Euer Brei ist nicht mein Brei!

Meinen letzten Maisbrei habe ich im Juli 2011 genossen. In Bukarest, ein letztes Mal nach 11 Tagen Maisbrei. Es war die Hochzeit von sehr guten Freunden, die uns nach Rumänien fliegen ließen. Der erste kulinarische Kontakt mit Maisbrei erfolgte auf der Hochzeitstafel. Geistig umnachtet vom Alkohol, der Romantik des Tages und einer ein Meter langen Kerze, die ich während der einstündigen Zeremonie in meiner rechten Hand balancierte, lümmelte ich mir meine Portion als folkloristische Höchstleistung hinein.

Dann ging die Reise los – mit 10 Franzosen, Florin, dem ehemaligen Chauffeur des gestürzten Diktators Ceausescu, einem verwirrten Fremdenführer aus der Hölle und einer Kiste Champagner in einem Kleinreisebus. Franzosen reisen nie ohne.in acht Tagen durch Rumänien und zurück – rauf in den Norden, dann in den Osten und zum Abschluss in den Süden.

Um die Reise möglichst günstig für alle Beteiligten zu halten, wurden die Quartiere abseits jeglicher gängiger Menschensiedlungen angefahren. Es brauchte einige Tage bis mit dies bewusst wurde, bis dahin hielt ich es noch für wild romantisch und verschob das Feierabend-Gin Tonic einfach auf den nächsten Abend. Dabei begleitete mich auch jeden Abend eine köstliche Portion Mamaliga (sorry, dass ich die ganzen richtigen Satzzeichen auslasse) – das sich sehr gut mit allem in Rumänien kombinieren lässt. Fisch, Fleisch, Salat, Gemüse, Mamaliga, alles passt zu Mamaliga.

Der Knopf ging mir in der Nähe von Bran auf. Nach fünf Stunden gemeinsamer Busfahrt durchquerten wir die letzten Zeichen an Zivilisation bevor wir bei einer Jugendherberge den Anker warfen. Ja, es war Sommer, aber in den Bergen hatte es gegen Abend knapp 10 Grad und mein Mamaliga wurde auf der Terrasse kalt, bevor ich auf ihn heiß werden konnte. Drinnen durften wir nicht speisen, da die lokalen Vorausscheidungen im Jugend-Bridge stattfanden und alle Räume besetzt waren. An diesem Abend erfror die Romantik in mir und ich hatte die Freude an Maisbrei verloren. Ich schummelte mich unter die Jugendlichen, trank drei Gin Tonic, wurde als Fremder erkannt und nach draußen verbannt.

Seit dieser Reise habe ich mit Maisbrei gebrochen, hatte einen sensationellen Overflow.

Schärfe

Nun ist es zwei Jahre her und meine einjährige Tochter verlangt nach Überraschungen auf dem Tellerchen. Folglich testete ich meine innere Reaktion auf die Maispampe und erinnerte mich an eine Küchenkatastrophe aus grauer Lebensvorzeit. Ein guter Freund und Koch hatte mich für einen Abend mit ‚Lammkarre in Balsamicozwiebeljus und Polenta-Spinat-Turm‘ beraten und ins Verderben geschickt. Alle drei Zutaten für mehrere Personen gleichzeitig anzurichten, erwies sich als Überforderung deluxe. Aber dieser Turm blieb mir in Erinnerung.

Zum Bauen von Türmen nimmt man die Giganten des Britpops zur Hilfe

und hält folgende Zutaten parat:

  • 250 g Polenta / Maisbrei / Mamaliga
  • 20 g Butter
  • Salz
  • 1 Küchentuch
  • 1 Butternußkürbis
  • Olivenöl
  • Salz / Pfeffer
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 Chilischote
  • 1 Joghurt
  • Schnittlauch

1l Wasser zum Kochen bringen, Butter und Salz beimengen und an Rumänien denken. Sobald das Wasser kocht, Polenta unterheben und bei geringer Hitze für 20 Minuten quellen lassen. Fertige Polenta in ein Tuch wickeln und rollen, so dass eine ‚Wurst‘ entsteht, die später in Scheiben geschnitten werden kann.

Den Kürbis entstrunken, halbieren, schälen und die Kerne entfernen. Das orange Ding in Scheiben schneiden und in einer Schüssel mit dem Öl vermengen. Da für ein Kleinkind habe ich ohne weitere Gewürze gearbeitet – hier darf aber alles was Spaß macht eingesetzt werden. Rosmarin, Knoblauch, Chili, Honig, etc. Den Kürbis auf einem Backblech verteilen und bei 200°C für ca. 25 Minuten ins Rohr.

Polentascheiben in einer großen Pfanne anbraten und kurz in Knoblauch und Chili für Erwachsene wenden. Auf dem Teller Polenta- und Kürbisscheiben abwechselnd türmen, bis Gefahr für Leib und Leben herrscht. Dazu serviert man geschnitten Schnittlauch in Joghurt und einen Cabernet Sauvignon aus Rumänien.

türmen

Und stoße auf Florin an. Mit dem ich nie einen ganzen Satz sprach. Mein Rumänisch war dazu zu schlecht.

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Ein Gedanke zu “Euer Brei ist nicht mein Brei!

  1. Mamaliga leicht gemacht!
    Zwei kulinarische Säulen tragen die bäuerlichen Traditionsküche in Rumänien: das biologische Gold, aus Mangel an Pestiziden in auch am Horizont nicht enden wollenden Woazackern angebautes Grundgerüst breiiger Phantasien und eben solcher Phobien, und eine saure, manchmal an Abwaschwasser geruchsmäßig erinnernde Suppe, die erst mit viel Knoblauch genießbar wie auch walachische Klischees bedienende Erwartungen einlöst. Kurz und auf den Punkt gebracht, ohne Mamaliga und Ciorba de Burta geht gar nix. Maisbrei und Kuttelsuppe versprechen nicht nur Sättigung, sondern auch Heimatgefühl. Für den Steirer wäre diese Heimat in Gulasch und Puntigamer festzementiert.
    Nun, um diese zwei Säulen auch standfest zu halten, bedarf es im Umgang mit erwähnten Sättigungseinheiten einer weiteren Zutat, quasi das flüssige Fundament. Selbstgebranntes, ja natürlich 56 % Volumsprozent Alkohol, macht nicht nur den Nescafe morgens genießbar, sondern sind auch treue Begleiter zu etwaigen rumänisch-kulinarischen Heimatgefühlen. Mamaliga eben leicht gemacht.

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