Schwarzthoughts’s Weblog


Köche sind keine Germanisten oder Mr. Föhni im Alphabetenland unter O

In den modernen Speisekarten gibt es keine Beilagen oder Saucen mehr. Alles ist angerichtet, auf Birkenrindenschaum, an einem Karottengrünsuppchen, unter einem Bett aus gebratenen Hühnernasen oder im Duett mit einem Hauch von Wahnsinn. Aus diesem Grund, und weil Köche nur selten Germanisten sind, sind Berichte über Irrtümer immer ein großer medialer Hit. Alex Hacke füllt mit derartigen Sprachkabriolen manche seiner Kolumnen im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Auch ich kann mich für diesen Blog einer derartigen Herangehensweise nicht entziehen, da diese Speisekarte in allen Belangen flasht:

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Für alle die bei der Vorspeise das Wort „Partridge“ nicht kennen, es heißt „Huhn“. Der volle Titel des Gerichts müsste also “ Grüner Salat vom Huhn in Essiggurke“.

Ich wüsste gar nicht, was ich als erstes hätte bestellen sollen, aber diesen Dienst hat mir Mr. Föhni abgenommen, der diese Prachtexemplar eingereicht hat. Da dieser mit seiner Frau momentan für zwei Monate in Spanien weilt, geht mein Dank in diese Richtung (damit auch der Hinweis, wo dieses Lokal zu finden ist). Ich hoffe, das Wetter in Südspanien bessert sich bald und die ganzen Tapasbars sperren wieder auf. Mein Tipp: Den coolen Hinweis in allen Marco Polo Reiseführern für Spanien, dass „Betrunkene nicht zum Straßenbild gehören“, habe ich schon außer Kraft gesetzt. Also genießt es noch und denkt daran: kein Urlaub ist so beschissen, wie der in einem Londoner Hostel.

Passende Musik (ich musste mich zwischen Spanisch und Analphabetenlied entscheiden, konnte aber nicht) für Mr. Föhni und Karin zum Springen bei -10°C in Malaga:

Und das Lied für alle Köche, Alex Hacke Fans und Analphabeten unter meinen Lesern:

Passendes Getränk: Brandy in bauchigen Gläsern in spansichen Tapasbars.



Geben ist seliger als nehmen
Dezember 9, 2008, 11:11
Gespeichert unter: Von der Hand in den Mund | Schlagworte: , , , , , ,

Als Österreicher in München, verschafft mir die Süddeutsche Zeitung mit Berichten zu Österreich immer wieder großes Amusement. Der Korrespondent Michael Frank hat es mit seinem Artikel „Geben ist seliger als nehmen“ (Printausgabe vom 9. Dezember 09) wieder geschafft.

Auf einer Viertel Seite führt er aus, dass eine blanke Hand in Österreich „skandalös ist“, was soviel bedeutet, dass wir ca. 8 Millionen Erdenbürger zu jeder Gelegenheit – vom Begräbnis, über den Supermarkt bis zur gedeckten Tafel – Trinkgeld geben. Jawohl, das stimmt! Wichtig ist auch der Hinweis, dass wir mit dem gemeinen „Piefke“ uns in dieser Hinsicht einen problematischen Umgang pflegen. Nein, das stimmt nicht, kommt aber auf den jeweiliegn Piefke und Ösi an.

Der Verlust der Humorlosigkeit bei einem verweigertem Trinkgeld ist nur eine der gastronomischen Tatsachen. Folgende Vorsichtsmaßnahmen sind für den ungeübten Touristen daher zu treffen:

1/ Handelt es sich um ein Wirts- oder ein Gasthaus? In ersterem herrscht der Wirt, in zweitem ist der Gast König. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken, da Qualität und Originalität in einem Wirtshaus meist besser sind.

2/ Ist der „Herr Ober“ schlecht aufgelegt, ohne dass sie als Piefke was dafür können, dann herrschen entweder Kopfschmerzen, eine übellaunige Frau zuhause oder allgemeiner Verdruss vor. Wichtig: den Ober auf ein Getränk seiner Wahl einladen (meist Bier oder Wein), das schafft Nähe.

3/ Lachen Sie nicht über lustige Namen oder Bezeichnungen auf der Speisekarte. Meist – sollten sie nicht fragen – haben sie dann Innereien gegessen. Ob es ihnen geschmeckt hat oder nicht, Österreich ist bekannt für seine guten Schnäpse.

4/ Bestellen sie keine Völker oder Rassen wie „Russen“ oder „Neger“. Österreicher essen auch keine Brtakartoffeln zum Presssack/Sulz. Dies führt wieder zu Punkt 2.

5/ Geben sie Trinkgeld.

Sollte jemand mit diesen Punkten nicht das Herz eines jeden österreichischen Kellners erobern – wobei ich jetzt die Hand für Wiener nicht ins Feuer lege – dann bin ich bereit, das jeweilige Lokal höchstpersönlich aufzusuchen. Adressen bitte im Kommentarfeld hinterlassen.