Ein Monolog ins (geschmackliche) Nichts

Sein neuer Chef hatte im gleichen Alter bereits ein Buch geschrieben und er hatte eines doppelt gekauft, weil der dachte, er hätte es noch nicht (gelesen, das stimmt). Des Weiteren hatte er in einem Gespräch den Faden „Viele Blogs sind Monologe ins Nichts“ aufgefangen und nicht mehr losgelassen.

Höchstpersönlich hatte er drei Sachen: noch kein Buch geschrieben, einen Hauptblog sowie seine Liebe zu Holz-Blogs und seinen individuellen Monolog ins Nichts. Dafür sprechen die fehlenden Kommentare und Clicks, sowie die Suchbegriffe, unter denen der Google-Junkie denselbigen aufsucht. Damit hatte er sich abgefunden – auch wegen der Tatsache, dass er so gut wie keine SM Maßnahmen zur Steigerung der Bekanntheit ergriff – aber mit dem Titel Monolog konnte und wollte er sich nicht schmücken. Denn er führt regelmäßig Dialoge: Mit seinem Magen über die Rezepte, mit seinem Hirn über Verklausulierung der einfachsten Begrifflichkeiten zu hochfliegendem Scheiß unter Ignoration jeglicher Rechtschreibregelungen, mit seinen Fingern über die Zehn-Fingerrechtschreibtaktik, mit seinen Augen über fehlenden Schlaf um Mitternacht und vor allem mit ihr über die entsprechenden Wortgewalt der eben erlebten geschmacklichen Gewalt.

Also legte er sich einen feinen Blues

bereit um sich beiden einen geschmacklichen Monolog zuzubereiten. Dazu hatte die Metzgereifachfrau seiner Hood ein Huhn ausgewählt, das er fachgerecht zerteilte und zur Seite stellte. Er schrubbelte Kartoffeln den Dreck in die Abwasch, viertelte Zwiebel hüllenlos und zeigte Karotten und Paprika ihre Einzelteile auf. Die Aubergine hatte ihre besten Tage auch schon hinter sich und wurde den Gemüseteilen gleich geteilt. Dann hatte Hans der Rosmarin seinen Auftritt und schüttelte seine Zweige, während die Zitronen heiß gewaschen im Viertel auf die Kochbühne rollten. Den „Bräter“ ließ er leicht mit Öl ein und schnitt die Kartoffeln mit Schale hinein, legte Rosmarin darauf und würzte mit Salz, Pfeffer, Chili, Brathähnchengewürz und Oregano die komplette Kiste. Mit vollen Händen wurde gerührt und geschackert bis die Finger wie Finger wie Schmalzkringel glitzerten. Die drei Zitronen folgten bei Fuß und das Huhn wurde mit der Hautseite nach unten in seinen Einzelteilen auf der gelben Unterlage aufgebahrt. Nach ca. 25 Minuten im heißen Backrohr, wandte sich das Huhn der Sonne zu und rieb sich mit einer Mischung aus Öl, Chili, Rosmarin, Salz, Pfeffer, Honig und Zitrone ein, um nach ca. 1 Stunde wohlfein den Ort der Hitze zu verlassen.

Sie hatte ihre Freude am Huhn und den Kartoffeln und auch die nötige Höflichkeit zu schmatzen und schmausen. Dennoch erinnerte ihn die Mischung mehr an den Zitronen-Daiquiri aus dem Café Kosmos, der ihm am Folgetag jeglichen Torerfolg beim Stuttgarter Retrocup verwehrt hatte, den an eine durchdachte Mahlzeit. Ab und zu ist weniger halt mehr, auch bei Monologen und Dialogen.

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