Wer hat uns die Suppe eingebrockt?

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Wer hat uns diese Suppe eingebrockt? In erster Linie meine Augen, die diese Artikel an einem Tag inhalierten, dann mein Hirn, das die Impulse dazu gab und wohl auch die Journalisten, die das Weltgeschehen in Headlines formten.  Und wohl auch den Verursachern all dieser Neuigkeiten …

Für die Suppe schäle man die fünf Karotten, die halbe Sellerieknolle, putze den Lauch und schneide die grünen Enden ab. Zwei Zwiebeln brennen dazu in einer beschichteten Pfanne an der halbierten Unterseite an. Der entscheidende Moment ist erreicht: im CD-Player schlagen ABS Zeilen

und in einem großen Topf kocht Wasser. Als Zugabe reichern die Schalen und Abschnitte des Gemüses im Wasser, ein Kilo Rindfleisch im Ganzen, Salz, Pfeffer, zwei Lorbeerblätter, die Zwiebel samt Schale, Knoblauch und Chilipulver. Ab und zu den Schaum abschöpfen oder alternativ Eierschalen dazugeben – die gemäß eines sehr guten Freundes die Schaumbildung unterbinden. Mit dem weichgekochten Fleisch an der Hand und der eingekochten Suppe werden die geschmackbringenden Schalen herausgefischt und vor uns steht eine feine Rindssuppe:

Dazu passen verschiedene Einlagen, vor allem aber das kleingeschnittene oben erwähne Gemüse langsam (was für ein blödes Füllwort) bissfest mitgekocht und im Falle absoluter Erholung ein Glas Saft. Und dazu hätte ich noch eine Schlagzeile, die meiner Suppe noch mehr Würze verleiht: Frankfurt isst Subba von Max Witzigmann, einem mehr oder weniger talentiertem Koch mit einigen Tipps für Rindssuppe.

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Eierschalen mit Knochen

„Willst du mich verarschen?“ schallte es durch die Sprechmuschel. „Nein, Rindfleisch und Knochen.“ Die 60 jährigen auftuppierten Verkäuferinnen des Metzgers ihres Vertrauens wussten Bescheid und packten vor ihren staunenden Augen die Knochen ein. Es ging um Rindssuppe und diese zieht ihren Geschmack unter anderem aus Knochen.  Die Knochen klapperten mit dem Rindfleisch im Sack als sie siegesgewiss nach Hause ging.

I lost my love in a hurricane“ hämmerte es durch die Küche, als es an die erste gemeinsame Rindssuppe der beiden ging. In der briefmarkengroßen Küche mit adäquatem Geschirr wurden die Elementarteilchen einer Rindssuppe auf zwei Töpfe verteilt:

–        Rindfleisch zum Kochen

–        Knochen

–        Schwarzwurzeln, Petersilie, Pastinaken, Sellerie, Lauch, halbierte Zwiebel in Schale, Karotten und Kohlrabi (einfach alle Gemüsesorten die ein Seepferdchen-Abzeichen oder ähnliches im Schwimmen hatten, wobei auch die vorgefertigten Suppengrün-Schwimmstaffeln aus dem Supermarkt ausreichend Potential besitzen)

–        Pfefferkörner, Salz,  Lorbeerblätter

Die gesamte Kompetenz wurde mit Wasser aufgegossen und mit Eierschalen gekrönt. Dabei hatte er noch den Satz von Mr. Föhni im Ohr „Eierschalen verhindern die Schaumbildung auf der Suppe.“ Ob Humbug oder Trugschluss, mit den tanzenden Eierschalen auf dem Rindermeer gingen die beiden hin und rollten die Rollos aller Fenster auf, damit sich all diese beschlugen und die Nachbarn Stoff zum Reden hatten.

In der Suppe liegt die Kraft für diesen Sonntag als sich beide an die Frittaten machten. 2 Eier, deren Schalen in der Suppe tanzten , 250 ml Milch, 125 g Mehl , Salz, Pfeffer und ein Strauch Petersilie nahmen in einem Meßbecher Kontakt mit dem Stabmixer auf und wurden technisch feinfühlig in der Menge ihrer Einzelteile  zu einer Mischung gedatet.

In einer beschichteten Pfanne wurde Öl ausgegossen und wieder in einer Tasse aufgefangen. Sie hatte den Schöpfer in der Hand und verteilte die Frittatenlösung mengengerecht in der Pfanne, schwenkte, wartete, wuchtete, loopte, wendete, fing auf, wartete und parkte die fertige Palatschinke auf einem Teller. Dann goß er das Öl aus der Tasse wieder in die Pfanne, sie verteilte, goß zurück und das komplette Prozedere wiederholte sich zwei Duzend Mal zu „Highheels“.

Fertig war die Chausse, die Frittaten in ungleichförmige Streifen geschnitten und die Suppe abgegossen. Das Gemüse wurde in mundgerechte Stücke geschnitten und der Suppe wieder geschenkt.

Der Rest ging den Weg alles weltlichen und landete im Müll.

Aus der Suppenküche wurde am ersten Abend allerfeinste Rindssuppe mit Gemüseeinlage und Frittaten in Kombination mit gekochtem Rindfleisch in  riesigen Schüsseln ausgeschenkt. Sollte das Gemüse nur mehr in semifester Konsistenz auftauchen, dann besteht noch immer die Möglichkeit frisches Gemüse in Stiften, Scheiben oder Quadern kurz mit zu kochen und knackig auf den Tisch zu bringen. So hatte es die Schwägerin in Perfektion demonstriert.

Gute Österreichische Küche wurde aus der Kombination am zweiten Abend zelebriert. Das gekochte Rindfleisch wurde aufgeschnitten mit Wurzelgemüse (Karotten, Sellerie und all ihre Freunde), Salzkartoffeln und einer fetten Brise Kren/Meerrettich aufgetischt.

Keine Knochenarbeit waren sich die beiden einig, als sie das Ergebnis verkosteten und den Rest einfroren.  Die Scheiben waren wieder klar und den Nachbarn wurden mit einem fetten, genussvollen Grinser zugeprostet. Gott, wie ich das liebe dachte der sich.

Ist da Pferd drinnen?

Im beruflichen Kleinteam spielen sich die größten Dramen und besten Komödien ab. Grundsätzlich sollte man berufliches und privates trennen; da das Leben allerdings keine Trennkost ist, fand sich mein berufliches Umfeld bereits zu diversen lukullischen Genüssen zusammen. Nach Raclette, BBQ, Thaicurry und tschechischen Antipasti, eingelegt in Becherovka, ging es nun daran österreichisch zu bewirten.

Das Menü bestand aus Käferbohnensalat mit Kürbiskernöl und einem Fiakergulasch. Zur musikalischen Untermalung bietet sich ein österreichischer Klassiker von Kurt Sowinetz an:

Sollten die Käferbohnen getrocknet sein, diese für 24 Stunden in Wasser einlegen und dann in Salzwasser kochen, bis diese bissfest sind. Die Käferbohnen mit Essig und reichlich Kernöl abmachen, Zwiebel und Knoblauch addieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Am besten als Vorspeise servieren.

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Für das Gulasch schneide man – wie in diesem Fall für acht Personen – zwei Kilo Zwiebel klein, bis die Augen leuchten wie Bremslichter. Man nehme die gleiche Menge Gulaschfleisch (egal ob Schwein, Kalb, Pferd oder Gnu, Hauptsache eine Sorte wegen der Kochzeit), tupfe sie trocken oder auch nicht und brate die in Würfel geschnittenen Stücke in reichlich Sonnenblumenöl in einem großen Topf an. Nach erfolgreicher Bräunung der Fleischstücke auf zumindest drei Seiten, werden diese zum chillen beiseite gelegt und die geschnittenen Zwiebeln nehmen ihren Platz im Topf ein. Die Zwiebel glasig dünsten, mit Paprikapulver, Knoblauch, Salz, Pfeffer, Chilli und geriebenen Kümmel in ausreichender Menge bekannt machen. Wie gesagt, hier wird für acht Personen groß aufgekocht, weshalb auch mit den Zutaten nicht zu sparen ist. Das Fleisch wieder zuführen und dann dünsten lassen, bis sich alles in Wohlgefallen und Gulasch zersetzt. Alternativ kann man auch noch ca. 1 Liter Rindssuppe ins Spiel nehmen und die Komposition ausdünnen. Dann wird es eher zu einer Suppe, wie in meinem Fall.

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In der Zwischenzeit hat man sich schon dem nächsten Bestandteil gewidmet: dem Serviettenknödel. Dazu eine Packung Toastbrotscheiben von der Rinde befreien und mit ca. 0,5 Liter warmer Milch für ca. 30 Minuten ruhen lassen. Gehackte Petersilie, Eier (ungefähr vier Stück), Salz, Pfeffer, Speck (bei Bedarf) und xxx einrühren und die ganze Masse zu einem Fest für die Finger werden lassen. Auf einer Klarsichtfolie wird der Patz dann zu einer Wurst aufgereiht – wer auch immer Zigaretten gedreht hat, ist hier von Vorteil – und an den Enden verschlossen. Darüber kommt noch eine Schicht Alufolie. Wem dies zu alternativ ist, kann den konservativen Weg nehmen und eine Serviette/Geschirrhangerl hernehmen. Das Kunstwerk in heißem Wasser für ca. 25 Minuten kochen bis die Konsistenz vom Halbflüssigen ins Feste übergegangen ist. Da ich diesen Moment nie erreicht habe, wurde in dieser Hinsicht von mir geschummelt: ich habe die Verpackung einfach aufgerissen und aus der langen Wurst kleine Knödeltaler geformt, die ich abgebraten serviert habe.

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Als weitere Beilage zum Fiakergulasch werden Wienerle/Frankfurter, Spiegeleier und Essiggurkerl gereicht. All dies macht ein herrliches Fiakergulasch aus. Wichtig ist, die Gurkerl aufzufächert. Dazu mache man aus einem zwei und schneide die Hälften in kleinen Abständen ein ohne sie ganz durchzusägen. Dann mit der flachen Hand aufdrücken und fächern.

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Passende Getränke: zur Vorspeise ein herrlicher Schilcher aus der Weststeiermark, zur Hauptspeise irgendein Bier, Hauptsache Bier und zum nicht vorhanden Dessert ein Schnaps oder Whisky zur Verdauung.

Dies war mein erstes Gulasch und einige Punkte sind festzuhalten:

  • beim Zwiebelschneiden kann man irgendwann nicht mehr weinen
  • dafür riecht man auch noch Tage danach nach Zwiebeln
  • nimm lieber zwei mittlere Töpfe, als einen großen, in dem du nie mehr umrühren kannst
  • addiere nur Suppe wenn du Suppe willst
  • Knödel muss ich noch üben
  • Ich habe noch immer nicht die Unkosten verrechnet
  • ja Lukas, man kann auch ein Pferd hineinschneiden; nur woher kriegen ist die Frage
  • ja ModeZampano, die Fotos sind noch immer Schrott

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