Drück dir ein Krügerl Bier ans Herz!

Semmelknödel mit Sauerkraut und Geselchtem [Anmerkungen der Redaktion: Kasseler auf Deutsch]. Mein Lieblingsgericht beim Martenilli auf der Leber. Ein Wirtshaus in der Nähe von Graz, in der Nähe meiner Kindheit und ganz weit entfernt von all dem, was wir heutigen öko-bio-Slowfood-Foodblogger-Streetfood-vegan-Foodporn-Terroir- Handcrafted-Affen leben.

Daran denke ich gerade, als ich unter meiner Küchenlampe sitze.

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Nicht, dass dies eine begeisternde Ausnahme ist. Aber sie ist Protagonist für die Blogparade von Dorothée zum Bloggeburtstag. Die Lampe stammt aus der Steiermark – Nähe Deutschlandsberg – und leuchtet weiß-grünes Licht. Auf dem Tisch darunter dampfen selbstgemachte Semmelknödel, Gesechltes und Sauerkraut.

  • Frittaten-, Lungenstrudel- oder Leberknödelsuppe
  • Wiener Schnitzel
  • Paris Schnitzel
  • Cordon Bleu
  • Geselchtes mit Kraut und Knödel
  • Bauernschmaus
  • Schweinsbraten
  • Gebackener Fisch
  • Bananenkuchen

Es ist wohl die erste schriftliche Ausformulierung der Speisekarte von Herrn Martinelli. Es gibt nämlich keine. Es gibt auch keine Getränkekarte. Wer nach den Weißweinen fragt, der kann zwischen Weiß- und Rotwein entscheiden. Wer vegetarisch möchte, isst eine Salat. Herr Martinelli betreibt hauptberuflich eine Landwirtschaft, hat Hände wie Schraubstöcke und sein Bauch läuft vorweg wie Mercedes-Stern. Nichts weniger, nichts mehr. Einfach geil.

Aber das ist meine Kindheit. Wirtshäuser in der ganzen Steiermark in den Teller nicht zum Anrichten, sondern zum Beladen mit Kilogrammen von Tiefkühlpommes und -gemüse genutzt wurden. Wo Köche nach ihr Ego am Revers trugen und nicht televisionär plattgebügelt waren. Eine Zeit ohne Knödelcarpaccio, Stücke vom Weiderind, Dreierlei Huch an Hach oder Kürbisrisotto mit Bärlauchkrokant. Wo Fusionsküche rein die Getränke betraf.

Nun denn. Lasst uns Hubert von Goisern lauschen

und Knödel formen. Für ca. 7 Knödel benötigt man folgende Zutaten:

  • Sonnenblumenöl
  • 100 g Zwiebel
  • 250 ml Milch
  • 250 g Knödelbrot
  • Salz
  • Petersilie, Majoran
  • 3 Eier

Zwiebel schälen und klein würfeln, im Öl goldig anbraten. Milch dazugeben und kurz aufkochen lassen. Knödelbrot in einer großen Schüssel versenken, Milch und Zwiebel dazugeben. Mit einem Kochlöffel gut durchrühren. Salzen und frische Petersilie sowie Majoran (ggf.) addieren. Auskühlen lassen, kurz was anderes machen. (Wie über die gute alte Zeit nachdenken.)

Die Eier reinwürfeln und alles gut durchkneten und zusammengepresst kurz ruhen lassen. Um im Anschluss mit nassen Händen Knödel mit 140 g Lebendgewicht zu formen. Kochendes Salzwasser kreieren und Knödel darin 15 Minuten lang kochen lassen. Mit Sauerkraut und Geselchtem anrichten. Dazu schmeckt Weißwein.

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Und damit ziehe ich auch den Hut vor Dorothée und 4 Jahren an der Foodblog-Front!

P.S.: Das Rezept läuft ebenfalls in der Rubrik ‚Kochen mit Kindern‘.

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4. Geburtstags-Blog-Event - Souvenirs in der Küche

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Annäherung an den Gärtopf – eine Bildergeschichte

Nachdem ich im ersten Blogbeitrag schon über meine Vorstellungen eines Restaurants schwadroniert habe, halte ich mich jetzt kürzer:

Ich liebe Essen fürs Auge. Essen muss überraschen. Viel zu oft serviert man dir den gleichen Schmu an Ideenlosigkeit – als Punk verkauft. Dann lieber Toast Hawaii mit einer verdammten Kirsche.

Für den http://www.RestaurantDay.org und DirtyDinnerBreak habe ich mit ,Verbrannte Zwiebelbutter an fermentiertem Herbst‘ alle mir bekannten Fähigkeiten – bis auf eine eine – verlassen und einen komplett neuen Weg eingeschlagen. Fermentieren interessierte mich schon immer, verbrennen konnte ich schon seit meiner Studentenzeit. Was lag also näher, als sich einen Gärtopf (http://steinzeug-schmitt.de/) zu besorgen.

Dazu passt ein wenig Musik

sowie ein Grüner Veltliner wie Missy Greenjeans.

Der fermentierte Herbst – eine Bildergeschichte

Für den herbstlichen Inhalt kaufe man:

  • 1 Blumenkohl
  • 1 Kilo Karotten
  • 2 Bund Radieschen
  • 1 Rettich
  • Gewürze
  • handvoll Pfefferkörner
  • 3 / 4 Lorbeerblätter
  • 25 g Salz pro Liter Wasser

Gemüse schneiden – Blumenkohl muss wohl nicht erklärt werden. Karotten je nach optischer Präferenz in Scheiben oder der Länge nach, Rettich und Radieschen scheiblieren. Das Gemüse im Gärtopf aufschichten. Aus Wasser, Pfefferkörnern, Lorbeerblättern und Salz einen Sud kochen und lauwarm auf das Gemüse füllen. Beschwerungssteine – nein keine Beschwerdensteine, die braucht man am 1. Mai – darauflegen und schauen, dass alles gut mit Flüßigkeit bedeckt ist.

Deckel drauf, alles gut verschließen und regelmäßig den Wasserstand kontrollieren. Nach zwei Wochen lockt die Neugierde und erweckt ein Fragezeichen in meinem Kopf. Ich habe noch nie fermentiertes Gemüse gegessen. Nur in meiner Fanatsie. Was erwartet mich?

Erste Geschmacksprobe ist positiv. Geiler salziger Teint nahe am Gemüsegeschmack, ein wenig die Gewürze. Nicht weich zersetzt, sondern angenehme Konsistenz. Einfach fett. Man sollte es öfter gären lassen!

DSC00882 DSC00951 DSC00952 DSC00953 DSC00954 DSC00957 DSC00960 DSC00961 DSC00965Gärtopfdirty dinner break @ restaurant day © vivi d'angelo (7)Für die ‚Verbrannte Zwiebelbutter‘ bereite man das Mise en Place wie folgt vor:

  • Sonnenblumenöl
  • 3 rote Zwiebeln
  • Salz, Peffer
  • 250 g Butter

1 Zwiebel schälen, in feine Streifen schneiden und auf Backpapier au einem Backblech verteilen. Grillfunktion des Herdes anschalten, allen Nachbarn noch einen letzten Guten Tag wünschen, bevor man für eine leichte Geruchsorgie sorgt. (Kann, muss aber nicht sein. Bei zwei Versuchen hatte rein der zweite das Vermehrte Auftreten von Zwiebelschwaden nach sich gezogen. Wie gesagt, dünn auflegen!) Sobald die Zwiebelscheiben komplett verbrannt sind (ca. 15 Minuten), herrausholen und in einem Möser zermahlen. Zur Seite stellen.

Die restlichen Zwiebel fein schneiden, Teelöffel Öl in einer Pfanne erhitzen und Zwiebel bei mittlerer Temperatur für ca. 25 Minuten dahinköcheln lassen. Gelegentlich umrühren, salzen und pfeffern. Die eingekochten Zwiebeln abkühlen lassen und mit der Butter verrühren.

Zum Anrichten die Zwiebelbutter portionieren und die verbrannten Zwiebel darüber streuen. Gemüse dazu anrichten und am besten mit Brot von http://siktwin.wordpress.com/ servieren.

Die Blume aus dem Gemeindebau

Ach was, Blume aus dem Gemeindebau. Schilcher, du bist die Rabiatperle aus der Weststeiermark. Hast so viel Säure, dass du die Mägen von Touristen zersetzt und am liebsten als Mischung mit Mineral oder Soda gestreckt verzehrt wirst. Jahrelang habe ich dich als Literware konsumiert, bis meine Harnsäurewert von selbst jeden neuen Sommerhit mittanzten.

Nun sitze ich 400 Kilometer von der Weststeiermark entfernt im Schilcherexil und schreibe ein paar Zeilen zu deinen Ehren. Nicht, dass es mir nicht immer Freude bereitet hätte, bei Weinverkostungen dich zu präsentieren und Reaktionen zu sammeln, wie andere Sticker für Paninihefterl. Ach, was hatten wir Spaß …s1

 

Aber die ernsthafte Betrachtung des Schilchers jenseits eines Todschlagarguments betreibe ich erst seit relativ kurzer Zeit, was rabiat schade ist, da man diesem Rosé einen Moment gönnen sollte. Angebaut in der Weststeiermark, liefert die Blaue-Wildbachertraube die Grundlage für den Schilcher. Die Rebsorte ist der wichtigste Lebensnerv der Weststeirer. Schilcher kennt man vor allem knochentrocken und säurebetont aber ebenso gut wird er halbtrocken und edelsüß vinifiziert. Sortentypischen Aromen sind meist Erdbeeren, Cassis, Himbeeren, Blutorangen oder roten Ribiseln. Eine mineralische Würze tritt hervor und es fehlt nicht an Wucht, Nerv und herzhafter Länge. Der Wein ist das Ergebnis einer schnellen Verarbeitung der Blauen Wildbachertraube.

Für die aktuelle Weinrallye von Annette habe ich zwei Winzer unterschiedlicher Couleur, um die Bandbreite aufzuzeigen. Domäne Müller ist einer der größeren Weingüter in der Weststeiermark und hat einige Lagen direkt unter der Burg Deutschlandsberg, wo auch der Liechtenstein Schicher 2013, Ried Burgegg, Deutschlandsberg angebaut wird.

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In der Nase zarte Noten von Himbeeren und Blaubeeren, feine Säure und Fruchtigkeit. Perfekt zu Jausen, kräftigen Speisen und Meeresgetier, oder als Appetizer im Sommer. Heute liefere ich dazu aber nur Stück Speck aus der Fleischerei Kollar aus Deutschlandsberg dazu. Fett!!!s2

Gerne stelle ich den Schilcher und Schilchersekt von http://www.strohmeier.at/seite-3.html als Alternative dazu – ein Winzer, der sich naturbelassener Weinen verschrieben hat und dabei sensationelle Weißweine – die kenne ich – produziert.

Der nächste Schritt? Jetzt dringend ein Achterl Schilcher, eine Scheibe Speck und dann singen wir alle gemeinsam …

Träumer

Viel zu oft fahren Ideen und Wünsche wie Züge im Kopf umher und verlaufen sich im Tunnelsystem deiner Gehirnwindungen. Was nach ein paar Bier, Gesprächen, Glückshormonausschüttungen gut klingt, verblasst viel zu oft zu einem Traum. Ach Kinders, ich könnte euch Geschichten erzählen von meinen Traumschlössern – heute wird es aber real!

Es freut es mich auch noch eine gewisse Zeit danach, dass Sabine, Katja, Michael und Dana und ich am 17. August den ersten Restaurant Day unseres Lebens umgesetzt haben. Die Freude strahlt noch umso intensiver, da die Idee des #Dirtybrunchbreaks fett eingeschlagen hat. Aber was soll ich euch bei den Broten von Sabine, den Torten von Katja und all den weiteren Köstlichkeiten noch sagen? Das haben schon andere, wie Annette, Sonya oder Kathrin gemacht

Das Sensationelle für mich am #Dirtybrunchbreak ist die Tatsache, in München eine kulinarische Veranstaltung umgesetzt zu haben – in der kompletten Anarchie der Ideen aller Protagonisten. Mit feinen Gästen und sensationellen Zutaten. In einer Stadt, die nicht gerade viel Platz für kulinarische Revolutionen lässt. Dies auch Dank Sebastian, der uns sein Kochstudio zur Verfügung gestellt hat!

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Göttliches Back- und Kuchenwerk und mein Beitrag? Ach, einerseits das altbekannte Gulasch mit viel Liebe, Semmelknödel, Wienerle und Gurkerl. Sowie eine ‚Bloody Mary Infusion‘, angerichtet mit eingelegten Tomaten und Paprika, Oliven und Brot als ‚Dirty Munich Break‘. Dazu lege man Olli Banjo auf die Lauscher und ein Rexglas in die Hand:

In das Rexglas kommen 6 bis 7 Kirschtormaten, zwei Pfefferkörner, 2 getrocknete Chilischoten und als Garnitur ein Buschen Basilikum. Mit dem Wodka deiner Wahl das Glas auffüllen und für drei Tage im Kühlschrank verschrauben und verstauen. Dann Basilikum entfernen und bis zu einer Woche weiter chillen lassen. In Gläsern oder Tassen servieren, eventuell noch mit einem Stück Stangensellerie als Kaustock garnieren.

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Eine viel begabtere Person hatte dazu noch einen besseren Vorschlag: Tomaten anritzen, in heißem Wasser für eine Minute kochen und kalt abschrecken. In einen Mixer mit dem Basilikum geben und pürieren. Die Masse durch einen Kaffeefilter oder ein Tuch Tropfen lassen und die Essenz mit dem Wodka ansetzen. Am End des #Restaurantdays ein spektakuläres Getränk ohne großen Aufwand, das aber die Endorphine purzeln lässt.

Und für alle Träumer unter euch gibt es noch einen Nachschlag um eure Gehirnwindungen frei zu machen für alle Pläne!! Der ‚Bacon Infused Vodka‘ hat sich zwar als optischer und geschmacklicher Fauxpas herausgestellt, befreit aber sicher irgendwas in dir. Und da dies ist auch mein Beitrag für das Blogevent ‚http://www.dinnerumacht.de/wir-kochen-mit-wodka/‘ da man ja nicht immer nur die gelungenen Rezepte posten und einreichen. Wir brauchen mehr Mut zur Häßlichkeit! Dazu schneidet man Speck auf und brät diesen auf Backpapier im Backrohr knusprig.

Speck im Rexglas mit Wodka versenken und ab in den Kühlschrank, dann im Tiefkühler versenken. Fettreste abschöpfen und öfters filtern (feines Sieb, Kaffeefilter, Strumpfhose, whatever). Am Ende des Tages ist mir die Sache zu intensiv, ich habe sie leider aber auch nicht mit Fillern wie Ginger Ale, Ingwerbier, Tomatensaft oder Almdudler probiert. Das solltet ihr unbedingt machen!

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Aus vielfachem Feedback heraus kann ich euch noch mitteilen, dass sich Whisky für die Infusion besser eignet als Wodka. Oder ihr macht es gleich ganz anders. So wie Jo bei seinem Whisky Sour oder diese junge Herr

Auf euer Wohl!!! Bis zu m nächsten Restaurant Day im November!

 

#kochenmitwodka

Das echte Leben kannst du nicht in Zentimetern messen!

Nun sitze ich mit erhobenen Zeigefinger inmitten meines Wutbürger-Dilemmas, habe noch immer einen Kleckser Grün am Finger und mache mir Gedanken. Warum? Ich hatte meine Meinung in zwei konträre Richtungen laufen lassen, muss dies nun revidieren und dringend mit euch tanzen!

Vor einigen Tagen postete die deutsche Weinkönigin auf Facebook anlässlich des Titelgewinns der deutschen Nationalmannschaft. Ein Bild, auf dem sie samt ihrer zwei Assistentinnen / Prinzessinnen / Rebstockgöttinnen sich nackt zeigte. Naja, nackt bis zur Schulter, gefühlt wie ein früher Porno aus den 60igern, geschmacklich wie Toast Hawaii. An sich nichts negatives, eher der Versuch eines Social Media Managers lustig zu sein. Auf diesen Post folgte noch ein Beitrag unter dem Motto ‚Wein geht auch frech‘ indem die Arbeit mit diesem Bild gefeiert wird. Hach, was machen wir nicht alles, damit man uns gern hat und liked. Aus dieser Freizügigkeit entstand ein kurzes Gespräch via Twitter über Sinn und Sinnlichkeit des echten Lebens:

Twitta

Und nun sitze ich da mit meinem grünen Zeigefinger, habe langsam das Frösteln über die aktuellen Diskussion in Deutschland zu #Gauchogate. Meiner Meinung nach kannst du nicht immer biologisch, moralisch, vorzeigetechnisch und gesanglich vorzeig- und abbaubar sein – ab und zu ist Anarchie ein schöner Leitsatz. Und dabei solltest du das echte Leben nicht mit dem Zentimetermaß der Tugend messen. Du wirst daran scheitern!! Folglich reiche ich dem deutschen Weininstitut den Löffel voll Mangold-Risotto dar. Ihr kreiert eure eigene unfassbare Anarchie und das ist gut so. Echtes Leben und so. Und den geneigten Leser bitte ich nun zum Tanz um den Kochtopf.

Lasst uns an der Nase fassen, tanzen und kochen!

Dazu bitte die als Vorlage den Gaucho-Tanz abspielen und davor folgendes, vorbereitetes Kärtchen je nach Vorlieben ausfüllen und ausdrucken:

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So gehen die __________________, die __________________ gehen so, so gehen die __________________, die __________________ gehen so!!!

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Alternativ – und ich kann verstehen, dass nicht jeder das Lied gut findet – hier noch zwei musikalische Optionen für dieses Lied:

Am Ende des Tages ist doch ehrlicher, ästhetischer und netter, statt hinter dem Rücken seiner ungeliebten Völker / Menschen / Teams / etc,. zu feixen, lieber freizügig zu tanzen und zu singen.

Dazu schnappen wir uns den Kochlöffel als Taktstock. Dazu brauchen wir als Mise en Place für die kinderfreundliche Variante:

  • 300 bis 400 g Mangold
  • 2 Zucchini
  • Bund Petersilie
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Öl
  • 400 g Risottoreis
  • 1,15l Gemüsebrühe – (ohne Kinder: 1l Gemüsebrühe, ein Achterl Weißwein)
  • 100 g Parmesan
  • 50 g Butter

Im ersten Schritt sich an das Grünzeug wagen: Mangold, Zucchini und Petersilie waschen. Dem Mangold die groben Stiele wegschneiden und kleinschneiden – ungefähr ähnlich mit der Petersilie vorgehen und die Zucchini klein scheiblieren. In einem Topf reichlich Wasser salzen und aufkochen lassen. Zucchini und Mangold baden gehen lassen und nach einer Minute wieder herausholen, kalt abschrecken. 3/4 des Grünszeugs mitsamt der Petersilie in einen Mixer schmeißen und tanzen!

Zwiebel und Knoblauchzehe zum Tanz bitten (schälen und klein würfeln für alle Spaßbefreiten). Öl in einem breiten Topf erhitzen und Zwiebel und Knoblauch beifügen und weich dünsten. Reis an die Hand nehmen und eine Polonaise in den Topf veranstalten und unter ständigem Rühren in 3 Minuten glasig werden lassen. Den Wein – in unserem Fall heiße Gemüsebrühe – angießen und köcheln lassen, bis er / sie vaporisiert ist. Nach und nach die heiße Brühe angießen und unter ständigen Rühren für 25 Minuten immer wieder einkochen lassen bis der Reis gar ist.

Die gemixte Kräuterkombilation unter den Reis mischen, fünf Minuten die Komi zugedeckt ziehen lassen. Geriebenen Parmesan auf die Tanzfläche bieten und mit Butterflocken unterhebeln.

Restliches Gemüse als Garnierung verwenden, mit einem Foxtrott servieren.

 

Mangold Risotto Mangold Risotto

Mangold Risotto   Mangold Risotto

Passend zu diesem Mahl empfehle ich im echten Leben eine 1976er Avelsbacher-Hammerstein Riesling Auslese. Ein besonders heißer Herbst – so wurde mir erzählt – ließ die Erntehelfer in Bikini und Badehose auflaufen. In der Hoffnung auf einen dementsprechenden Herbst 2014 für die deutsche Weinkönigin hebe ich mein Glas, lecke den Finger ab und verliere mich in Anarchie.

Mein letzter Winter …

… war 2002 auf 2003 in Frankreich. Ich war dort zum Studieren. Man hatte mir auf der Uni gesagt, dass ich mein Studium nie schaffen würde, wenn ich nicht mindestens ein Jahr dort verbringe. Und es war ein geiler Winter, so mitten in den französischen Alpen in Grenoble. Jede Woche Neuschnee und die feinsten Abfahrten.

Ich bin Ski gefahren wie ein junger Gott, habe gelernt mit einem Kater in einer Tour-de-France Spitzkehre Schneeketten anzulegen, mit einem Hecktriebler aus den 80ern am Abgrund vorbei zu driften und am Ende meiner 19 Monate Studium ein’Oui‘ für meinen Magistertitel zu bekommen. Putain de merde, es war eine großartige Zeit und ich habe in Frankreich auch erst richtig zu kochen begonnen. Das Leben außer Haus ist so teuer, dass sich der durchschnittliche Student bei Freunden trifft, jeder bringt ein anderes Gericht mit und man sich so sehr betrinkt oder einraucht, dass man im Club kein Getränk mehr braucht sondern zwei Frauen um sich festzuhalten. Oh la la!

Das Essen entsprach nicht immer dem Bild, das man Frankreich gerne angedeihen lassen. Ich entsinne mich noch an angebrannte Fischstäbchen, Ratatouille aus der Dose und Roquefortpizza. Dafür hat mich dort die Neugierde gepackt, alles zu kosten, zu lernen und nachzumachen.

3 Jahre Bushcooks Kitchen - Blog-Event Winter-Soulfood

Und so komme ich auch zu diesem Rezept. Ein Teil der Familie meiner Frau lebt in Bonn und ich werde sicher noch in anderen Blogposts über selbstgemachte Eierlikörekstasen und Schwarzbeerschnapsbäder schreiben. Auch über Toasts, die Verteilerkreis heißen. Dieser handelt jedoch von einem Soulfood der anderen Art, dass sich bei uns zu einem Klassiker entwickelt hat: pikanter Nudelauflauf mit Apfelmus. Und mit diesem Rezept gratuliere ich auch Bushcook zum 3-jährigen Jubiläum!

Dazu lege man einen fetten Reggae aus Südfrankreich auf

und halte folgende Produkte parat:

  • 200 g Makkaroni
  • 1 Zwiebel
  • Butter
  • 600 g gemischtes Hackfleisch
  • Eine Dose Tomaten (man beachte die Querverbindung zu meiner französischen Einleitung)
  • Zimt / Muskatnuss
  • Weißwein (alternativ Suppe für alle jungen Eltern)
  • 3 Tassen Milch
  • Mehl
  • 3 Eier
  • Parmesan und Mozzarella
  • Apfelmus

Die Makkaroni nach Packungsangabe kochen. Zwiebel schälen und kleinhacken, in Butter goldbraun dünsten, Hackfleisch zufügen und nach ein paar schönen Minuten des Schmorrens, die Tomatendose öffnen und einrühren. Mit Salz, Pfeffer und Zimt abschmecken und das Glas Weißwein oder Brühe einmixen.

Für die Sauce die Milch erhitzen, aber nicht aufkochen lassen. In einem zweiten Topf 5 Esslöffel Butter zergehen lassen und das Mehl langsam – was auch immer das in deinem Fall bedeuten möge – beifügen und kurz Farbe nehmen lassen. Milch langsam rührend unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen und im Zweifel an herumschwimmenden Klümpchen den Stabmixer ein herzliches Mal bemühen. 5 bis 10 Minuten sanftes köcheln lassen und zum Abschluss zwei verquirlte Eier beimengen.

Backofen auf 200 °C vorheizen. Eine Backofenfeste Form buttern und die Hälfte der Makkaroni einfüllen. Mit der Hälfte des vorbereiteten Parmensan und Mozzarella bestreuen. Das dritte Ei und das Hackfleisch mischen und die Masse über die Makkaroni leeren. Dann die restlichen Makkaroni schichten, die Sauce drüberkippen und den restlichen Käse wie Frau Holle rieseln lassen.

Den Auflauf im Backofen ca. 45 Minuten backen und im Anschluss mit sehr viel Apfelmus und Munich Summer der Crew Ale servieren. Und Kinder, auch wenn ihr es mir nicht glaubt. Auflauf mit Apfelmus ist pures Soulfood – auch wenn die letzten Winter so beschissen waren wie nie zuvor.
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(Und eines Tages, weiß ich auch eine Kamera zu bedienen. Bis denn.)

Elementarteilchen

Man nehme seinen kompletten Mut zusammen und mixe. Naja, schütte Inhalte aus verschiedenen Flaschen zusammen  – aber dabei emanzipiert man sich besten von Shakern schwingenden Barkeepern, Experten ihres Genres und Verführer der Nacht. Man wird selbst zu einem. Naja, solange die Wirkung des Alkohols einsetzt und die Abstimmungsprobleme im ersten eigenen richtigen Drink seines Lebens übertaucht. Und man auf den Trichter kommt, dass die eigene Wohnung gar keinen Barhocker zum Anbieten hat. Dafür kann aber die Jogging-Hose auf TV-Niveau hängen.

Da ich mich sehr für lokale Spirituosen interessiere, geht der erste von mir auf diesem Blog veröffentlichte Drink auf dieser Ebene spazieren und nennt sich ‚Local Americano Hero‘:

  • 3 cl Els aus Monschau (oder jeder andere Wermut)
  • 4 cl Mondino (oder der Marktführer Campari, oder das was du zu Hause hast)
  • mit Sodawasser auffüllen

und mit einer Zitronenzeste (von einer Zitrone ein Stückerl Schale abschälen, nachdem man dieses heiß abgewaschen hat) besprühen.

Drink

Dazu werfe man Perlen vor die Säue

und frohlocke.

 

Wüllst an Wickel, Babo?

Meine Familiengeschichte reicht weit zurück und ist stark kulinarisch geprägt. Ich könnt stundenlang in Erinnerungen schwelgen, habe aber kaum Rezepte vorliegen. Davon zeugen meine Versuche den perfekten Weihnachtsbraten zu finden während ich meine ersten Weihnachtskekse im gleichen Backrohr bei 100°C niedrigtemperaturmäßig gare.

‚Ja warum denn nur?‘ könnte man sich da fragen. Ja, weil wir nie zu Hause gegessen haben. Also die Generationen vor meinem Vater mit Sicherheit, die konnten auch noch kochen. Mit seinem Geburtsjahr 1927 verlagerten sich die Interessen und wir verlagerten die Mittagstische gerne in die Gasthäuser von Graz und seiner Umgebung. Köche gab es viele und ich schwelgte in den Wundern der 89er und 90er: Toast oder Putenschnitzel Hawaii, Currygeschnetzeltes, Rouladen, Holstein-, oder Champignonrahmschnitzel und vieles mehr.

Nun konnte ich in zahlreichen Jahren, die ich selber in der Gastronomie einiges aufschnappen und verloren gegangenes Terrain aufholen, so dass ich passable den Kochlöffel schwinge. Aber eines hat immer gefehlt – die Inspiration aus einer anderen Generation.

Als ich zum ersten über http://www.OmaBella.com las, wusste ich, dass ich angekommen war. Adoptiert. Zwei neue Großmütter. ‚Sieh umwerfend aus. Besorg dir ein Outfit fürs Kochen, im Idealfall eines, das dich umwerfend aussehen lässt.‘ Was für ein Rat. Ich habe mir das Kochbuch der zwei Damen gekauft und bis zu diesem Event der entstaubten Klassiker nie daraus gekocht. Und mir auch kein neues Oufit gekauft. Schande über mich.

Krautwickel sollten es werden, nach einem Rezept des Kochbuchs von Oma & Bella. Weil mir das http://www.kartoffelkombinat.de einen kompletten Kohlkopf vor die Türe gestellt hat. Was im Winter kein Einzelfall ist.

Für die Zubereitung der ‚Wüllst an Wickel, Babo‘ Krautrouladen wuchte man sich ein paar Lieder von Action Bronson in den Gehörgang

und zähle seine Zutaten:

  • 1 Weißkohl
  • 500 g Hackfleisch
  • 100 g Reis / Perlemmer
  • 3 Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 Karotten
  • 1 rote Paprika
  • 1 Apfel
  • Pflanzenöl
  • 2 Eier
  • Tomatenmark / Samba Ollek
  • Salz / Pfeffer / Paprikapulver Edelsüß / Majoran
  • Mineralwasser

In einem ersten Schritt den Kohl entstrunken und mit einer Gabel penetrieren. In einem Topf mit kochendem Salzwasser versenken und kochen, bis es Blätter regnet. Die abfallenden Blätter sollten möglichst in einem geerntet werden und das Kohlwasser stelle man zur Seite.

Für die Füllung den Reis / den Perlemmer kochen und mit dem Hackfleisch mischen. Zwei Zwiebeln schälen und kleinhacken. In einem Topf mit Öl goldig bräunen und mit den Eiern der Mischung hinzufügen. Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Majoran sowie eine gehackte Knoblauchzehe unterheben und alles gut mischen. Mit einem Schuss Mineralwasser aufgießen.

Die letzte Zwiebel schälen. Zwiebel, Karotte und Paprika kleinhacken und mit Liebe in einer großen, tiefen Form versenken. Apfel schälen, zu kleine Kohlblätter raussuchen und beides kleinschneiden und in die Form einfügen. Die zweite Knoblauchzehe hacken, dazugeben und mit Salz, Pfeffer, Majoran und Paprikagewürz anreichern. Das Ensemble mit Kohlwasser bedecken.

Und dann kam der Moment, in dem ich gescheitert bin: ‚Einen EL der Füllung auf das untere Ende eines glatt ausgelegten Kohlblattes geben. Die Seiten über die Füllung falten und das Blatt aufrollen‘. Nein, der Mensch des 21. Jahrhunderts rollt Kohlrouladen, wie der Marlboro Cowboy seine Zigaretten oder Action Bronson seine Tüterl. Also Blatt hinlegen, Fülle der Länge nach in einem unteren Drittel verteilen, rollen und mit Liebe zuschlecken. Roulade 2.0. Rouladen für die junge Generation.

Die fertigen Rouladen eng nebeneinander in der Form aneinanderreihen und bei Bedarf mit Kohlwasser auffüllen, sodass die Roualden bis zur Hälfte schwimmen. Mit Alufolie bedecken und bei 200°C Umluft für 2 ¼ Stunden ins Backrohr. Nach ungefähr der Hälfte der Zeit bei Bedarf Kohlwasser nachgießen, mit einem fetten Löffel Samba Ollek schärfen und fett auftischen.

Am Ende des Tages sollten wir dem Gericht auch den jugendlichen Touch in Form eines Namen geben, den es verdient: Babo-Wickel! Damit können die heutigen Kinder weit mehr anfangen, als mit Krautrouladen. Und da ich aus Österreich komme, treibe ich die Kreativität auf die Spitze, wenn ich sage: Wüllst an Wickel, Babo!

Babo Wickel

Dazu passen perfekt ein derbes Kartoffelpüree oder gebratene Polentaschnitten und ein rassiger Morillon / Chardonnay vom Weingut Pichler-Schober aus der Steiermark. Und wie in diesem hervorragenden Bild zu sehen ein Fruchtklassiker als Salat: Chicorée mit frischen Mandarinen und einer Dijon-Senf-Vinaigrette.

Rhabarberlapapp oder die Vermessung meiner Kochwelt

Irgendwann – ich kann den Moment heute noch datieren – ereilte mich die Erkenntnis, dass Kochen mich kaum bis nicht entspannt. Ich habe 5 Jahre meines Lebens gekellnert und ich schätze, ich trage lieber Teller und Gläser und versuche Gästen noch ein Dessert einzureden.

Nun koche ich recht häufig und versuche dem Alltag durch verschiedene Inspirationen zu entfliehen. Dazu singe ich gerne laut, orientiere mich an Alfred Biolek und nicht an Rezepten. Dies geht so lange gut, bis ich backen muss. Es ist mir eine Tortur Sachen genau abzumessen, wiegen oder teilen. Ich bin scheitere an Gramm und Milliliter und koche normalerweise wie ein Maurer mit der Kelle. Der Roman ‚Die Vermessung der Welt‘ von Daniel Kehlmann  trifft die Sache eigentlich recht gut auf den Kopf. Die Geschichte handelt von zwei Naturwissenschaftlern aus Deutschland des 19 Jahrhunderts – Humboldt und Gauß. Ersterer durchquert die ganze Welt auf rustikale Art und Forscherweise, der zweite ist der Denker und zuhause gebliebende Mathematiker. Und ich bin wohl eher ein Koch-Humboldt.

Nun hatten wir Gäste (oder auch nicht), aber auf jeden Fall Rhabarber und den familiären Willen, zumindest einen Kuchen – die Tochter fängt in der Krippe an und verdammte Sch§$/&, was soll man zu künftigen Kindergeburtstagen mitbringen? – soweit zu beherrschen, dass ich nicht gleich im Anschluss ein Gin Tonic brauche.

Dazu lege man seinen Mittelfinger auf die Soundanlage und lasse The Broilers eintreten

und folgende Zutaten für

den Teig und die Streusel

  • 50 g Speisestärke
  • 175 g Weizenmehl 550
  • 1/2 Teelöffel Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 1 Eigelb (Eiweiss für die      Füllung aufbewahren)
  • 100 g weißer Rohrohrzucker
  • 150 g sehr weiche Butter

für die Topfenfüllung

  • 50 g Speisestärke
  • 250 g Milch
  • 80 g weißer Rohrohrzucker
  • 1 Vanilleschote
  • 250 g Topfen / Quark (20-40%)
  • 1 Eigelb
  • 2 Eiweiß
  • 1 Esslöffel Puderzucker

für die Fertigstellung

  • 40 g Vollkornbutterkekse,      zerbröselt
  • 500 g Rhabarber, geputzt      gewogen

Der Originalpost den ich nachkochte und eigentlich auch nicht das Original Original ist, vergisst dankeswerter Weise den ersten Schritt: Alle Zutaten für den Teig abwiegen und sich fragen, was man mit dem restlichen Backpulver aus dem Säckchen machen soll. Ist einem alle gewogen, dann alles in einer Schüssel mit dem Handmixer verarbeiten bis kleine Brösel entstehen.

Im Anschluss in einer runden Springform den Boden mit Backpapier auslegen und die Innenseite großzügig buttern. Mit dem Großteil der Brösel, den Boden und die Seitenwände formen. Also Brösel reinhauen und mit Fingern und Handballen entspannt gleichmäßig festdrücken, gerne höher an den Seitenwänden arbeiten und Springform sowie restliche Brösel im Kühlschrank entspannen lassen.

Dem Rhabarber die Fäden ziehen und in kleine Stücke schneiden, Backofen auf 200°C stellen.

Für die Füllung wieder die Welt vermessen. Dann die Speisestärke mit etwas Milch glatt rühren. Die restliche Milch wird in einem größeren Topf mit dem Zucker, einer ausgekratzten Vanilleschote und ihrem Mark aufgekocht, dann die Schote wieder herausgefischt. Die klebrige Speisestärke noch einmal gut umrühren und der Milch beifügen, kräftig rühren und nochmals aufkochen. In die dicke, puddingartige Masse den Topfen / Quark sowie das Eigelb darunter schlagen und alles laut Rezept einmal kurz aufwallen lassen, oder auch nicht. Von der Kochstelle nehmen und glücklich lächeln. Eiweiß und Puderzucker mit dem Mixer steif schlagen und mit einer Maurerkelle unter die Milch-Quark-Masse heben.

Die Füllung im Teigbett versenken, Rharbarberstücke darüberwürfeln – man kann anscheinend auch jede andere lustige Frucht nehmen – die restlichen Brösel je nach Lust und Laune einsetzen und das dämliche Lächeln nicht mehr aus seinem Gesicht kriegen.

Kuchen für 50 Minuten ins Rohr, dann noch ausgeschalten darin 10 Minuten chillen lassen. Mittelfinger nehmen, in die Mitte des Kuchens versenken, drehen und schmecken lassen! Dazu passt ein Kaffee oder ein Black Russian – je nach Kindergeburtstag.

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