Rhabarberlapapp oder die Vermessung meiner Kochwelt

Irgendwann – ich kann den Moment heute noch datieren – ereilte mich die Erkenntnis, dass Kochen mich kaum bis nicht entspannt. Ich habe 5 Jahre meines Lebens gekellnert und ich schätze, ich trage lieber Teller und Gläser und versuche Gästen noch ein Dessert einzureden.

Nun koche ich recht häufig und versuche dem Alltag durch verschiedene Inspirationen zu entfliehen. Dazu singe ich gerne laut, orientiere mich an Alfred Biolek und nicht an Rezepten. Dies geht so lange gut, bis ich backen muss. Es ist mir eine Tortur Sachen genau abzumessen, wiegen oder teilen. Ich bin scheitere an Gramm und Milliliter und koche normalerweise wie ein Maurer mit der Kelle. Der Roman ‚Die Vermessung der Welt‘ von Daniel Kehlmann  trifft die Sache eigentlich recht gut auf den Kopf. Die Geschichte handelt von zwei Naturwissenschaftlern aus Deutschland des 19 Jahrhunderts – Humboldt und Gauß. Ersterer durchquert die ganze Welt auf rustikale Art und Forscherweise, der zweite ist der Denker und zuhause gebliebende Mathematiker. Und ich bin wohl eher ein Koch-Humboldt.

Nun hatten wir Gäste (oder auch nicht), aber auf jeden Fall Rhabarber und den familiären Willen, zumindest einen Kuchen – die Tochter fängt in der Krippe an und verdammte Sch§$/&, was soll man zu künftigen Kindergeburtstagen mitbringen? – soweit zu beherrschen, dass ich nicht gleich im Anschluss ein Gin Tonic brauche.

Dazu lege man seinen Mittelfinger auf die Soundanlage und lasse The Broilers eintreten

und folgende Zutaten für

den Teig und die Streusel

  • 50 g Speisestärke
  • 175 g Weizenmehl 550
  • 1/2 Teelöffel Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 1 Eigelb (Eiweiss für die      Füllung aufbewahren)
  • 100 g weißer Rohrohrzucker
  • 150 g sehr weiche Butter

für die Topfenfüllung

  • 50 g Speisestärke
  • 250 g Milch
  • 80 g weißer Rohrohrzucker
  • 1 Vanilleschote
  • 250 g Topfen / Quark (20-40%)
  • 1 Eigelb
  • 2 Eiweiß
  • 1 Esslöffel Puderzucker

für die Fertigstellung

  • 40 g Vollkornbutterkekse,      zerbröselt
  • 500 g Rhabarber, geputzt      gewogen

Der Originalpost den ich nachkochte und eigentlich auch nicht das Original Original ist, vergisst dankeswerter Weise den ersten Schritt: Alle Zutaten für den Teig abwiegen und sich fragen, was man mit dem restlichen Backpulver aus dem Säckchen machen soll. Ist einem alle gewogen, dann alles in einer Schüssel mit dem Handmixer verarbeiten bis kleine Brösel entstehen.

Im Anschluss in einer runden Springform den Boden mit Backpapier auslegen und die Innenseite großzügig buttern. Mit dem Großteil der Brösel, den Boden und die Seitenwände formen. Also Brösel reinhauen und mit Fingern und Handballen entspannt gleichmäßig festdrücken, gerne höher an den Seitenwänden arbeiten und Springform sowie restliche Brösel im Kühlschrank entspannen lassen.

Dem Rhabarber die Fäden ziehen und in kleine Stücke schneiden, Backofen auf 200°C stellen.

Für die Füllung wieder die Welt vermessen. Dann die Speisestärke mit etwas Milch glatt rühren. Die restliche Milch wird in einem größeren Topf mit dem Zucker, einer ausgekratzten Vanilleschote und ihrem Mark aufgekocht, dann die Schote wieder herausgefischt. Die klebrige Speisestärke noch einmal gut umrühren und der Milch beifügen, kräftig rühren und nochmals aufkochen. In die dicke, puddingartige Masse den Topfen / Quark sowie das Eigelb darunter schlagen und alles laut Rezept einmal kurz aufwallen lassen, oder auch nicht. Von der Kochstelle nehmen und glücklich lächeln. Eiweiß und Puderzucker mit dem Mixer steif schlagen und mit einer Maurerkelle unter die Milch-Quark-Masse heben.

Die Füllung im Teigbett versenken, Rharbarberstücke darüberwürfeln – man kann anscheinend auch jede andere lustige Frucht nehmen – die restlichen Brösel je nach Lust und Laune einsetzen und das dämliche Lächeln nicht mehr aus seinem Gesicht kriegen.

Kuchen für 50 Minuten ins Rohr, dann noch ausgeschalten darin 10 Minuten chillen lassen. Mittelfinger nehmen, in die Mitte des Kuchens versenken, drehen und schmecken lassen! Dazu passt ein Kaffee oder ein Black Russian – je nach Kindergeburtstag.

Rhabarber (1)Rhabarber (2)

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2 Gedanken zu “Rhabarberlapapp oder die Vermessung meiner Kochwelt

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