Wüllst an Wickel, Babo?

Meine Familiengeschichte reicht weit zurück und ist stark kulinarisch geprägt. Ich könnt stundenlang in Erinnerungen schwelgen, habe aber kaum Rezepte vorliegen. Davon zeugen meine Versuche den perfekten Weihnachtsbraten zu finden während ich meine ersten Weihnachtskekse im gleichen Backrohr bei 100°C niedrigtemperaturmäßig gare.

‚Ja warum denn nur?‘ könnte man sich da fragen. Ja, weil wir nie zu Hause gegessen haben. Also die Generationen vor meinem Vater mit Sicherheit, die konnten auch noch kochen. Mit seinem Geburtsjahr 1927 verlagerten sich die Interessen und wir verlagerten die Mittagstische gerne in die Gasthäuser von Graz und seiner Umgebung. Köche gab es viele und ich schwelgte in den Wundern der 89er und 90er: Toast oder Putenschnitzel Hawaii, Currygeschnetzeltes, Rouladen, Holstein-, oder Champignonrahmschnitzel und vieles mehr.

Nun konnte ich in zahlreichen Jahren, die ich selber in der Gastronomie einiges aufschnappen und verloren gegangenes Terrain aufholen, so dass ich passable den Kochlöffel schwinge. Aber eines hat immer gefehlt – die Inspiration aus einer anderen Generation.

Als ich zum ersten über http://www.OmaBella.com las, wusste ich, dass ich angekommen war. Adoptiert. Zwei neue Großmütter. ‚Sieh umwerfend aus. Besorg dir ein Outfit fürs Kochen, im Idealfall eines, das dich umwerfend aussehen lässt.‘ Was für ein Rat. Ich habe mir das Kochbuch der zwei Damen gekauft und bis zu diesem Event der entstaubten Klassiker nie daraus gekocht. Und mir auch kein neues Oufit gekauft. Schande über mich.

Krautwickel sollten es werden, nach einem Rezept des Kochbuchs von Oma & Bella. Weil mir das http://www.kartoffelkombinat.de einen kompletten Kohlkopf vor die Türe gestellt hat. Was im Winter kein Einzelfall ist.

Für die Zubereitung der ‚Wüllst an Wickel, Babo‘ Krautrouladen wuchte man sich ein paar Lieder von Action Bronson in den Gehörgang

und zähle seine Zutaten:

  • 1 Weißkohl
  • 500 g Hackfleisch
  • 100 g Reis / Perlemmer
  • 3 Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 Karotten
  • 1 rote Paprika
  • 1 Apfel
  • Pflanzenöl
  • 2 Eier
  • Tomatenmark / Samba Ollek
  • Salz / Pfeffer / Paprikapulver Edelsüß / Majoran
  • Mineralwasser

In einem ersten Schritt den Kohl entstrunken und mit einer Gabel penetrieren. In einem Topf mit kochendem Salzwasser versenken und kochen, bis es Blätter regnet. Die abfallenden Blätter sollten möglichst in einem geerntet werden und das Kohlwasser stelle man zur Seite.

Für die Füllung den Reis / den Perlemmer kochen und mit dem Hackfleisch mischen. Zwei Zwiebeln schälen und kleinhacken. In einem Topf mit Öl goldig bräunen und mit den Eiern der Mischung hinzufügen. Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Majoran sowie eine gehackte Knoblauchzehe unterheben und alles gut mischen. Mit einem Schuss Mineralwasser aufgießen.

Die letzte Zwiebel schälen. Zwiebel, Karotte und Paprika kleinhacken und mit Liebe in einer großen, tiefen Form versenken. Apfel schälen, zu kleine Kohlblätter raussuchen und beides kleinschneiden und in die Form einfügen. Die zweite Knoblauchzehe hacken, dazugeben und mit Salz, Pfeffer, Majoran und Paprikagewürz anreichern. Das Ensemble mit Kohlwasser bedecken.

Und dann kam der Moment, in dem ich gescheitert bin: ‚Einen EL der Füllung auf das untere Ende eines glatt ausgelegten Kohlblattes geben. Die Seiten über die Füllung falten und das Blatt aufrollen‘. Nein, der Mensch des 21. Jahrhunderts rollt Kohlrouladen, wie der Marlboro Cowboy seine Zigaretten oder Action Bronson seine Tüterl. Also Blatt hinlegen, Fülle der Länge nach in einem unteren Drittel verteilen, rollen und mit Liebe zuschlecken. Roulade 2.0. Rouladen für die junge Generation.

Die fertigen Rouladen eng nebeneinander in der Form aneinanderreihen und bei Bedarf mit Kohlwasser auffüllen, sodass die Roualden bis zur Hälfte schwimmen. Mit Alufolie bedecken und bei 200°C Umluft für 2 ¼ Stunden ins Backrohr. Nach ungefähr der Hälfte der Zeit bei Bedarf Kohlwasser nachgießen, mit einem fetten Löffel Samba Ollek schärfen und fett auftischen.

Am Ende des Tages sollten wir dem Gericht auch den jugendlichen Touch in Form eines Namen geben, den es verdient: Babo-Wickel! Damit können die heutigen Kinder weit mehr anfangen, als mit Krautrouladen. Und da ich aus Österreich komme, treibe ich die Kreativität auf die Spitze, wenn ich sage: Wüllst an Wickel, Babo!

Babo Wickel

Dazu passen perfekt ein derbes Kartoffelpüree oder gebratene Polentaschnitten und ein rassiger Morillon / Chardonnay vom Weingut Pichler-Schober aus der Steiermark. Und wie in diesem hervorragenden Bild zu sehen ein Fruchtklassiker als Salat: Chicorée mit frischen Mandarinen und einer Dijon-Senf-Vinaigrette.

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