Geben ist seliger als nehmen

Als Österreicher in München, verschafft mir die Süddeutsche Zeitung mit Berichten zu Österreich immer wieder großes Amusement. Der Korrespondent Michael Frank hat es mit seinem Artikel „Geben ist seliger als nehmen“ (Printausgabe vom 9. Dezember 09) wieder geschafft.

Auf einer Viertel Seite führt er aus, dass eine blanke Hand in Österreich „skandalös ist“, was soviel bedeutet, dass wir ca. 8 Millionen Erdenbürger zu jeder Gelegenheit – vom Begräbnis, über den Supermarkt bis zur gedeckten Tafel – Trinkgeld geben. Jawohl, das stimmt! Wichtig ist auch der Hinweis, dass wir mit dem gemeinen „Piefke“ uns in dieser Hinsicht einen problematischen Umgang pflegen. Nein, das stimmt nicht, kommt aber auf den jeweiliegn Piefke und Ösi an.

Der Verlust der Humorlosigkeit bei einem verweigertem Trinkgeld ist nur eine der gastronomischen Tatsachen. Folgende Vorsichtsmaßnahmen sind für den ungeübten Touristen daher zu treffen:

1/ Handelt es sich um ein Wirts- oder ein Gasthaus? In ersterem herrscht der Wirt, in zweitem ist der Gast König. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken, da Qualität und Originalität in einem Wirtshaus meist besser sind.

2/ Ist der „Herr Ober“ schlecht aufgelegt, ohne dass sie als Piefke was dafür können, dann herrschen entweder Kopfschmerzen, eine übellaunige Frau zuhause oder allgemeiner Verdruss vor. Wichtig: den Ober auf ein Getränk seiner Wahl einladen (meist Bier oder Wein), das schafft Nähe.

3/ Lachen Sie nicht über lustige Namen oder Bezeichnungen auf der Speisekarte. Meist – sollten sie nicht fragen – haben sie dann Innereien gegessen. Ob es ihnen geschmeckt hat oder nicht, Österreich ist bekannt für seine guten Schnäpse.

4/ Bestellen sie keine Völker oder Rassen wie „Russen“ oder „Neger“. Österreicher essen auch keine Brtakartoffeln zum Presssack/Sulz. Dies führt wieder zu Punkt 2.

5/ Geben sie Trinkgeld.

Sollte jemand mit diesen Punkten nicht das Herz eines jeden österreichischen Kellners erobern – wobei ich jetzt die Hand für Wiener nicht ins Feuer lege – dann bin ich bereit, das jeweilige Lokal höchstpersönlich aufzusuchen. Adressen bitte im Kommentarfeld hinterlassen.

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