Paris, du geile Erdnuss

Um Paris zu beschreiben hatte er sich tausend Vergleiche einfallen lassen und jeder einzelne hinkte wie er selbst nach drei Tagen Fußmarsch. Nach drei Tagen Aufenthalt klimperten die Münzen in seinen Hosentaschen, da Pariser Automaten nur Kreditkarten und die Edelstahltauschware akzeptieren, tanzte das Wort „non“ ein jedes Mal Tango auf seinen Lippen, wenn ein Straßenverkäufer ihnen einen Eiffelturm oder Bier andrehen wollte und er fand sein Hotel noch immer nicht. Das Hotel, das ohne Klopapier auskommt, zentral liegt und sich jeder vernünftigen Straßenführung entzieht. Gegen all diese bizarren Hauptstadtausflüchte gibt es keine Impfung, genau so wenig wie die schönen Ecken und Aperitifs. Denn Paris ist wie die letzte Erdnuss in der Partyschale am Tresen. Armselig, heiß begehrt, salzig, 51 mal taxiert und wieder fallen gelassen; einfach unantastbar.

Er musste sich ein Monat nach der Rückkehr eingestehen, dass er keinen Haute Couture Laden betreten hatte – obwohl er im Gant Laden gefragt wurde, ob ein derartiger in München nicht existiere – seine Freundin nicht um die Hand angehalten hatte, den Eiffelturm aus sicherer Distanz taxiert, an keinem Streik teilgenommen hatte, auf den Louvre gesch#*§$%&, Mona Lisa umschifft und auch keinen mit oder bei Gerard Depardieu einen essen oder heben war.

Nein, er hatte mit der besten Reise-, Lebens- und Genussbegleitung sich um alle Ecken der Stadt getrieben. Mit dem Butterbaguette in der Hand und dem Café Crême auf der Zunge an der Ecke des Boulevards Saint-Denis und der Rue due Faubourg Saint Denis wo sich die Sonnenstrahlen treffen, um  Touristen Sonnenbrand zu beschaffen.

Die beiden versteckten sich in den besten Picknickecken der Stadt um dem Trubel das Baguette und die Tarte zu zeigen.

An jeder einzelnen Barecke mit einem Kir, Americano oder Pastis an der Hand um auf alle Touristen, Einheimische, Außerirdische und Franzosen anzustoßen (die komplette Kollektion findet im Compas d’or ihre Ausrichtung). Wobei auch seine zwei Semester Frankreich wieder beim Mittagessen, als bereits Whisky-Cola als Apéritif am Nachbartisch gereicht wurde.

Hinter allen Tischecken, die dem Sitznachbarn aus Platzmangel ins Fleisch bohren und, und handgeschnitzte Pommes, Beef Tartare, Salate, Rosé Weine und Pastis tragen, als wären es ihre eigenen Kinder.   

Und vor allem war er stolz auf die Ecke seines Gehirns, in der die Schimpfwörter gespeichert und aktiv waren, wie böse Jungs, die sich vor der Polizei verstecken,

Weil Paris die passende Erdnuss für Leute ist, die sich bewegen kann er nur mehr eine kurze Listening Comprehension empfehlen, avant qu’il se casse avec la dernière cacahuette

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