Scheiß Eis

Der Busfahrer hatte seine Meinung kundgetan: „Kein Eis in meinem Bus! Der nächste kommt in 10 Minuten.“ Die Stewardess ebenso: „Aber das ist doch ein harmloses Eis und ich bin gleich fertig.“ Unter diesen Voraussetzungen konnte der Jetlag in ihm im Flughafenbus Platz nehmen und zusehen, wie sich der Vorhang für eine sagenhafte Kinovorstellung hob.

 Auftritt der triumphierenden Lufthansa-Bodenpersonal-Freiheitsstatue auf den ersten Stufen des Busses mit dem Eis in der Hand. Pedaltritt Busfahrer: Vollgasgebend in Richtung Autobahn. Orgastischer Tourette-Ritt des Sprachzentrums des Busfahrers: „Ich hab dir gesagt, kein Scheiß Eis in meinem Bus. Scheiß Eis (wird 5 Mal wiederholt)!!! Da kommst du daher mit deinem scheiß Eis. Ich kenn solche wie dich. Wie oft habe ich so ein Scheiß Eis zwischen den Sitzen hervor wischen müssen? Scheiß Eis!!! Versteht kein Nein die dumme Sau!!!!“

Die pulsierende Halsschlagader, sein Jetlag, zwei Japaner – nach der Übersetzung von „Scheiß Eis“ suchend – und ein weiterer Tourist bogen mit der am Boden liegend mit ihrem Eis ringenden Bodencrew-Stewardess auf die Autobahn und ließen an der Ernsthaftigkeit des Zorns bei über 100 Km/h auf der dritten Spur keinen Zweifel aufkommen.

Den Mangold schnitt er die einzelnen Blätter ab, während sie die Kartoffeln schälte und in kochendes Wasser stürzte. Den Blättern schrubbte er mit Hingabe die Erde Anatoliens von den weißen Adern, die er anschließend herausschnitt. Die Blätter streifte er klein während der weiße Wein in ihren Händen in zwei Gläsern schwabte. Mit den gekochten Kartoffeln in Spalten, schaltete er die Gasflamme unter der beschichteten Bratpfanne ein und schmiss den Mangold ohne Zugabe von Fett in dieselbe.  Dieser sackte in sich zusammen und erhielt mit Salz, Pfeffer und ein wenig Chili die nötige Würze, ebenfalls die Kartoffeln.  Die zweite Pfanne glühte in ihren Händen:  dazu goss sie liebevoll Olivenöl und briet den Halloumi mit einem Rosmarinzweig beidseitig scharf an.

Die Japaner blätterten und die Stewardess hatte sich und das Eis in die zweite Reihe gerettet wo sie große Tränen schluchzte. Dies brachte den zweiten Touristen in die Helden-Bredouille und er meldete sich zu Wort: „Hörens, so können Sie doch nicht mit der Dame umgehen? Wie heißen Sie eigentlich. Ich werde sie melden“. Die Antwort gaben und Fuß und Zunge, die beiden auf 120 Km/h beschleunigten.  „Scheiß Eis. So ein scheiß Eis!!! Wie ich heiße? Das geht sie nichts an!!! Scheiß Eis.“ Bremsen kamen bei der ersten Haltestelle zum Zug, nachdem verschiedene Sonntagsfahrer mit verschiedenen Fäkalwörtern beschleunigt wurden.  Die Stewardess – mittlerweile mit Eis und Nerven fertig – stieg zitternd aus und der engagierte Tourist folgte ihr auf Fuß. Vielleicht um die Heldenrolle auf die Ewigkeit auszudehnen. Am Hauptbahnhof nahm er seinen Jetlag an der Hand, suchte seinen Koffer im Gepäcksraum. Der Busfahrer weitete währenddessen seine Zornesfalten auf die versammelten Kollegen aus, während die Japaner – erfreut des neuen Wortschatzes – von dannen zogen.

Der vegetarische Genuss innerhalb von keiner Vorbereitungszeit durchzog die Küche und hätte auch dem Busfahrer den Cholesterinspiegel gesenkt. Stattdessen schwamm der Halloumi mit viel Weißwein hinunter und der Busfahrer hört beim Chauffieren weiterhin:

(Der Musiktipp geht an den einzigartigen Philippo – willkommen in der ersten Liga!)

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