In voller Panier durch Guyana

Ja, sie flogen extra nach Französisch Guyana um Wienerschnitzel zuzubereiten. Nein, sie konnten dies nicht in München oder Graz tun. Dazu fehlten 35°C Durchschnittstemperatur, der Lebensmitteleinzelhandel in chinesischen Händen, ein Hund Namens Brahm und freundliche Raum- und Internet-Forscher.

Dass die Panier am Äquator am besten hielt war Ihnen bekannt, als sie beim französischen Schlachter auf der Wartebank Platz nahmen. Auf 10°C heruntergekühlt hatte der Herr der Merguez  und Enten sechs Kalbsschnitzel und zwei Schweinerne herunterfiletiert und auch noch die passenden Eier zwischen der Fleischeslust gefunden.

Nach zwei Runden Schweiß, 10 Runden im Pool einer feinen Runde Bavaria aus Holland  ging es an die zeitliche Planung (von der Zeitschrift Beef abgeschaut). Was dabei aber meist vergessen wird, sind die Töne, die es für die Ohren braucht. Ein paar Takte einheimischer Zouk zum gemeinsamen Reiben der Arschbacken:

Die Käferbohnen, ein tonangebendes Gemüse aus der Steiermark, weichten bereits 24 Stunden in reichlich Wasser und sammelten zusätzliche Flüßigkeit beim einstündigen Kochen. Die gehäuteten Kartoffeln fristeten ebenfalls eine schöne Zeit im Wasserbad, bis sie kurz vor bissfest standen.

Der Dreisprung bestand aus einem Teller Mehl, verquirltem Ei sowie Brösel. Schnitzel für Schnitzel nahmen via Zweihandtechnik den Parcours. Einmal vorbereitet setzen sie zwei Pfannen und Apéritif auf. In die eine Pfanne voll Sonnenblumenöl schwenkten im Gleichklang hintereinander die Schnitzel  in feiner Bräune, während die gehäflteten Kartoffeln in Butter und Petersilie schmorrten.

Originalerweise zahlt es sich aus, für die Käferbohnen eine Mischung aus Kernöl, Senf, Essig, Salz, Pfeffer und Knoblauch anzurühren.  Ein paar Zeitzonen weiter westlich, aber immer noch am gleichen Geldschein, reichten auch klassiche Essig-Öl-Kombination mit einem Hauch Liebe, Zwiebel und Knoblauch.

Die Nachspeise wurde nicht paniert, sondern alkoholisiert. Dazu ergriffen sie eine Risen-Grapefruit – auch Chadeque genannt – und legten das Fruchtfleisch in Rum, Zucker und Zitronensafte ein, um es auf Vanilleeis zum Finale anzurichten. Ein geschmacklicher Ausklang deluxe mit ein paar Umdrehungen.

Pünktlich zum Sonnenuntergang um 19 Uhr – wenn die Geckos auf Moskitojagd und die Moskiros auf Menschenjagd gehen – klapperten Messer und Gabel auf wienerische Art und die Gastgeber eines fetten Urlaubs waren Feuer und Flamme für kulinarischen Exoten in voller Panier in Französisch Guyana.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s