I fought the law …

Die Eroberung der Welt hatte länger gedauert als gedacht. So ging es nun nur mehr um die Eroberung der restlichen Fundstücke aus der Gemüse- und Fleischecke des Supermarktes. Die Kernarbeitszeitwar vorangeschritten und die Finger hatten die Tastatur nicht losgelassen. Nun war es aber an der Zeit jegliches menschliche Bedürfniss zu befriedigen.

Sie nahm den Karfiol, schnitt die einzelnen Röschen herunter und schmiss sie in kochendes Salzwasser. Nach einer Minute goss sie diese ab und erschreckte sie unter einem Strahl kalten Wassers. Er putzte den Feldsalat vulgo Vogerlsalat, warf in die Schüssel mit griechischen Schafskäse, Knoblauch und Paprika, ergoss einen Strahl steirischen Kürbiskernöls und Apfelessigs über die Meute und salzte, pfefferte und kräuterte, bis er sich den Aperitif verdient hatte.

Martini Bianco mit einem Eiswürfel und einem Spritzer Zitrone wusselte im Glas zu Mando Diao. Der Karfiol wechselte die Seite und wurde in einer Pfanne mit Salz, Pfeffer, Rosmarin und Olivenöl angebraten.

Die Minutensteaks, vergessene Zeitzeugen eines langen Einkaufstages, spazierten in die Pfanne und wurden geschmacklich durch die Grillmischung geimpft.

the law won! dachte er sich, während er versuchte die restlichen To Do Punkte des morgigen Tages aus den Gehirnwindungen zu jagen und das Salatblatt aufzuspießen.  Und wie schön die Frau sei, die gegenüber dem Minutensteak saß und aß.

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Ist da Pferd drinnen?

Im beruflichen Kleinteam spielen sich die größten Dramen und besten Komödien ab. Grundsätzlich sollte man berufliches und privates trennen; da das Leben allerdings keine Trennkost ist, fand sich mein berufliches Umfeld bereits zu diversen lukullischen Genüssen zusammen. Nach Raclette, BBQ, Thaicurry und tschechischen Antipasti, eingelegt in Becherovka, ging es nun daran österreichisch zu bewirten.

Das Menü bestand aus Käferbohnensalat mit Kürbiskernöl und einem Fiakergulasch. Zur musikalischen Untermalung bietet sich ein österreichischer Klassiker von Kurt Sowinetz an:

Sollten die Käferbohnen getrocknet sein, diese für 24 Stunden in Wasser einlegen und dann in Salzwasser kochen, bis diese bissfest sind. Die Käferbohnen mit Essig und reichlich Kernöl abmachen, Zwiebel und Knoblauch addieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Am besten als Vorspeise servieren.

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Für das Gulasch schneide man – wie in diesem Fall für acht Personen – zwei Kilo Zwiebel klein, bis die Augen leuchten wie Bremslichter. Man nehme die gleiche Menge Gulaschfleisch (egal ob Schwein, Kalb, Pferd oder Gnu, Hauptsache eine Sorte wegen der Kochzeit), tupfe sie trocken oder auch nicht und brate die in Würfel geschnittenen Stücke in reichlich Sonnenblumenöl in einem großen Topf an. Nach erfolgreicher Bräunung der Fleischstücke auf zumindest drei Seiten, werden diese zum chillen beiseite gelegt und die geschnittenen Zwiebeln nehmen ihren Platz im Topf ein. Die Zwiebel glasig dünsten, mit Paprikapulver, Knoblauch, Salz, Pfeffer, Chilli und geriebenen Kümmel in ausreichender Menge bekannt machen. Wie gesagt, hier wird für acht Personen groß aufgekocht, weshalb auch mit den Zutaten nicht zu sparen ist. Das Fleisch wieder zuführen und dann dünsten lassen, bis sich alles in Wohlgefallen und Gulasch zersetzt. Alternativ kann man auch noch ca. 1 Liter Rindssuppe ins Spiel nehmen und die Komposition ausdünnen. Dann wird es eher zu einer Suppe, wie in meinem Fall.

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In der Zwischenzeit hat man sich schon dem nächsten Bestandteil gewidmet: dem Serviettenknödel. Dazu eine Packung Toastbrotscheiben von der Rinde befreien und mit ca. 0,5 Liter warmer Milch für ca. 30 Minuten ruhen lassen. Gehackte Petersilie, Eier (ungefähr vier Stück), Salz, Pfeffer, Speck (bei Bedarf) und xxx einrühren und die ganze Masse zu einem Fest für die Finger werden lassen. Auf einer Klarsichtfolie wird der Patz dann zu einer Wurst aufgereiht – wer auch immer Zigaretten gedreht hat, ist hier von Vorteil – und an den Enden verschlossen. Darüber kommt noch eine Schicht Alufolie. Wem dies zu alternativ ist, kann den konservativen Weg nehmen und eine Serviette/Geschirrhangerl hernehmen. Das Kunstwerk in heißem Wasser für ca. 25 Minuten kochen bis die Konsistenz vom Halbflüssigen ins Feste übergegangen ist. Da ich diesen Moment nie erreicht habe, wurde in dieser Hinsicht von mir geschummelt: ich habe die Verpackung einfach aufgerissen und aus der langen Wurst kleine Knödeltaler geformt, die ich abgebraten serviert habe.

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Als weitere Beilage zum Fiakergulasch werden Wienerle/Frankfurter, Spiegeleier und Essiggurkerl gereicht. All dies macht ein herrliches Fiakergulasch aus. Wichtig ist, die Gurkerl aufzufächert. Dazu mache man aus einem zwei und schneide die Hälften in kleinen Abständen ein ohne sie ganz durchzusägen. Dann mit der flachen Hand aufdrücken und fächern.

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Passende Getränke: zur Vorspeise ein herrlicher Schilcher aus der Weststeiermark, zur Hauptspeise irgendein Bier, Hauptsache Bier und zum nicht vorhanden Dessert ein Schnaps oder Whisky zur Verdauung.

Dies war mein erstes Gulasch und einige Punkte sind festzuhalten:

  • beim Zwiebelschneiden kann man irgendwann nicht mehr weinen
  • dafür riecht man auch noch Tage danach nach Zwiebeln
  • nimm lieber zwei mittlere Töpfe, als einen großen, in dem du nie mehr umrühren kannst
  • addiere nur Suppe wenn du Suppe willst
  • Knödel muss ich noch üben
  • Ich habe noch immer nicht die Unkosten verrechnet
  • ja Lukas, man kann auch ein Pferd hineinschneiden; nur woher kriegen ist die Frage
  • ja ModeZampano, die Fotos sind noch immer Schrott

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130 Jahre Erfahrung – Vision 2.0

26. Dezember, Ausflug in die Weststeiermark – Heimat des Schilchers, Kürbiskernöls und der österreichischen Lippizaner – um in Deutschlandsberg das Kiamobile der Testcrew zu entern.  Mit dabei wieder einmal großer Hunger und die Erkenntnis, dass öffentliche Verkehrmittel nervtötend sind.

Im tiefwinterlichen Umfeld wurde das Kiamobile vor dem Gasthof Klapsch, vulgo Steinwand-Weber in mehreren Versuchen geparkt.  Das Gasthaus Klapsch ist noch ein Vertreter der alten Sorte: ein Vorraum für Raucher und Spiegeltrinker, Sturm Graz und Bayern München Fans, ein riesiger kitschiger Speisesaal für Hochzeiten und Beerdigungen sowie Speisen, so groß, dass man ganze Dörfer in Afrika davon ernähren könnte.

Hatte ich schon bemäkelt, dass die Lieblingszutat des durchschnittlichen Deutschen Rahm ist – egal ob Vor-, Hauptspeise, Dessert, Früstück oder Kaffee – wurde die Theorie mit einer Schilcherrahmsuppe an diesem Tag als Vorspeise ad absurdum geführt. Rahmsuppen haben auch in der Steiermark eine virale Ausbreitung erfahren.

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Zum Hauptgang speiste Tester sr. eine gegrillte Hendlbrust samt Reis und grünem Sslat. Wichtig für ein derartiges Landgasthaus ist die Dekoration und der Pfirsich (in memoriam des guten alten „Putenschnitzel Hawaii“):

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Tester jr. attakierte den Grillteller, der folgende Bestandteile zusammentrommelte: Puten-, Schweins- und Rindschnitzerl, Wienerle (damit auch alle wissen, was ich meine, anbei das Foto), Speck, Chillischote, Pfirsich mit Preiselbeerfüllung, Kräuterbutter, ein Kilo Pommes und genausoviel Tiefkühlgemüse.

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Das ganze ist handwerklich perfekt gemacht, wird aber in Dimensionen geliefert, als ob es sich um die letzte Mahlzeit vor dem Weltuntergang handelt. Nach einem leckeren Landkaffee und dem Austausch von Dorftratsch bestiegen die zwei Tester wieder das Kiamobil, mit folgender Bewertung auf den Lippen:  das Kernölbarometer für guten Geschmack liefert 8/10, das Servicebarometer (außer Konkurrenz, da einmalig individuell und persönlich ) 7/10. Den Kaffee kann man getrost auslassen, über denn Dekorationskitsch sollte man hinwegsehen, vorbeischauen und speisen kann man alle Mal.

Passende Musik: