Tomaten sind zum Werfen da, Tomatensuppe zum spucken.

Rauch eine und dann geh in aller Ruhe hinaus und bedien die Gäste freundlich. Lass sie erst mal Platz nehmen und dann san alle entspannter, als wenn du sofort losrennst.‘ Fünf Jahre Gamlitzer Weinstube haben mich als Person geprägt und zahlreiche Weisheiten und Unverschämtheiten mit auf den Weg gegeben. Auch wenn ich kein Kellner oder Wirt geworden bin, so kann ich meine innere Neigung kaum verbergen – besonders nicht bei schlechtem Service.

In dem gelungenem Artikel ‚Fremder König Gast‘ im Magazin Effilee (Ausgabe Herbst 2012) beschreibt Sebastian Bordthäuser seine Sicht des Gast-Service-Verhältnisses und nimmt dabei starken Bezug auf die steigende Bedeutung der Kulinarik in den Medien und im Internet:

Jeder schaut Food TV, dort wird nur mehr in Superlativen von Geschmacksexplosionen und Aromafeuerwerken gesprochen. Alle kochen scheinbar heute zu Hause, und jeder trägt das Erlernte irgendwann stolz in das nächste Restaurant. Der Gast mutiert zum Kritiker, es wird gebloggt, bewertet und geschrieben was das Zeug hält. Die permanente mediale Präsenz des Themas Essen bekommt mitunter pornografische Züge. Es wird nicht mehr selbst gevögelt, sondern geschaut, wie es die Profis machen. Und dann sitzt ein Gast im Restaurant, der verunsichert ist und sich irgendwie mehr vorgestellt hat, weil nichts im Mund explodiert.

Ich brauchte einige Wiederholungen und verstand die Argumente noch immer nicht. Ja, das Fernsehen hat mit Haubenköchen die Pornostars der über 30-Jährigen erschaffen. Aber das war nicht nur das Fernsehen, sondern auch die Lebensmittelindustrie und die Haubenküche selbst. Und selbst an einem Porno ist weder etwas schlechtes noch leidet das Liebesleben darunter. Spannend fand ich auch den Einwand der Kritik, die beim Bloggen, Bewerten und Schreiben beginnt. Das verstehe ich nicht – ich bin auch ohne Blog kritisch und die Betätigung des Bloggens macht aus mir noch keinen ‚Social Wutbürger‘. Aber Kritik darf geäußert werden, immerhin handelt es sich bei meinem Blog auch um meine ‚Klowand‘.

Aber hier geht es um Tomatensuppe. Ich habe eine sehr gute gemacht. Dazu benötigt man ein paar Vibes von Marina & the Diamonds

und folgende Zutaten:

–        500 g Tomaten

–        1 Stange Lauch

–        150 g Karotten

–        50 g Butter

–        2 Schalotten

–        1l Gemüsebrühe

Die Tomaten halbieren und entstrunken, den Lauchen in Scheiben und die Karotten in Stifte schneiden. Die Schalotten zerhacken. Lauch, Karotte und Schalloten in der Butter 10 Minuten andünsten und Tomaten zufügen. Mit der Brühe aufgießen und bei geschlossenem Deckel für 20 Minuten fahren lassen. Im Anschluss durch ein feines Sieb abseien und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Als Einlage passen verschiedene Käse, geröstetes Brot oder Shrimps und Speck. Dazu wird ein Glaserl Wein gereicht.

Im Endeffekt scheint die Tomatensuppe der Einsteigerblogbeitrag für alle Kochblogs zu sein. Gut, hiermit habe ich mein Rezept abgegeben. Trotzdem gehe ich gerne in Restaurants Tomatensuppe essen. Ich weiß, was ich zuhause schaffe und freue mich über den Unterschied. Ist keiner vorhanden, dann bin ich entweder ein sensationeller Koch oder …

Am Ende des Tages sitzt das Serviceteam – ebenso wie die Küchencrew – bei einem Bier zusammen und lässt den Tag Revue passieren. Auch der Blogger hat sein Getränk. Und die Trolle, die in jeder Tomatensuppe ein Haar finden. Letztere kann man nie zufrieden stellen. Dies war bei der Erfindung des TVs so und wird sich durch Social Media – egal ob Blogs, Bewertungsportal, frag-mutti.de – nicht ändern. Wenn sie allerdings den Chef der Gamlitzer Weinstube fragen, dann erklärt er ihnen gerne den Unterschied zwischen einem Wirts- und einem Gasthaus. Und  das sollte man als Kellner / Sommelier / Bratwurstverkäufer / etc. nie vergessen.

P.S.: Ich würde jederzeit mit ihnen, Herr Bordthäuser, auf eine Suppe gehen. Oder sie kommen bei mir vorbei. Das gilt auch für jeden anderen, der mir einen Kommentar schreibt.

P.P.S.: Sollte ich den Originaltext falsch wiedergegeben haben oder mit dem Beitrag Anschauungsmaterial zur Diskussion um die Urheberrechte liefern, dann bitte ich dies zu entschuldigen und ändere es sofort.

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3 Gedanken zu “Tomaten sind zum Werfen da, Tomatensuppe zum spucken.

  1. Kochsendungen hat es schon immer gegeben nur mit dem Unterschied das früher das Essen im Vordergrund stand. Heute gibt es in jedem Sender eine KochsendungSchuhbeck, Lafer,Lichter und co sind überall präsent und ja ich sehe selbst auch ab und zu hin. Haubenköche haben gelernt sich selbst zu vermarkten und die Medien dazu zu benutzen.Das Fernsehen ist auf den Zug aufgesprungen denn Köche
    bringen

    anscheinend Quote. Die Wirklichkeit sieht meist anders aus.Von besagter Gamlitzer Weinstube aus hat man einen schönen Ausblick auf den Gastgarten des Aiola. Dort werkt Haubenkoch Jantscher.Leider ist der Gastgarten auch oft leer. Trotz manigfalgier

    Geschmacksexpolsionen. Wahrscheinlich ist das Eseen dort schlicht zu teuer. Ich glaube das es sehr wohl einen mündigen Bürger gibt der die Wirklichkeit von der Ilu
    sion des fernsehens unterscheiden kann.
    Schlechter Service kann überall passieren frag nach bei Hyballa, schließlich sind wir alle nur Menschen.Sowohl Gast als auch Kellner.Zufriedenheit ist wichtig und eigentlichbrauchts für eine Tomatensuppe nur vollreife Tomaten , Knoblauch und ein pa

    ar Gewürze.
    Zum Schluß sollte man bedenken das man es nie jedem Recht machen kann

    Fernseh

  2. Ich wollte eigentlich noch mehr schreiben aber die Menüführung hakelt hier ein bißchen
    Sei,s drum in der zeit die ich für den Beitrag gebraucht hab hätt der Schubeck scon a ganzens Flugzeug mit Tomatensuppe versorgt.
    #Schönen Gruß an den papa wünscht robert

    1. Am Ende des Tages schmeckt wohl die Tomatensuppe von Mutti am Besten. Aber genauso, wie wir Marken kaufen, gehen wir oft essen. Dem Namen folgend. Und dabei übersehen wir oft die Qualität der anderen. Dies ist meiner Meinung nach ein Problem der gehobenen Klasse.
      Mit dem Service gebe ich dir Recht Robert. Gut ist, was man mag und versteht. Schlecht ist vor allem Inkompetenz. Die Gamlitzer Weinstube hat da eigene Ansprüche, an denen manch Trainer scheitert wie ich höre.
      Danke für deine Glückwünsche und den Kommentar Robert – ich mag (deine) Kommentare!

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