zur Hauptspeise irgendein Bier, Hauptsache Bier und zum nicht vorhanden Dessert ein Schnaps oder Whisky zur Verdauung.

Dies war mein erstes Gulasch und einige Punkte sind festzuhalten:

  • beim Zwiebelschneiden kann man irgendwann nicht mehr weinen
  • dafür riecht man auch noch Tage danach nach Zwiebeln
  • nimm lieber zwei mittlere Töpfe, als einen großen, in dem du nie mehr umrühren kannst
  • addiere nur Suppe wenn du Suppe willst
  • Knödel muss ich noch üben
  • Ich habe noch immer nicht die Unkosten verrechnet
  • ja Lukas, man kann auch ein Pferd hineinschneiden; nur woher kriegen ist die Frage
  • ja ModeZampano, die Fotos sind noch immer Schrott

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92,8 Kilo oder das Gewicht eines Food-Blogs – Version Freunde

Reichhaltiges Material für meinen Food-Blog liefern mir meine Freunde. Interessanterweise muss ich zugeben, dass ich keinen Freund schimpfe, der nicht auch gerne isst. Folglich ist es immer wieder ein wunderschöner kulinarischer und bereichernder Austausch. Entweder bei unseren regelmäßigen Weinabenden – sorry, aber schwäbischer Wein hat auch am 4ten Abend noch nicht überzeugt –

weinverkostung

oder bei richtigen Gelagen in Kompaniegröße.

Passende aufhetzende Musik, da es sich um reichlich Mise-en-Place handelt und der Modezar unterstützend eingriff:  Cypress Hill

Bei größeren Runden zahlt es sich aus drei Fragen zu stellen:

1/ Ist ein Vegetarier/Allergiker dabei?

2/ Will ich meine ganze Küche verwüsten?

3/ Kann ich die Speise überhaupt für mehrer Personen zubereiten?

 

Rücksicht ist nur fair und macht den Abend auch schönes („Was da ist Ananas drinnen? Aber ich bin …). Das Küchenproblem stresst mich am Wochenende nicht, da Abwasch in sich meditativ ist, unter der Woche sehr wohl. Zu Punkt 3 kann ich folgende Geschichte anmerken. Das Gericht „Überbackene Lammkrone in Balsamicozwieberljus mit Polenta-Spinat-Turm“ klingt geil, braucht aber eine komplette Küchenbesatzung zum Anrichten. Obwohl mich damals in der Küche der Wahnsinn gepackt hat, konnte ich dennoch nicht die 7 Essen gleichzeitig & warm hinausbringen.

 

Folglich haben wir uns für den Abschied des Modezaren nach NY (keine Angst: nur Business, Liebe und Leben) für die „SCHINKENFLECKERL DELUXE“ entschieden. Man beginnt einen derartige Veranstaltung am Besten mit einem Vodka-Orange und überlege reichlich, was man machen oder nicht machen will.

vodka

Im Anschluss lasse man sich im Supermarkt an der Wursttheke von der/m VerkäuferIn seiner Wahl verwöhnen (Ich würde noch gerne das und das kosten!). Im Endeffekt greife man bei 8 Personen zu ca. 1 Kilo gemischter Wurst (Schinken, Polnische, Lyoner, Speck etc.), je nach den Gästen zu 2 Kilo Bandnudeln. Nudeln kochen, die geschnittene Wurst in einem Topf mit Zwiebel anbraten, Nudeln beimengen, mit Salz, Pfeffer, Kümmel und Knoblauch abschmecken. Wichtig ist der Schritt des Paprizierens, der Vermählung der Nudeln mit dem Paprika- und Chillipulver. Reichlich davon Gebrauch machen! Vor dem Servieren noch klein gehackte Petersilie unterheben.

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Vielleicht ist folgende Lektion noch von Interesse: auch wenn man einen schön großen Kochtopf zu Hause hat, wo alles reinpasst, lieber in kleineren Portionen kochen, da sich so alle Zutaten besser durchmischen.

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Immerhin erhebe ich gerad irgendeinen kulinarischen Anspruch und nicht den einer Militärküche mit Gulaschkanone.

Als Starter wurde ein Kartoffel-Gurken-Salat serviert. Kartoffeln mit Gurken vereinen (die ersten gekocht und geschnitten, letztere nur geschnitten) und mit einer Marinade aus Kernöl, Essig, Senf, Salz und Pfeffer krönen.

kartoffel-gurken_salat

Passende Getränke für solche Veranstaltungen: alles was nicht bei 3 auf einem Baum sitzt!  

Rolle Vorwärts à la Rothmund samt Mischmaschgemüse im spülfähigen Alter

Man sieht es meinen Rezepten an, dass ich besser über Essen schreibe als es zu Kochen oder zu Fotografieren (siehe auch die netten Kommentare auf Flickr). Sollte dem auch nicht so sein und nur kulinarische Spastiker sich an meinem Blog delektieren, auch gut.

Doch, was mich treibt ist wie beim aktiven Fußballspiel die Lust und die Freude, vor allem aber auch die Erkenntnis, dass ich lernfähig bin. An einem Vorabend eines langen Geburtstagsabends ging es nun daran, die geistige in die gestalterische „Rolle vorwärts“ zu verwandeln.

Für die Assistenz der Küche wurde noch schnell ein Lied aufgelegt 

und schon ging an die Produktion der „Rolle Vorwärts à la Rothmund samt Mischmaschgemüse im spülfähigen Alter“.

Für die „Rolle Vorwärts“ vier Putenschnitzerl auf einem Brett drapieren und mit einem scharfen Messer seitlich einschneiden (à la „Urigeler“ Style, indem man die Hand auflegt), sodass eine Tasche entsteht.

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Also keine zwei Schnitzel aus einem machen. Die Taschen mit Weichkäse ausschmieren (Bresso hat sich für unsere Zwecke als aromatisch erwiesen). In einem Speck- oder Prosciuttoblatt eine getrocknete Tomate (oder was auch immer, Bernd würde wahrscheinlich einen Gummibären nehmen) einrollen und in die Tasche stecken, wie den Schlüsselbund in die Hosentasche. Das ganze mit einem Zahnstocher oder einem Rosmarinzweig verschließen.

In der Zwischenzeit hat die Assistenz bereits einige Kartoffel (mit Haut) gewürfelt, ebenso ein paar Karotten, einen Kohlrabi, eine Fenchelknolle, Zwiebel und Knoblauch.

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Die gesamte Vitamincrew wird in heißem Butterschmalz scharf angebraten, Deckel drauf und für ca. 25 Minuten bei mäßiger Hitze in Ruhe gelassen. Nur noch mit Salz, Pfeffer und verschiedenem Kräuterwerk versehen.

Nun die Rollen Vorwärts ebenfalls von allen Seiten scharf anbraten und im vorgeheizten Backrohr, nach der Würzung mit Salz, Pfeffer für 15 Minuten durchbacken.

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In der Zwischenzeit den Tisch decken, die zweite Flasche Wein öffnen (die erste wurde verKOCHt), grünen Salat mit einer Vinaigrette abmachen, die Gäste hereinlassen, Kerzen anzünden, Smalltalk betreiben und abwaschen.

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Dies ist der Tribut an die Vergangenheit, nicht abgewaschenes Geschirr überdauert die Ewigkeit und muss vor dem Essen abgewaschen sein, und der Namensgeber für das Mischmaschgemüse im spühlfähigen Alter.

 

Passendes Getränk: Spritziger Weißwein vom Weingut Lackner Tinnacher oder Tegernseer Bier.

130 Jahre Erfahrung – Visionen 7.0 – das Finale

Der Schreiber dieses Blogs hatte die Freude, sich mit seinem Vater 14 Tage durch die steirische und grazer Gastronomie durchzukosten. Dies war einerseits der Versuch ins Guiness-Buch der Weltrekorde für den Verzehr von Frittatensuppe (Flädle oder Pfannkuchen für meine deutschen Homies) zu kommen, andererseits täglich zu bloggen und zu sehen, wie das so ist. An letzterem Anspruch bin ich zerbrochen (oder waren es doch die langen kalten Abende?), weshalb hier ein letzter Test geschrieben und ein Resümee gezogen wird.

Inhaltlich hat sich bei den Beiträgen auch eine Änderung ergeben: Die Musikempfehlungen stehen jetzt an der erster Stelle, damit man hören und lesen gleichzeitig kann. (Ja, ich bin ein Fuchs:)

Musikempfehlung: Mit diesem Liedgut sind die Tester durch die steirischen Zeitzonen gejag (Im Original die große Connie Francis, hier jemand anderer)t:

Für das Neujahressen wählte der Senior-Tester ein besonderes Lokal aus, das Restaurant im Romantik Parkhotel. Dieses hat sich als Neujahrsstammlokal etabliert und weißt sich besonders durch benutzerfreundliche Gerichte (Junior-Tester mit fast dreißig ist der jüngste Gast. Für die Stammklientel um die 80 wird alles weich- und weichergekocht. Folglich sind auch keine Steacks oder härtere Speisen als Butterschnitzel auf der Speisekarte) und oldschool Kellneruniformen aus (Tita von Teese und alle Uniformfetischisten hätten ihre Freude).

Als Entrée schmausten die Tester ein Kresseschaumsüppchen mit Lachscrouton und eine obligatorische Frittatensuppe.

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Zur Hauptspeise wurden die Dritten-Zähne-Schnitzel aufgetischt: Für den Senior-Tester Jungschweinmedaillons im Briochemantel auf Rahmlinsen.

parkhotel_jungschweinmedaillonsimbriochmantelaufrahmlinsen 

Der Junior hatte sich für Jungkalbslende in/auf/unter/bei/durch Morchelsacue mit Butternudlen samt Gemüsevariation entschieden. Die Ausführung beider Speisen war exzellent, aber wie gesagt fehlte der Biss.

parkhotel_jungkalbslendeinmorchelsaucemitbutternudelnundgemuse1

Passend dazu wurde ein Vitaminfeuerwerk mit einer homäopathischen Portion Essig und Öl gereicht.

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Passend zum feinen Anlaß wurde wieder ein Dessert gezwickt. Der Senior-Tester erhielt (als Menu) ein nicht zu anspruchvoll zu kauendes Spumantemousse mit Mangosorbet.

parkhotel_champagnermoussemitmangosorbet

Der Sohnemann verging sich angesicht guter Neujahrsvorsätze an einer Tonne Obstsalat und überlebte die geballte Vitmanladung nur durch Einsatz von viel Kaffee.

parkhotel_obstsalat

Passende Getränke: Campari-Orange, Weißwein und Kaffee.

Auf der Kernölskala kommt es zu einer letzten Beurteilung von 7/10, das Service ist einfach eine Wucht.

Eine kurzes Resümee:

Ich werde keine weiteren Lokalkritiken aus Graz mehr posten, da diese zu weit in der Vergangenheit liegen und mehr langweilen als erquicken würden. Ich hätte noch eine Tonne an Fotos von Frittatensuppen und gemischten Salaten, aber genauso wie mit der Zeit nackte Brüste und Hintern auf Seite 7 von (österreichischen und deutschen) Zeitungen nicht mehr erquicken, so verlieren auch Frittaten und Salatblätter ihren Sexappeal.

Hervorheben möchte ich trotzdem noch das Gasthaus DiGallo, es ist unbedingt besuchenswert. Hier wurden Hirschschnitzel mit Rahmspätzel, Brokkoli und Zwetschgenröster verspeist:

digallo_hirschschnitzelmitrahmspatzle_brokkoli_zwetschgenrostermitorange

Ebenfalls ans Herz und an die Zunge lege ich das Gasthaus Martinelli auf der Leber (Siehe  Bericht einige Visionen zuvor) und den Schmiedwirt in Andritz (nicht von den Fotos auf der Homepage irritieren lassen. Diese Leute sind überaus freundlich und verstehen ihr Handwerk:). Beim Sepp im Gasthaus Martinelli bitte nicht nach der Speisekarte fragen, sondern einfach ein Pariserschnitzel nehmen:

leber2_pariser 

Bei Roberts Küche im Schmiedwirt schmeckt es einfach. Beispielsweise der Pangasius in Knoblauchpanade auf Rahmnudeln:

schmidt_pangasius

Verabschieden werden sich die beiden Tester vom kulinarsichen Todesstern müssen. Karl-Heinz sperrt aus Alters- und Erfolgsgründen das Alt-Wien zu Ostern zu. Ich werde den Chaossturmtruppen, den kulinarischen Entgleisungen, den bizarren Stammgästen und der andersartigen Einrichtungsphilosophie noch eine Träne hinterherweinen. Zum Abschied noch eine Fotoshommage:

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Mein letztes Szegedinergulasch.

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Das einzigartige Salatbuffet aus Fertigfrüchten.

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Die Räumlichkeiten, die in den 60ern stehengeblieben sind.

Kurz gesagt, es hat mehr als Spaß gemacht, wir haben Wetter, Wind, kulinarischer Un/Fähigkeit und geschlossenen Türen getrotzt. Wir hielten uns an keine Verkehrregeln und Tischsitten. Da der Seniortester sich des öfteren fragte, was eine Digitalkamera in seinem Essen zu suchen hat, er aber kein Internet besitzt und der Junior ihm den Sinn eines Bogs schwer begreiflich machen konnte, werden hiermit die kulinarischen Visionen von 130 Jahren abgeschlossen und per Post nach Graz geschickt. Ich verspreche etwaige Anmerkungen vom Senior-Tester noch nachzureichen. Und wie ich ihn kenne, wird es einiges geben.