Schwarzthoughts’s Weblog


WTF

Was sollen wir damit machen? fragte er. Sie sagte Nimm es einfach! und der chinesische Verkäufer erging sich zum vierten Mal in Ja gut kochen, in Suppe, Hauptspeise und Beilage. Beide hatten an diesem verregneten Oktobersamstag die Erfahrung der Führung der Touristen durch die Innenstadt gemacht, auf der Suche nach Handy und Whisky in die Augen des Konsums geschaut und in Weihnachtsgeschenken gedacht. So ging es nun auf ihre Empfehlung in das neuentdeckte Kaufhaus mit dem Asialaden und weiteren Lebensmittelgeschäften. Insgesamt verbrachten sie drei  Stunden und wühlten sich durch potenz- und sehkraftsteigernde Gewürze, Gemüse, Kräuter und Gefahren. Danach hatten sie Einkaufstüten voll und  Sinne überflutet.

Die Karotten gestreift (in Streifen geschnitten) blanchieren. Währenddessen eine Marinade aus Zitronensaft, Honig, Zucker, Salz, Pfeffer, Senf und Knoblauch anrühren. Die lauwarmen (nach dem Blanchieren kalt abspritzen) Karotten darin versenken. Die Jungbullensteaks in heißem Butterschmalz beidseitig anbraten, ungeschälte Knoblauchzehen als Komparsen für die Pfanne anheuern, einen Rosmarinzweig als Funktionär des Geschmacks addieren und heftig salzen und pfeffern. Steaks und Freunde nach drei Minuten aus der Pfanne auf ein Bett aus Aluminium und Zitronenscheiben mit Chillishoten betten und für ca. 8 Minuten in den vorgeheizten Herd. In einem synchronisiertem Schritt erhitzen die beiden zwei Platten, ließen Zucker in einem Topf karamellisieren und fügten vorab geschälte Schalotten hinzu um in der Pfanne des Fleisches kleingeschnittene Schalotten mit Pinienkernen anzurösten. In diese fiel der Pak Choi – vorab gewaschen und geteilt – würde angedünstet und von Gemüsebrühe abgelöscht.

In einem Akt der Maßlosigkeit wurden die Karotten mit dem Pak Choi Gemüse (nachdem die Brühe einreduziert war), den auf Zucker tanzenden Schalotten mit dem Jungenbullensteaks angerichtet. Dazu tranken die beiden Bier und freuten sich der Tatsache den Moment des What The Fuck im Laden mit kulinarischen Mitteln und der Googlesuche besiegt zu haben. Schmeckt es? fragte er und sie nickte.



Ist da Pferd drinnen?

Im beruflichen Kleinteam spielen sich die größten Dramen und besten Komödien ab. Grundsätzlich sollte man berufliches und privates trennen; da das Leben allerdings keine Trennkost ist, fand sich mein berufliches Umfeld bereits zu diversen lukullischen Genüssen zusammen. Nach Raclette, BBQ, Thaicurry und tschechischen Antipasti, eingelegt in Becherovka, ging es nun daran österreichisch zu bewirten.

Das Menü bestand aus Käferbohnensalat mit Kürbiskernöl und einem Fiakergulasch. Zur musikalischen Untermalung bietet sich ein österreichischer Klassiker von Kurt Sowinetz an:

Sollten die Käferbohnen getrocknet sein, diese für 24 Stunden in Wasser einlegen und dann in Salzwasser kochen, bis diese bissfest sind. Die Käferbohnen mit Essig und reichlich Kernöl abmachen, Zwiebel und Knoblauch addieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Am besten als Vorspeise servieren.

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Für das Gulasch schneide man – wie in diesem Fall für acht Personen – zwei Kilo Zwiebel klein, bis die Augen leuchten wie Bremslichter. Man nehme die gleiche Menge Gulaschfleisch (egal ob Schwein, Kalb, Pferd oder Gnu, Hauptsache eine Sorte wegen der Kochzeit), tupfe sie trocken oder auch nicht und brate die in Würfel geschnittenen Stücke in reichlich Sonnenblumenöl in einem großen Topf an. Nach erfolgreicher Bräunung der Fleischstücke auf zumindest drei Seiten, werden diese zum chillen beiseite gelegt und die geschnittenen Zwiebeln nehmen ihren Platz im Topf ein. Die Zwiebel glasig dünsten, mit Paprikapulver, Knoblauch, Salz, Pfeffer, Chilli und geriebenen Kümmel in ausreichender Menge bekannt machen. Wie gesagt, hier wird für acht Personen groß aufgekocht, weshalb auch mit den Zutaten nicht zu sparen ist. Das Fleisch wieder zuführen und dann dünsten lassen, bis sich alles in Wohlgefallen und Gulasch zersetzt. Alternativ kann man auch noch ca. 1 Liter Rindssuppe ins Spiel nehmen und die Komposition ausdünnen. Dann wird es eher zu einer Suppe, wie in meinem Fall.

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In der Zwischenzeit hat man sich schon dem nächsten Bestandteil gewidmet: dem Serviettenknödel. Dazu eine Packung Toastbrotscheiben von der Rinde befreien und mit ca. 0,5 Liter warmer Milch für ca. 30 Minuten ruhen lassen. Gehackte Petersilie, Eier (ungefähr vier Stück), Salz, Pfeffer, Speck (bei Bedarf) und xxx einrühren und die ganze Masse zu einem Fest für die Finger werden lassen. Auf einer Klarsichtfolie wird der Patz dann zu einer Wurst aufgereiht – wer auch immer Zigaretten gedreht hat, ist hier von Vorteil – und an den Enden verschlossen. Darüber kommt noch eine Schicht Alufolie. Wem dies zu alternativ ist, kann den konservativen Weg nehmen und eine Serviette/Geschirrhangerl hernehmen. Das Kunstwerk in heißem Wasser für ca. 25 Minuten kochen bis die Konsistenz vom Halbflüssigen ins Feste übergegangen ist. Da ich diesen Moment nie erreicht habe, wurde in dieser Hinsicht von mir geschummelt: ich habe die Verpackung einfach aufgerissen und aus der langen Wurst kleine Knödeltaler geformt, die ich abgebraten serviert habe.

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Als weitere Beilage zum Fiakergulasch werden Wienerle/Frankfurter, Spiegeleier und Essiggurkerl gereicht. All dies macht ein herrliches Fiakergulasch aus. Wichtig ist, die Gurkerl aufzufächert. Dazu mache man aus einem zwei und schneide die Hälften in kleinen Abständen ein ohne sie ganz durchzusägen. Dann mit der flachen Hand aufdrücken und fächern.

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Passende Getränke: zur Vorspeise ein herrlicher Schilcher aus der Weststeiermark, zur Hauptspeise irgendein Bier, Hauptsache Bier und zum nicht vorhanden Dessert ein Schnaps oder Whisky zur Verdauung.

Dies war mein erstes Gulasch und einige Punkte sind festzuhalten:

  • beim Zwiebelschneiden kann man irgendwann nicht mehr weinen
  • dafür riecht man auch noch Tage danach nach Zwiebeln
  • nimm lieber zwei mittlere Töpfe, als einen großen, in dem du nie mehr umrühren kannst
  • addiere nur Suppe wenn du Suppe willst
  • Knödel muss ich noch üben
  • Ich habe noch immer nicht die Unkosten verrechnet
  • ja Lukas, man kann auch ein Pferd hineinschneiden; nur woher kriegen ist die Frage
  • ja ModeZampano, die Fotos sind noch immer Schrott

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92,8 Kilo oder das Gewicht eines Food-Blogs – Version Freunde

Reichhaltiges Material für meinen Food-Blog liefern mir meine Freunde. Interessanterweise muss ich zugeben, dass ich keinen Freund schimpfe, der nicht auch gerne isst. Folglich ist es immer wieder ein wunderschöner kulinarischer und bereichernder Austausch. Entweder bei unseren regelmäßigen Weinabenden – sorry, aber schwäbischer Wein hat auch am 4ten Abend noch nicht überzeugt –

weinverkostung

oder bei richtigen Gelagen in Kompaniegröße.

Passende aufhetzende Musik, da es sich um reichlich Mise-en-Place handelt und der Modezar unterstützend eingriff:  Cypress Hill

Bei größeren Runden zahlt es sich aus drei Fragen zu stellen:

1/ Ist ein Vegetarier/Allergiker dabei?

2/ Will ich meine ganze Küche verwüsten?

3/ Kann ich die Speise überhaupt für mehrer Personen zubereiten?

 

Rücksicht ist nur fair und macht den Abend auch schönes („Was da ist Ananas drinnen? Aber ich bin …). Das Küchenproblem stresst mich am Wochenende nicht, da Abwasch in sich meditativ ist, unter der Woche sehr wohl. Zu Punkt 3 kann ich folgende Geschichte anmerken. Das Gericht „Überbackene Lammkrone in Balsamicozwieberljus mit Polenta-Spinat-Turm“ klingt geil, braucht aber eine komplette Küchenbesatzung zum Anrichten. Obwohl mich damals in der Küche der Wahnsinn gepackt hat, konnte ich dennoch nicht die 7 Essen gleichzeitig & warm hinausbringen.

 

Folglich haben wir uns für den Abschied des Modezaren nach NY (keine Angst: nur Business, Liebe und Leben) für die „SCHINKENFLECKERL DELUXE“ entschieden. Man beginnt einen derartige Veranstaltung am Besten mit einem Vodka-Orange und überlege reichlich, was man machen oder nicht machen will.

vodka

Im Anschluss lasse man sich im Supermarkt an der Wursttheke von der/m VerkäuferIn seiner Wahl verwöhnen (Ich würde noch gerne das und das kosten!). Im Endeffekt greife man bei 8 Personen zu ca. 1 Kilo gemischter Wurst (Schinken, Polnische, Lyoner, Speck etc.), je nach den Gästen zu 2 Kilo Bandnudeln. Nudeln kochen, die geschnittene Wurst in einem Topf mit Zwiebel anbraten, Nudeln beimengen, mit Salz, Pfeffer, Kümmel und Knoblauch abschmecken. Wichtig ist der Schritt des Paprizierens, der Vermählung der Nudeln mit dem Paprika- und Chillipulver. Reichlich davon Gebrauch machen! Vor dem Servieren noch klein gehackte Petersilie unterheben.

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Vielleicht ist folgende Lektion noch von Interesse: auch wenn man einen schön großen Kochtopf zu Hause hat, wo alles reinpasst, lieber in kleineren Portionen kochen, da sich so alle Zutaten besser durchmischen.

schinkenfleckerl_topf

Immerhin erhebe ich gerad irgendeinen kulinarischen Anspruch und nicht den einer Militärküche mit Gulaschkanone.

Als Starter wurde ein Kartoffel-Gurken-Salat serviert. Kartoffeln mit Gurken vereinen (die ersten gekocht und geschnitten, letztere nur geschnitten) und mit einer Marinade aus Kernöl, Essig, Senf, Salz und Pfeffer krönen.

kartoffel-gurken_salat

Passende Getränke für solche Veranstaltungen: alles was nicht bei 3 auf einem Baum sitzt!  



Rolle Vorwärts à la Rothmund samt Mischmaschgemüse im spülfähigen Alter

Man sieht es meinen Rezepten an, dass ich besser über Essen schreibe als es zu Kochen oder zu Fotografieren (siehe auch die netten Kommentare auf Flickr). Sollte dem auch nicht so sein und nur kulinarische Spastiker sich an meinem Blog delektieren, auch gut.

Doch, was mich treibt ist wie beim aktiven Fußballspiel die Lust und die Freude, vor allem aber auch die Erkenntnis, dass ich lernfähig bin. An einem Vorabend eines langen Geburtstagsabends ging es nun daran, die geistige in die gestalterische „Rolle vorwärts“ zu verwandeln.

Für die Assistenz der Küche wurde noch schnell ein Lied aufgelegt 

und schon ging an die Produktion der „Rolle Vorwärts à la Rothmund samt Mischmaschgemüse im spülfähigen Alter“.

Für die „Rolle Vorwärts“ vier Putenschnitzerl auf einem Brett drapieren und mit einem scharfen Messer seitlich einschneiden (à la „Urigeler“ Style, indem man die Hand auflegt), sodass eine Tasche entsteht.

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Also keine zwei Schnitzel aus einem machen. Die Taschen mit Weichkäse ausschmieren (Bresso hat sich für unsere Zwecke als aromatisch erwiesen). In einem Speck- oder Prosciuttoblatt eine getrocknete Tomate (oder was auch immer, Bernd würde wahrscheinlich einen Gummibären nehmen) einrollen und in die Tasche stecken, wie den Schlüsselbund in die Hosentasche. Das ganze mit einem Zahnstocher oder einem Rosmarinzweig verschließen.

In der Zwischenzeit hat die Assistenz bereits einige Kartoffel (mit Haut) gewürfelt, ebenso ein paar Karotten, einen Kohlrabi, eine Fenchelknolle, Zwiebel und Knoblauch.

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Die gesamte Vitamincrew wird in heißem Butterschmalz scharf angebraten, Deckel drauf und für ca. 25 Minuten bei mäßiger Hitze in Ruhe gelassen. Nur noch mit Salz, Pfeffer und verschiedenem Kräuterwerk versehen.

Nun die Rollen Vorwärts ebenfalls von allen Seiten scharf anbraten und im vorgeheizten Backrohr, nach der Würzung mit Salz, Pfeffer für 15 Minuten durchbacken.

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In der Zwischenzeit den Tisch decken, die zweite Flasche Wein öffnen (die erste wurde verKOCHt), grünen Salat mit einer Vinaigrette abmachen, die Gäste hereinlassen, Kerzen anzünden, Smalltalk betreiben und abwaschen.

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Dies ist der Tribut an die Vergangenheit, nicht abgewaschenes Geschirr überdauert die Ewigkeit und muss vor dem Essen abgewaschen sein, und der Namensgeber für das Mischmaschgemüse im spühlfähigen Alter.

 

Passendes Getränk: Spritziger Weißwein vom Weingut Lackner Tinnacher oder Tegernseer Bier.



130 Jahre Erfahrung – Visionen 7.0 – das Finale

Der Schreiber dieses Blogs hatte die Freude, sich mit seinem Vater 14 Tage durch die steirische und grazer Gastronomie durchzukosten. Dies war einerseits der Versuch ins Guiness-Buch der Weltrekorde für den Verzehr von Frittatensuppe (Flädle oder Pfannkuchen für meine deutschen Homies) zu kommen, andererseits täglich zu bloggen und zu sehen, wie das so ist. An letzterem Anspruch bin ich zerbrochen (oder waren es doch die langen kalten Abende?), weshalb hier ein letzter Test geschrieben und ein Resümee gezogen wird.

Inhaltlich hat sich bei den Beiträgen auch eine Änderung ergeben: Die Musikempfehlungen stehen jetzt an der erster Stelle, damit man hören und lesen gleichzeitig kann. (Ja, ich bin ein Fuchs:)

Musikempfehlung: Mit diesem Liedgut sind die Tester durch die steirischen Zeitzonen gejag (Im Original die große Connie Francis, hier jemand anderer)t:

Für das Neujahressen wählte der Senior-Tester ein besonderes Lokal aus, das Restaurant im Romantik Parkhotel. Dieses hat sich als Neujahrsstammlokal etabliert und weißt sich besonders durch benutzerfreundliche Gerichte (Junior-Tester mit fast dreißig ist der jüngste Gast. Für die Stammklientel um die 80 wird alles weich- und weichergekocht. Folglich sind auch keine Steacks oder härtere Speisen als Butterschnitzel auf der Speisekarte) und oldschool Kellneruniformen aus (Tita von Teese und alle Uniformfetischisten hätten ihre Freude).

Als Entrée schmausten die Tester ein Kresseschaumsüppchen mit Lachscrouton und eine obligatorische Frittatensuppe.

parkhotel_kresseschaumsuppchenmitlachscrouton

Zur Hauptspeise wurden die Dritten-Zähne-Schnitzel aufgetischt: Für den Senior-Tester Jungschweinmedaillons im Briochemantel auf Rahmlinsen.

parkhotel_jungschweinmedaillonsimbriochmantelaufrahmlinsen 

Der Junior hatte sich für Jungkalbslende in/auf/unter/bei/durch Morchelsacue mit Butternudlen samt Gemüsevariation entschieden. Die Ausführung beider Speisen war exzellent, aber wie gesagt fehlte der Biss.

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Passend dazu wurde ein Vitaminfeuerwerk mit einer homäopathischen Portion Essig und Öl gereicht.

parkhotel_salat

Passend zum feinen Anlaß wurde wieder ein Dessert gezwickt. Der Senior-Tester erhielt (als Menu) ein nicht zu anspruchvoll zu kauendes Spumantemousse mit Mangosorbet.

parkhotel_champagnermoussemitmangosorbet

Der Sohnemann verging sich angesicht guter Neujahrsvorsätze an einer Tonne Obstsalat und überlebte die geballte Vitmanladung nur durch Einsatz von viel Kaffee.

parkhotel_obstsalat

Passende Getränke: Campari-Orange, Weißwein und Kaffee.

Auf der Kernölskala kommt es zu einer letzten Beurteilung von 7/10, das Service ist einfach eine Wucht.

Eine kurzes Resümee:

Ich werde keine weiteren Lokalkritiken aus Graz mehr posten, da diese zu weit in der Vergangenheit liegen und mehr langweilen als erquicken würden. Ich hätte noch eine Tonne an Fotos von Frittatensuppen und gemischten Salaten, aber genauso wie mit der Zeit nackte Brüste und Hintern auf Seite 7 von (österreichischen und deutschen) Zeitungen nicht mehr erquicken, so verlieren auch Frittaten und Salatblätter ihren Sexappeal.

Hervorheben möchte ich trotzdem noch das Gasthaus DiGallo, es ist unbedingt besuchenswert. Hier wurden Hirschschnitzel mit Rahmspätzel, Brokkoli und Zwetschgenröster verspeist:

digallo_hirschschnitzelmitrahmspatzle_brokkoli_zwetschgenrostermitorange

Ebenfalls ans Herz und an die Zunge lege ich das Gasthaus Martinelli auf der Leber (Siehe  Bericht einige Visionen zuvor) und den Schmiedwirt in Andritz (nicht von den Fotos auf der Homepage irritieren lassen. Diese Leute sind überaus freundlich und verstehen ihr Handwerk:). Beim Sepp im Gasthaus Martinelli bitte nicht nach der Speisekarte fragen, sondern einfach ein Pariserschnitzel nehmen:

leber2_pariser 

Bei Roberts Küche im Schmiedwirt schmeckt es einfach. Beispielsweise der Pangasius in Knoblauchpanade auf Rahmnudeln:

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Verabschieden werden sich die beiden Tester vom kulinarsichen Todesstern müssen. Karl-Heinz sperrt aus Alters- und Erfolgsgründen das Alt-Wien zu Ostern zu. Ich werde den Chaossturmtruppen, den kulinarischen Entgleisungen, den bizarren Stammgästen und der andersartigen Einrichtungsphilosophie noch eine Träne hinterherweinen. Zum Abschied noch eine Fotoshommage:

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Mein letztes Szegedinergulasch.

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Das einzigartige Salatbuffet aus Fertigfrüchten.

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Die Räumlichkeiten, die in den 60ern stehengeblieben sind.

Kurz gesagt, es hat mehr als Spaß gemacht, wir haben Wetter, Wind, kulinarischer Un/Fähigkeit und geschlossenen Türen getrotzt. Wir hielten uns an keine Verkehrregeln und Tischsitten. Da der Seniortester sich des öfteren fragte, was eine Digitalkamera in seinem Essen zu suchen hat, er aber kein Internet besitzt und der Junior ihm den Sinn eines Bogs schwer begreiflich machen konnte, werden hiermit die kulinarischen Visionen von 130 Jahren abgeschlossen und per Post nach Graz geschickt. Ich verspreche etwaige Anmerkungen vom Senior-Tester noch nachzureichen. Und wie ich ihn kenne, wird es einiges geben.



Kulinarische Realitäten

Food Blogs versuchen das Beste aus Küche und Keller darzustellen, wirken dabei aber oft zu clean und steril. Vor allem wird dabei oft der Humor und die Alltäglichkeit vergessen. Da ich kein Profikoch bin, noch die Zeit habe Kochbücher zu wälzen, sondern einkaufe kurz bevor der Supermarkt zusperrt und meist aus Vorräten koche, kann ich diese Ansprüche von Haus aus nicht erfüllen.

Der Hintergrund dieser traurigen Geschichte sind die drei Artischocken, die ich heute in meiner Küche mit dem Hinweis „Die kochen wir am Sonntag“ fand:

Es gibt zwar einige Sachen, die ich noch nie gekocht habe – Hunde, Quallen, Zapfen, Vogelnester oder Kochbücher – aber Artischocken werden eine ganz besondere Herausforderung darstellen, über die ich später noch schreiben werde.

Der wahre Hintergrund dieses Eintrags sind aber nicht die neuartigen kulinarich hochwertigen Artischocken, sondern das spartanische Resterlessen, das an diesem Fußballabend gekocht wurde: Fertigtortellini unbekannter Herkunft mit einer individuellen Sauce der Überreste:

Man nehme eben beschriebene Fertigtortellini (2 Packungen) für die Fertigtortellini und koche diese in Salzwasser. Für die Sauce die restliche Salami (keine Mengenangaben möglich, je nach Geschmack), eine kleine kleingehackte Zwiebel, eine Knoblauchzehe, zwei Chillischotten und brate diese in dieser Reiehnfolge mit etwas Butterschmalz an. Dann addiere man geschälte Tomaten aus der Dose, etwas Weißwein aus dem Kühlschrank (oder was da ist: Rotwein, Sekt, Bier, Schnaps oder Whisky) und schmecke mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver und einer vorhandenen Kräutermischung ab. Fertigtortellini abseien und hinzufügen. Umrühren und fertig ist der Fußballschmaus:

Passendes Getränke: Himbeersirup (wegen des Weinanteils in der Sauce)

Passende Musik:

Passend zu diesem Eintrag quälen mich hinsichtlich eines früheren Eintrags Schuldefühle. Ich hatte in einem früheren Beitrag über eine bestimmte amerikanische geschrieben, in der nur Fastfood zubereitet wird. Dies ist nicht wahr, wie folgende Fotos belegen: http://flickr.com/photos/rena5/2943738330/. Die einzelnen Zutaten des Currys kann ich nicht erkennen, aber sollte Intersse bestehen, dann frage ich gerne nach.

Passendes Getränk: Bier

Passende Musik:



Hell’s Kitchen

Der momentane Aufenthalt im Big Apple bei einer guten Freundin zaubert kulinarische Höhenflüge und Abstürze hervor. Das Essen und sein Geruch liegt in der Luft und macht einen verrückt. Deshalb zum ersten Mal der Titel Hell’s Kitchen. Als Gastgeschenk für die drei Mitbewohner (1x Mexiko, 1x Puerto Rico, 1x Costa Rica, 1x Pischelsdorf) wurde gestern österreichische Küche vom Modezaren und mir kredenzt: Consommé aux Crêpes aux chefs, Tafelspitz mit Kürbisgemüse und Ofenschnippelkartofferl sowie Mozartkugeln.

Erster Höhepunkt war der Einkauf im Supermarkt in West Harlem, der zwar eine riesige Auswahl zur Verfügung stellte, aber nicht bei Gewürzen und den Gehirnzellen der Kassiererin, die wohl zum ersten Mal Suppengemüse in den Händen hielt. Dabei ist es wirklich interessant, amerikanisch zu shoppen: keine Fotos erlaubt, dafür eine Million Tüten für alle Lebensmitteln.

Auf der Suche nach passenden saisonalen österreichischen Genüssen stolperten wir über Halloween und den Kürbis. Passend dazu, gekochtes Rindfleisch und daraus entstehend eine Fritattensuppe (für die deutschen Leser: Pfannkuchenstreifensuppe) als Entrée. Auch wenn die farbliche Komposition verbesserungswürdig ist, war es ein kulinarischer Hochgenuss: http://www.flickr.com/photos/rena5/2923928916/

Das Rindfleisch mit Suppengemüse (Karotten, Wurzelwerk, Petersilie, Eierschalen, Zwiebel und Gewürzen: Salz, Pfeffer, Lorbeerblätter) für ca. 2 Stunden kochen. Für visuelle Typen: http://www.flickr.com/photos/rena5/2923078113/.

Für das Kürbisgemüse, zuerst eine passende Reibe in Harlem kaufen gehen. Dann den Kürbis mit dem frisch erworbenen Küchenhelfer reiben, Zwiebel in Butter(schmalz) anschwitzen, Kürbis hinzufügen, mit Salz, Pfeffer, Kümmel und reichlich Paprikapulver abschmecken. Weichdünsten: dabei ist kontinuierliches Kosten wichtig! Im Finale Knoblauch und Sauerrahm hinzufügen. Passendes Fotomaterial: http://www.flickr.com/photos/rena5/2923927642/.

Die Ofenschnippelkartofferl sind ein Produkt des Backofens und eigentlich keine passende Variante, aber aus zeitlichen Gründen herzlich willkommen. Kartoffeln waschen, in dünne Scheiben schneiden, mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver und Öl reichlich würzen, mit beiden Händen (wie geil) reichlich vermengen und im Backrohr, bis zum knusprigen Finale, backen: http://www.flickr.com/photos/rena5/2923928388/.

Passend zur Rindssuppe sorgten wir uns um die Einlage: Frittaten (oder Pfannkuchen). In der Zusammensetzung haben wir uns mehr oder weniger an die Standardangaben für Pfannkuchen gehalten, was ohne Messbecher manchen Pfannkuchenkrüppel hervorgezaubert hat. Wir haben zur farblichen Unterstützung noch mit reichlich Petersilie gearbeitet: http://www.flickr.com/photos/rena5/2923928242/.

Hell’s Kitchen ist auch ein Synonym für gefühlte 40°C i einer kleinen amerikanischen Küche, eine Küche ohne Werkzeuge, da hier meist nur Fast Food verzehrt wird da hier kulinarische Höhenflüge mit einfachsten Mitteln gestartet werden. Es hat sehr viel Spaß gemacht und der Modezar und ich können – abgesehen von den Palatschinken – jederzeit für derartige Auftritte gebucht werden.

Passende Musik: eigentlich selbstgesungene Gospels, da keine Musikapparate zur Verfügung standen da die ipod-soundalage nicht zur verfügung stand, aber Modezar würde wohl folgendes wählen:

 

Passendes Getränk: Bier, österreichischer Zweigelt und Bacardi Cola als Starter.



Schwammerl
August 10, 2008, 9:29
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Aus den versprochenen Innereien der Zucchini wurde aus Zeitmangel leider keine Suppe mehr. Einer der Gründe des Zeitmangels – neben Arbeit, Bier und dem Versuch mein Bett zu richten – war der 40er eines meiner besten Freunde.

Dieser Eintrag hat aus zwei Gründen einen kulinarischen Hintergrund: der gastronomischen Ausflug auf die  Grabneralm und dem momentanen Schwammerlboom.

Das erste Augustwochenende wurde dieser besagte Geburtstag auf der Grabneralm in der Steiermark  gefeiert. Das Wetter war mies bis beschissen, die Stimmung aber genauso feuchtfrölich. Essenstechnisch muss hier vor allem der Schweinsbraten hervorgehoben werden. Das Geheimnis liegt im Tischherd, in der Saucenzubereitung (Hinzufügen von Zitronensaft und den besten Gewürzen), dem intensiven Einsatz von Knoblauch und den vier Stunden im Ofen.

Da die Wanderung zur Grabneralm keine zwei Stunden dauert, sei diese steirische Almhütte allen ans Herz gelegt. Natürlich liegt mir kein Foto vom Schweinsbraten vor, weshalb ich nur mit der Eierspeis zum Frühstück aufwarten kann. Ein einfaches, aber hervorragendes Gericht. Darüber hinaus ist auch noch die Hausbar mehr als eine Erwähnung wert, die von Günther beherrscht wird. In der Küche zaubert übrigens die bezaubernde Maria:

Nebenbei würde ich auch gerne von Pilzgerichten berichten. Doch ich hatte nur die Freude, mich an der Suche zu beteiligen. Die Schwammerl selbst hätten die Zugfahrt nicht überlebt. Folglich kann ich kein Rezept samt Foto von meinem Schwammerlgericht einstellen, sondern nur den Hinweis, dass jetzt Pilzsaison ist. Als guten Tipp kann ich nur empfehlen, dass getrocknete Steinpilze jede Sauce hervorragend verfeinern. 

Passende Musik zum Feiern auf der Alm (zumindestens einen 40er) und zum Schwammerlsuchen: Iggy Pop, Lust for life 



Riesenzucchini à la Rothmund

Nach der genialen Eröffnung des Gesellschaftsraums kam am Sonntag, den 27.07.08, die eigene Kochkunst zum Vorschein. Aus dem Gemüsegarten der Mutter meiner Mitbewohnerin stammt die Riesenzucchini, die gefülllt werden wollte.

Nach einer fantastischen Halbierzeít mit dem Brotmesser wurde mit dem gemeinen Löffel das Innere herausgeholt. Für die Füllung wurden, was ich noch in Erinnerung habe, folgende Zutaten vermengt:

  • gekochter Reis
  • Hackfleisch (oder wie man Österreich sagt: gemischtes Faschiertes)
  • grüne und schwarze Oliven, kleingeschnitten
  • Zwiebel kleingeschnitten
  • Knoblauch, von der Mitbewohnerin gepresst
  • Salz, Pfeffer, Majoran, Kräuter der Provence, Paprika
  • Tomaten
  • roter Paprika
  • Chillis

Grundsätzlich wurde alles dazugemengt, was vorhanden war und nach Geschmack gewürzt. Ich rate also jedem nach Geschmack vorzugehen und wie die großen Köche mit den Fingern zu würzen. Auf gehts! Der Höhepunkt ist das energische Umrühren der Masse mit den Fingern. Der Reis kann auch warm dazugegeben werden. Die Zucchini füllen, in den Ofen schieben (welcher auch immer vorhanden ist), und braten – mit einem bißchen Olivenöl unterhalb – bis die ganze Einheit gut durch ist. Vor dem Servieren mit Käse bestreuen und zum Gratinieren in den Ofen zurück.

Bei Bedarf eine scharfe Tomatensoße ansetzen und dazu servieren. Am Besten mit einem Schuß Rotwein verfeinern. Ich entschuldige mich für die flapsige Art der Darstellung, aber Kochen soll nach dem Gefühl heraus geschehen und nicht an Rezepten festgenagelt sein. Ich würde mich aber über zusätzliche Anregungen zu dem Gericht freuen.

Passende Musik zur Zubereitung: Massilia Sound System

Passendes Getränk zum Gericht: diesesmal, weil vorhanden eine Flasche Murauer Bier

Was mit den Innereien der Zucchini passiert erzähle ich das nächste Mal.