Mein letzter Winter …

… war 2002 auf 2003 in Frankreich. Ich war dort zum Studieren. Man hatte mir auf der Uni gesagt, dass ich mein Studium nie schaffen würde, wenn ich nicht mindestens ein Jahr dort verbringe. Und es war ein geiler Winter, so mitten in den französischen Alpen in Grenoble. Jede Woche Neuschnee und die feinsten Abfahrten.

Ich bin Ski gefahren wie ein junger Gott, habe gelernt mit einem Kater in einer Tour-de-France Spitzkehre Schneeketten anzulegen, mit einem Hecktriebler aus den 80ern am Abgrund vorbei zu driften und am Ende meiner 19 Monate Studium ein’Oui‘ für meinen Magistertitel zu bekommen. Putain de merde, es war eine großartige Zeit und ich habe in Frankreich auch erst richtig zu kochen begonnen. Das Leben außer Haus ist so teuer, dass sich der durchschnittliche Student bei Freunden trifft, jeder bringt ein anderes Gericht mit und man sich so sehr betrinkt oder einraucht, dass man im Club kein Getränk mehr braucht sondern zwei Frauen um sich festzuhalten. Oh la la!

Das Essen entsprach nicht immer dem Bild, das man Frankreich gerne angedeihen lassen. Ich entsinne mich noch an angebrannte Fischstäbchen, Ratatouille aus der Dose und Roquefortpizza. Dafür hat mich dort die Neugierde gepackt, alles zu kosten, zu lernen und nachzumachen.

3 Jahre Bushcooks Kitchen - Blog-Event Winter-Soulfood

Und so komme ich auch zu diesem Rezept. Ein Teil der Familie meiner Frau lebt in Bonn und ich werde sicher noch in anderen Blogposts über selbstgemachte Eierlikörekstasen und Schwarzbeerschnapsbäder schreiben. Auch über Toasts, die Verteilerkreis heißen. Dieser handelt jedoch von einem Soulfood der anderen Art, dass sich bei uns zu einem Klassiker entwickelt hat: pikanter Nudelauflauf mit Apfelmus. Und mit diesem Rezept gratuliere ich auch Bushcook zum 3-jährigen Jubiläum!

Dazu lege man einen fetten Reggae aus Südfrankreich auf

und halte folgende Produkte parat:

  • 200 g Makkaroni
  • 1 Zwiebel
  • Butter
  • 600 g gemischtes Hackfleisch
  • Eine Dose Tomaten (man beachte die Querverbindung zu meiner französischen Einleitung)
  • Zimt / Muskatnuss
  • Weißwein (alternativ Suppe für alle jungen Eltern)
  • 3 Tassen Milch
  • Mehl
  • 3 Eier
  • Parmesan und Mozzarella
  • Apfelmus

Die Makkaroni nach Packungsangabe kochen. Zwiebel schälen und kleinhacken, in Butter goldbraun dünsten, Hackfleisch zufügen und nach ein paar schönen Minuten des Schmorrens, die Tomatendose öffnen und einrühren. Mit Salz, Pfeffer und Zimt abschmecken und das Glas Weißwein oder Brühe einmixen.

Für die Sauce die Milch erhitzen, aber nicht aufkochen lassen. In einem zweiten Topf 5 Esslöffel Butter zergehen lassen und das Mehl langsam – was auch immer das in deinem Fall bedeuten möge – beifügen und kurz Farbe nehmen lassen. Milch langsam rührend unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen und im Zweifel an herumschwimmenden Klümpchen den Stabmixer ein herzliches Mal bemühen. 5 bis 10 Minuten sanftes köcheln lassen und zum Abschluss zwei verquirlte Eier beimengen.

Backofen auf 200 °C vorheizen. Eine Backofenfeste Form buttern und die Hälfte der Makkaroni einfüllen. Mit der Hälfte des vorbereiteten Parmensan und Mozzarella bestreuen. Das dritte Ei und das Hackfleisch mischen und die Masse über die Makkaroni leeren. Dann die restlichen Makkaroni schichten, die Sauce drüberkippen und den restlichen Käse wie Frau Holle rieseln lassen.

Den Auflauf im Backofen ca. 45 Minuten backen und im Anschluss mit sehr viel Apfelmus und Munich Summer der Crew Ale servieren. Und Kinder, auch wenn ihr es mir nicht glaubt. Auflauf mit Apfelmus ist pures Soulfood – auch wenn die letzten Winter so beschissen waren wie nie zuvor.
apfelmus

(Und eines Tages, weiß ich auch eine Kamera zu bedienen. Bis denn.)

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3 Gedanken zu “Mein letzter Winter …

  1. Ich bin ja ein Frankreich Bessenener und gleichzeitig Geschädigter. Einmal durfte ich mich für schlendernde vier Tage durch Paris stolzieren. Im sechsten Stock des Hotels Central waren wir untergebracht. Die Huldigung, endlich das Zimmer ohne Lift zu erreichen, ward geborgen, in einem kleinen artikulierten „Jep!“, begleitet von der erlösenden Hingabe an das Bett mit der nicht erwarteten Reaktion desselben, sich von seinen Stützpfeilern zu befreien. Angemerkt sei noch, dass die Toilettensituation besser war, als die Duschmöglichkeit. Erstere war im vierten Stock, und wenn nicht verschlossen, doch erreichbar. Zweitverwertung war zwar im dritten Stock, jedoch musste dafür der Schlüssel immer an der Rezeption abgeholt werden. Fitness auf höchstem Niveau. Aber nun zum Essen. Paris bringt hohes Essen auf noch besseren Preisetablissement. Gegessen haben wir. Wohl auch genug, sonst könnte ich nichts anmerken. Gestolpert, fast hineingefallen, sind wir in eine Kleine Markthalle. Fisch, Käse, Wurst und das untermalende Gemüse waren dort. Aber dann, der Tante Emma-Laden. Und der heißt wirklich so. Deutsches Kraut, deutscher Pudding, deutsches Bier. Und ein Franzose, der mich offenbar schätze. Bot er mir nicht eine doppelte Portion Currywurst an. Deutsche Bratwurst mit sinngebender Paste obendrauf. Da lob ich mich ein Bosnier. Ich hab’s nicht genossen, aber überlebt. Und würde jedem anraten, diese Erfahrung auch zu genießen.

  2. Den Auflauf kann ich mir zwar gut vorstellen, aber ehrlich gesagt nicht mit Apfelmus – also hab ich keine andere Wahl als es zu testen. 😉

    Und nun warte ich gespannt auf Eierlikörekstasen und Schwarzbeerschnapsbäder … 🙂

  3. Lieber Heimo,

    ich kann mir das VORSTELLEN. Wer mit Kartoffelpuffer und Apfelmus aufgewachsen ist, kriegt auch das hin. Vielen Dank für Deinen witzigen Beitrag und ich freue mich sehr, dass Du dabei bist.

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