Karotte Aggro Dinkelburger in Moloko Geschwindigkeit

Der Tipp kam aus einer sicheren familiären Quelle: Dinkelburger aus dem Reformhaus seien fein. Mit einem Handgriff waren die Dinger geshoppt und im Küchenschrank verstaubt.  Das änderte nichts an der Tatsache, dass er an einem sturmfreien Abend die Dinger entdeckte und aus ihrer Schachtel befreite. Man brauchte nicht viel dazu und konnte es bequem zu einem schwungvollen Lied schaffen:

Die Karotten wurden gestrippt und zu einem heißen Wasserbad eingeladen. Er rührte eine Salatsauce aus dem Saft einer Zitrone, ein bisschen von deren feingeraspelter Haut, Salz, Pfeffer, Petersilie, Knoblauch, einen Spritzer Honig sowie weißen Balsamico, einen Schuss Öl und Dijon Senf. All dies verdrehte er mit einer Gabel zum fröhlichen Tanz in den Mai und schnitt die Karotten scheibchenweise dazu. Die Wasserquelle kochte und die die Zutaten der Dinkelburger wurde untergemengt und ziehen gelassen. Nach der Freude voller Quellen erhitzte er in einer Pfanne Butterschmalz und briet die – laut Packungsbeilage 6 bis 12 Stück – hand- und liebegeformten Dinkelburger beitseitig an. Ergebnissuchend schmatzte er die Kiste vor sich und las aufgeregt die Tipps zur Verfeinerung von Dinkelburgern.  Wo er so las, saß und die Backen voller Dinkel blies wurde seine Zunge Aggro und hatte einen Musikwunsch:

Immerhin stimmt ihn ihr Kommentar wieder friedlicher, als sie nach einer gehaltvollen Mittagspause voller Dinkel, die Burger ins Reich der Diäten schoss und aus dem kleinen kulinarischen Universum schloss.

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Fleischeslust in Tricolore

Satt, Schnaps, Schluss. Drei Worte die das Ende des Abends besiegeln sollten, aber nur ein paar Gin Tonics auf der Geburtstagsfeier eines Freundes auf den Plan riefen.

Er hat sich mit ihr auf einen kulinarischen Plan für 2010 verständigt, der besagte alles zu probieren und zu kochen, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Zu diesem kulinarischen Testballon hatte sich auch ein Freund gesellt, dessen Interessen parallel verliefen.

Philipp ergriff die Pute und brüstete sich damit in der Hälfte. Die Fülle aus griechischem Schafskäse, Speisetopfen, Salz, Pfeffer, Rosmarin und einem Mix aus dem unterschiedlichsten Gewürzen wurde in der Putenbrust verspachtelt – diese wurde in der Mitte mit einem scharfen Messer taschenförmig eingeschnitten – und mit Rosmarinstengel von Hans dem Rosmarin zusammengeheftet.

In einer heißen Pfanne Butterschmalz fand die Putenbrust ihre Bestimmung, wurde von allen Seiten angebraten und langsam – wenn nötig im vorgeheizten Backrohr – für einige Minuten durchgegart. In einer zweiten Pfanne ließ er Paprika Tricolore in Streifen aufsalutieren und mit Knoblauch in Olivenöl anbraten.

Als Unterlage der Pute mischte Philipp grüne Salatnester mit einer  Sauce aus Orangensaft, weißem Balsamico, etwas ÖL, Salz und Pfeffer, trapierte das Duett auf mehreren Tellern, verteilte die Paprikastreifen darüber und  richtete die in Scheiben geschnittene Putenbrust als Gipfelsturm des Genusses an.

Der erste Gang hatte die Touren mit einem passenden Weißwein bereits beschleunigt und während Philipp die Schellacks herausholte und den Plattenspieler mit einem kurzen Word Up auf die Rillen brachte hatte er schon Fleisch in den Händen …

130 Jahre Erfahrung – Visionen 3.0

Nach einem Tag im steirischen Outback, wurde am 27. Dezember wieder in der Landeshauptstadt Graz gespeist.  Die Auswahl beschränkte sich auf das Basisangebot, weshalb ein Kreuzer der Grossauer-Imperiums (Grazer Gastronom, der ebenfalls Göser Bräu und Restaurant am Schloßberg besitzt) von den Testern geentert wurde: das Glöckl Bräu im Bermudadreieck.

Als Starter wurde  ein gemischter Salat geordert, schön in der Aufmachung, geschmacklos im Abgang.

glockl_salat

Die Hauptspeisen bestritten auf Seiten der Erfahrung des Alters ein „Zander auf Fenchelpüree“ und auf Seiten des jugendlichen Leichtsinns eine kroatische Portion „Cevapcici“. Während man an der Cevapcici nichts aussetzen konnte, außer das der Koch vom Würzen keine Ahnung hat und ein Grobmotoriker für die Zwiebel zuständig war,

glockl_cevapcici

hatte es der Zander an sich, oder besser gesagt unter sich. Serviert auf einer Anhäufung von Püree, das für ein komplettes Pflegeheim ausgereicht hätte, war der Zander auch von der Konsistenz und vom Geschmack her nicht von seiner Unterlage zu unterscheiden. Die gestalterische Komponente wurde durch Bremsspuren aus Balsamico und zwei Salatblättern farblich abgerundet.

glockl_zander

Passen dazu wurden weiße Mischung (für den geneigten Leser aus Deutschland: Weißweinschorle) und Saftmischgetränke verköstigt.

Auf der allseits beliebten kunlinarischen Kernölskala bekommt das Glöckl Bräu 2 von 10 Punkten und das Service 8/10. Man sollte wirklich kein Restaurant schlecht reden/schreiben, aber diese Lokalität empfiehlt sich wirklich nur, wenn auch die Altsteirische Schmankerlstube geschlossene Türen aufweist.

Passende Musik für ein Essen in diesem Lokal: